Τρίτη, 14 Οκτωβρίου 2014

Hellenistische Zeit: Die Kultur des Hellenismus.

Makedonische Kunst.
Hellenistische Zeit.
Mosaik aus der Grabstätte
Amphipolis in Makedonien.



Siegfried Lauffer
Kurze Geschichte der antiken Welt
1971

Die Bilder und die 
Textformatierungen sind unsere Auswahl (Yauna),

 und nicht im Text enthalten.
Die Kultur des Hellenismus.
Mit dem Alexanderreich und seinen Nachfolgestaaten begann für die griechische Kultur ein neues Zeitalter. 

Die enge Polis war überwunden, der ganze Orient stand den Griechen offen. 

Der Hellenismus, die Aus­breitung des Griechentums und seiner Kultur nach Osten, bedeutete den Beginn einer Weltkultur. 

Die gemeinsame hellenistische Kultur machte die Länder von der Ägäis bis zum Indus zu einer Einheit, die über die Staatsgrenzen hinwegging und die Völker miteinander verband.

An den Fürstenhöfen und in den Städten wurde Griechisch gespro­chen, die griechische Gemeinsprache, wie man sie nannte, die Koiné. 

 Sie war aus dem attischen Dialekt hervorgegangen und wurde überall verstanden. Sie war die Kanzleisprache der Monarchen, die Umgangs­sprache der Gebildeten, die Schriftsprache der Literatur.

 Aus Textfunden wissen wir, daß in Armenien die Stücke des Euripides bekannt waren, daß am Euphrat die Reden des Demosthenes gelesen wurden, daß in Afghanistan Regierungserlasse auf Griechisch veröffentlicht wurden. 

Manuskript in Koiné


Die zahllosen Papyrusfunde aus Ägypten enthalten nicht nur griechische Verwaltungsurkunden und Privatbriefe, sondern auch Textstücke der ganzen griechischen Literatur von Homer bis Aristoteles. Die einheimi­schen Sprachen des Orients, wie Ägyptisch, Aramäisch, Persisch, wurden durch die griechische Weltsprache verdrängt und blieben nur noch als Volkssprachen lebendig.

Die gesellschaftliche Schichtung der hellenistischen Zeit besaß in den Monarchen und königlichen Hofhaltungen einen neuen Faktor, den es in der klassischen Polis nicht gegeben hatte. 

Der König, der als Herrscher allein die Regierung führte, wurde mit seiner Hofgesellschaft auch für das kulturelle Leben weithin maßgebend. 

Die Hauptstädte und Residen­zen wie
Alexandreia,
Pergamon,
Antiocheia
wurden die Zentren der hellenistischen Kultur. 

Von den altgriechischen Städten konnten nur Athen und Rhodos ihre Bedeutung im geistigen Leben der Zeit wahren.
Die kleinen Fürsten von Bithynien, Pontos, Kommagene und ändern Ländern ahmten die Hofhaltung der großen Residenzen nach.

Viele Monarchen umgaben sich mit einem Kreis von Dichtern, Künst­lern und Gelehrten. 

Der Makedonische König Attalos II.
Archäologisches Museum Athen.
Ptolemaios I. stiftete in Alexandreia einen Kultver­ein der Musen, das Museion, das die bedeutendste Lehr- und For­schungsstätte der antiken Wissenschaft geworden ist und den Begriff des Museums geprägt hat. 

Attalos II. von Pergamon ließ als Stifter in Athen an der Agora eine Säulenhalle, eine Stoa, errichten, die von ameri­kanischen Archäologen neuerdings wiederaufgebaut wurde.

Wenn der Monarch mit seinem Gefolge in der Öffentlichkeit erschien, in der Theaterloge oder bei Kultfesten, so war die höfische Etikette für die gesellschaftlichen Umgangsformen tonangebend.
Die Modetracht und der Schmuck der Königinnen, so der
Arsinoë und der Berenike von Ägypten, galten als Vorbild des feinen Geschmacks.
Die Vermählung des Seleukos mit Stratonike, der Tochter des Demetrios, in Rhossos in Syrien erregte als prunkvolles Ereignis in der ganzen hellenistischen Welt Aufsehen.

Im übrigen betonten die Herrscher durch ihre Beinamen Eumenes >der Gnädige«, Soter >der Retter<, Euergetes >der Wohltäter« wie durch die Stiftungen ihre Philanthropie, ihre Menschenfreundlichkeit«, gegenüber Bürgern und Untertanen.
Sie entsprachen damit dem Bild des gnädigen Fürsten, das die Philosophen und Literaten der Zeit in ihren Schriften entwarfen.
Antigonos Gonatas von Makedonien prägte das Wort, die Königswürde sei nichts anderes als ein ehrenvoller Dienst, eine endoxos duleia, wie auch aufgeklärte Monarchen des 18. Jahrhunderts sagten, der König sei der erste Diener seines Volkes.
Das Bürgertum in den Städten war ganz unpolitisch geworden, da es im Unterschied zur klassischen Zeit die Politik nicht mehr selbst zu bestimmen hatte, sondern von der Obrigkeit regiert wurde. Auch die kommunale Selbstverwaltung und bestimmte Steuerprivilegien der Städte wurden durch gnädige Erlasse der Monarchen förmlich verliehen.

Die Bürger, zugewanderte Griechen und hellenisierte Einheimische, führ­ten ihr privates Leben, in der Familie, im Geschäft, in den Vereinen, die es in großer Zahl überall gab.

Das starke Vereinswesen der hellenisti­schen Zeit — Berufsvereine, Kultvereine, gesellschaftliche Vereinigungen aller Art — war ein Ersatz für die politische Betätigung.
Das Aussehen der Städte war besser und moderner als in früherer Zeit. Auch eine Kleinstadt wie Priene bei Milet hatte nach hippodami- scher Bauweise geradlinige Straßenzüge, freie Plätze und Anlagen, Be­leuchtung und Kanalisation. In geräumigen Atriumhäusern, ebenerdig oder mehrstöckig, mit Innenhof und Hausgarten, wie sie auch auf Delos ausgegraben wurden und vom römischen Pompeji bekannt sind, wohnte ein bürgerlicher Mittelstand von Beamten, Geschäftsleuten und Kapital­rentnern.
Die Großstädte wie Alexandreia, Antiocheia, Ephesos waren ebenfalls planmäßig angelegt, doch bildeten sich hier weit stärkere soziale Gegen­sätze zwischen der Hofgesellschaft, der Oberschicht, dem Mittelstand und einer breiten Masse von Lohnarbeitern, Versorgungsempfängern und Unfreien.

In jeder Stadt, wo es Griechen gab, bis in die fernsten Rand­staaten,
wurden jedoch
Theater und Gymnasien gebaut.


Diese beiden Stätten, das Theater für die geistige Bildung und das Gymnasion für die körperliche Ausbildung, waren geradezu die Symbole des Griechen­tums und der hellenistischen Kultur in aller Welt.
Auf dem Lande, in der chora, wie man deutlich abwertend sagte, lebte meist eine untertänige, steuerpflichtige Bauernbevölkerung, teils auf ei­genem Grund und Boden, teils auf den großen Staatsgütern. Hier fehlte alles, was die Städte zu bieten hatten. Auch die Einwanderer und Heeres­veteranen, die auf dem Lande angesiedelt wurden, verkauften oder ver­pachteten daher häufig ihre Grundstücke, um in die Stadt zu ziehen.
Der starke Gegensatz von Stadt und Land war schuld daran, daß die helle­nistische Kultur, die von den Städten ausging, das Hinterland nicht voll erfaßte.
Die Landbevölkerung führte weithin ihr eigenes Leben, bewahr­te ihr altes Volkstum, ihre Sprache und Religion.
Sie konnte daher auch zur Regierung des Landes kein rechtes Verhältnis gewinnen.
Diese kul­turelle und politische Kluft zwischen Stadt und Land, Staat und Unter­tanen mußte sich in der weiteren Entwicklung bemerkbar machen.

In der Wirtschaftspolitik der Monarchen spielte die Agrarproduktion eine bedeutende Rolle, da sie immer mehr für den Export verwendet wurde.
So wurde der Hellenismus das Zeitalter der Plantagenwirtschaft.

Durch verbesserte Anbaumethoden, Bewässerung, Düngung, Frucht­wechsel wurde der Ertrag gesteigert.
Es gab wissenschaftliche Lehr­bücher über den Landbau, die zum Teil von den Monarchen selbst ver­faßt waren und später von den Römern in ihren Werken über Agrikultur und Latifundienwesen übernommen wurden.
In wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht war der Hellenismus zugleich die Zeit eines weitreichenden Welthandels.

Durch den Flottenzug Nearchs unter Alexander war der Seeweg nach Indien erschlossen wor­den, der nun regelmäßig von seleukidischen und ptolemäischen Handels­schiffen befahren wurde.

Ihre östlichsten Stützpunkte waren Poduke in Vietnam und Kattigara auf Borneo.
Im Mittelmeer konkurrierten die Handelsmächte mit ihrem Warenangebot, wobei sie auch die Preis- und Währungspolitik sowie ihre politischen Bündnisse in den Dienst des staatlichen Außenhandels stellten. So erfanden und exportierten die


Pergamener das Pergament, um das ptolemäische Papyrusmonopol zu brechen, worauf die Seleukiden als Gegner der Ptolemäer ihren Ein­fuhrbedarf an Schreibmaterial — der in der Verwaltungsbürokratie dieser Staaten sehr erheblich war — sogleich von Papyrus auf Pergament um­stellten.
Der Kapitalmarkt war seit der Ausgabe der Alexandermünzen sehr flüssig, das Bankwesen mit Giro- und Kreditverkehr so entwickelt, daß es beispielsweise in Ägypten in jedem Dorf eine Filiale der ptolemäischen Staatsbank gab.

Besonders die Funde von gewerblichen Handelswaren illustrieren deutlich die Intensität und Verflechtung der Wirtschaftsbeziehungen in dieser Zeit.
Mosaik aus Pella Makedonien
Sie bestätigen zugleich auch die Einheitlichkeit und Groß­räumigkeit der hellenistischen Kultur.

Überall wurde dieselbe Keramik hergestellt und verkauft, schwarzgefimißt mit plastischen Verzierungen, oft von hoher Qualität, ebenso Glaswaren, Metallschmuck und besonders charakteristisch die Terrakotten.
Diese Tonfiguren, nach ihrem ersten Fundplatz Tanagra in Boiotien auch Tanagrafiguren genannt, können auf das Gebiet des Kunstge­werbes und der Kunst überleiten. Es sind anmutige Frauengestalten, Tänzerinnen, Gruppen aus dem Straßenleben, auch realistische, komische, groteske, kitschige Figuren sowie Imitationen klassischer Skulpturen und Götterbilder.

Das hellenistische Bürgertum hatte offenbar einen enormen Bedarf an solchen dekorativen Erzeugnissen, die daher als bil­lige Massenartikel nach Schablonen hergestellt wurden und als Votive und Grabbeigaben, Zimmerschmuck und Spielzeug dienten.

Die vielen Bronzestatuetten hatten den gleichen Zweck. Die Kunst wurde hier durch ihre Breitenwirkung, die es vorher nicht in diesem Maße gab, zum Kunstgewerbe.
Eine ähnliche soziologische Funktion hatten die zahlreichen Fußboden­mosaiken der Wohnhäuser. Sie wurden nach alexandrinischen Muster­katalogen bestellt und geliefert, ebenfalls in stereotypen Motiven unter­schiedlicher Qualität. Bezeichnend sind idyllische und bukolische Bilder vom Hirtenleben. 
Alexandermosaik aus Pompeji



Das Mosaik der Alexanderschlacht, eine Gemälde­kopie, stellt eine ungewöhnlich hohe Leistung der Mosaikkunst dar.
"Knabe mit der Gans",
die römische Kopie einer griechischen Plastik
aus dem 3. jahrhundert v. Chr. (in der Münchner Glyptothek)

Auch in der Plastik läßt sich eine breite, bürgerliche oder volkstüm­liche Unterströmung feststellen. Sie liebt wiederum idyllische, genrehafte oder humoristische Motive wie den oft wiederholten Knaben mit Gans, das lächelnde Kind, die trunkene Alte mit dem Weinkrug, oder Pikan- terien wie die Nymphe, die den zudringlichen Faun mit der Sandale abwehrt.

 Alexanderkopf  von Lysippos
Es wäre verfehlt, wenn man die hellenistische Kunst nur nach solchen Darstellungen von oft zweifelhaftem Geschmack beurteilen würde. In ihren hohen und großen Werken ist sie der klassischen Kunst weithin ebenbürtig. Besonders an den Fürstenhöfen waren die ersten Künstler ihrer Zeit tätig.

Der Alexanderkopf, vielleicht von Lysippos, zeigt die Wandlung vom verfeinerten, innerlichen Stil der Spätklassik zu der kämpferischen, un­ruhigen Zeit des Frühhellenismus. 

Der Ausdruck wird jetzt lebhafter, bewegt, leidenschaftlich, was an den tiefliegenden Augen, dem halbge­öffneten Mund, dem wirren Haar zu erkennen ist. Diese Züge tragen auch andere Porträtköpfe, ein Homer, ein Bildnis aus Delos, ein bärtiger Bronzekopf von Antikythera.

 Die Nike von Samothrake, die geflügelte Siegesgöttin, die sich am Bug eines Schiffes dem Sturm entgegenwirft, verkörpert noch deutlicher den pathetischen Bewegungsdrang der Zeit.

 Nike von Samothrake (um 190 v. Chr.)
Die Siegesgöttin Nike.
Sie wurde im Heiligtum der Kabiren auf der griechischen Insel Samothrake gefunden.
Das großartigste Werk der hellenistischen Kunst ist der berühmte Pergamonaltar in Berlin, ein monumentaler Zeusaltar mit Freitreppe, Säulenhalle und Skulpturenfries.
Dargestellt ist der Kampf der Götter und Giganten, symbolisch für die Kriege der Pergamener gegen die Galater, ein Thema wie der Kentaurenkampf, der Sieg der Kultur über die rohe Gewalt. In barocker Steigerung sind die Gruppen miteinander verschlungen, die Leiber und Muskeln herausgehoben, sogar auf die Treppe gestellt, die Gesichter von Pathos erfüllt. 
Man muß vom euro­päischen Barock des 17. Jahrhunderts absehen, um die Originalität dieser hellenistischen Kunst zu würdigen. Auch die Figur des >Sterbenden Galliers< stammt aus der pergamenischen Kunst.

Die Laokoongruppe im Vatikan, von Künstlern aus Rhodos geschaf­fen, von Michelangelo ergänzt, für Lessing, Winckelmann und Goethe ein exemplarisches Werk der griechischen Kunst, ist ebenfalls ein rein hellenistisches Werk. Dieser trojanische Priester, der mit seinen Söhnen von Schlangen getötet wird, erscheint wie ein spätes Gegenstück zum Pergamonfries, ist ihm aber sichtlich verwandt. Dagegen setzt die be­kannte Aphrodite von Melos oder Venus von Milo im Louvre, aus der­selben Zeit, nach Haltung und Ausdruck den weiblichen Idealtypus der praxitelischen Spätklassik fort. Als hellenistisch ist jedoch auch diese Statue durch ihre Lebendigkeit und Beweglichkeit gekennzeichnet. Der Typus der nackten Aphrodite schloß sich solchen Werken an. Scheinbar ganz anders, aber doch ebenfalls hellenistischen Ursprungs ist die soge­nannte Gandharakunst des Buddhismus in Nordwestindien, die östlich­ste Ausstrahlung der hellenistischen Skulptur.

In der Baukunst zeigte der Hellenismus, wie jedes monarchische Zeit­alter, hervorragende Leistungen. In repräsentativen Bauten kann sich der Herrscherwille am eindrucksvollsten manifestieren. Schon Alexander hatte derartige Baupläne. 

Die Dynastien seiner Nachfolger wetteiferten darin, sich in der Anlage ihrer Residenzen, in der Architektur ihrer Tempel, Theater, Rathäuser, Hallen und Denkmäler zu überbieten. 

Die Königsburg in Pergamon, der Apollontempel in Didyma, der Artemis­tempel in Ephesos sind Beispiele dafür.  
Die Attalosstoa in Athen, der Horustempel in Edfu, das Mausoleum in Halikarnaß wurden schon genannt. Fast alle diese Bauten haben im Vergleich zur Klassik einen Zug ins Pompöse und Kolossale, was zwar nicht als Vorzug gelten kann, aber für die Zeit bezeichnend ist. Auch der architektonische Schmuck folgte dieser Richtung, indem etwa das sogenannte korinthische Kapitell, reichverziert mit Akanthusblättern, häufig an die Stelle des einfacheren dorischen oder jonischen Kapitells trat.

Auf dem Gebiet des geistigen Lebens gingen ebenso wie in der Kunst und Architektur maßgebende Impulse von den Fürstenhöfen aus. 

Das Museion in Alexandreia erlangte eine solche Bedeutung, daß man den Hellenismus oft geradezu als das Zeitalter der alexandrinischen Wissen­schaft und Literatur bezeichnet hat. Im Museion wurde die erste öffent­liche Büchersammlung oder Bibliothek angelegt,
die schließlich mehr als 700 000 Papyrusrollen umfaßte.

 Ptolemaios I. berief dazu den Aristoteliker Demetrios von Phaleron aus Athen, der mit dem Ordnen und Kata­logisieren der Bücher begann.

Seine Nachfolger, die Bibliothekare Zenodot, Kallimachos, Aristopha- nes von Byzantion und Aristarch, wurden die Begründer der Philologie, der Literaturwissenschaft. Sie untersuchten die handschriftlichen Texte der Epen Homers, der Oden Pindars, der Dialoge Platons und anderer Werke, verbesserten nach Möglichkeit die Fehler, die durch das Ab­schreiben entstanden waren, prüften die Echtheit und den Stil der Schrif­ten und verfaßten erklärende Kommentare dazu. Auch die bis heute üblichen Grundbegriffe der Grammatik gehen auf sie zurück, so etwa ptosis — casus — >Fall< bei der Deklination. 
Auf dieser textkritischen und literarhistorischen Methode der Alexandriner, die ähnlich auch von der pergamenischen Philologenschule betrieben wurde, beruht die ganze spätere Überlieferung der griechischen Literatur im Mittelalter, als die Byzantiner und die abendländischen Mönche die Texte bis zur Erfindung des Buchdrucks weiter abschrieben. 

Ohne die Alexandriner wären uns Homer oder Platon nur dem Namen nach und nur durch einige unzu­verlässige Zitate bekannt. 

Durch die Alexandriner wurden diese Autoren zugleich aber auch zu Klassikern gemacht, da ihre Werke nun als vor­bildlich und feststehend angesehen wurden.

Die alexandrinischen Gelehrten waren zum Teil auch als Dichter tätig. So entstand die hellenistische Gelehrtendichtung und Hofpoesie mit ihren Vorzügen und ihren Schwächen. Die Gedichte des Kallimachos, Hymnen, Epigramme, Episches, sind hochstilisiert und voll mythologi­scher Anspielungen, aber gerade darum nur für Kenner verständlich, so die Verse von der >Locke der Berenike<, der Gemahlin Ptolemaios' III., nach der ein Sternbild benannt wurde. Ein astronomisches Lehrgedicht schrieb Aratos, ein Freund des Kallimachos, ein epigonenhaftes Argo­nautenepos der Bibliothekar Apollonios von Rhodos.

Neben dieser kunstvollen Poesie gab es in den breiten Schichten des Bürgertums und des Volkes eine vielgelesene Unterhaltungsliteratur. 

Dazu gehörte vor allem der Roman, der im Hellenismus zum ersten Mal als literarische Gattung hervortrat. 

Unter dem Namen des Historikers Kallisthenes wurde ein Alexanderroman verbreitet, der in jeder Neufas­sung wieder andere Ausschmückungen erhielt.
Er wurde ein echtes Volksbuch und Bestseller der Weltliteratur.
 Alexanders Indienzug regte auch den Reiseroman an, in dem fremde Länder und Völker geschildert wurden. Damit verwandt war der utopische Roman des Theopomp, Euhemeros, Iambulos. Diese Schriftsteller mit deutlich zeitkritischem Ak­zent verlegten den Schauplatz weit in den Fernen Osten nach Ceylon oder nach Norden auf die Insel Thule, wo glückliche Naturvölker unter einer gerechten Gesellschaftsordnung leben sollten. Noch Tacitus' Ger­mania und Rousseau standen in dieser Tradition.

Auf den hellenisti­schen Liebesroman geht die spätantike Geschichte von Daphnis und
Chloë zurück.
Das Verlangen des Städters nach Naturnähe und naturhaftem Leben, das in der Romanliteratur immer wieder anklingt, fand seinen eigent­lichen Ausdruck in der typisch hellenistischen Schäferpoesie oder Buko- lik Theokrits und anderer Dichter, die nicht zufällig in der ebenfalls höfi­schen und städtischen Rokokokultur des 18. Jahrhunderts, in der Anakreontik, ihre Entsprechung hat. Die Natur wurde als literarisches Mo­tiv entdeckt, das Leben der Hirten und Landleute in Idyllen, das heißt in >kleinen Bildern« und Szenen geschildert, halb ernst, halb verspielt, ero­tisch oder sentimental, wie auf den Mosaikbildem dieser Zeit.
Ein wirklichkeitsgetreues Abbild des Lebens und der Gesellschaft ge­ben die Theaterstücke Menanders von Athen, der als Lustspieldichter am meisten auf die Nachwelt gewirkt hat, über Plautus und Terenz auf Molière und die Neueren.
Er hat die Liebesgeschichte als unerschöpfliches Thema für das Theater entdeckt. Seine Charaktere und komischen Si­tuationen voller Witz und Intrigen fanden den Beifall eines Publikums, dessen Mentalität sie genau entsprachen. Erst neuerdings wurde wieder ein solches Menanderstück auf Papyrus gefunden, der Dyskolos oder >Menschenfeind<.
Weit bedeutsamer als die Literatur des Hellenismus wurde seine Wis­senschaft.
Die exakten Naturwissenschaften sind ebenso wie die Philo­logie meist in der hellenistischen Zeit entstanden.

Nur die von Hippokrates begründete Medizin war älter, doch auch sie erreichte in den großen Ärzteschulen von Alexandreia, Pergamon, Kos und Knidos jetzt einen Höhepunkt. Herophilos, der von Ptolemaios I. die Erlaubnis erhielt, Sek­tionen durchzuführen, begründete die Anatomie und entdeckte das Ner­vensystem. Erasistratos entwickelte die Chirurgie bis zur Bauchopera­tion.

Das Asklepieion in Pergamon war ebenso wie in Kos eine thera­peutische Heilstätte für Patienten aus allen Ländern.
Die Reihe der großen alexandrinischen Mathematiker begann mit Eukleides, dessen Lehrbuch der Geometrie, die Stoicheia oder Elemente, bis ins 19. Jahrhundert grundlegend blieb.

Der Begriff des euklidischen Rau­mes wurde erst durch Einsteins Relativitätstheorie außer Kraft gesetzt oder ergänzt.
Apollonios von Perge schuf die Trigonometrie und die Lehre von den Kegelschnitten, wobei er erstmals von Ellipsen, Parabeln und Hyperbeln sprach.
Archimedes von Syrakus, gleichfalls in Alexan­dreia ausgebildet, war der größte Mathematiker, Physiker und Ingenieur des Altertums.

Er fand das Hebelgesetz, entdeckte das spezifische Ge­wicht und berechnete die Kreiszahl Pi.

Dieser griechische Buchstabe weist noch heute ebenso wie der Name Mathematik selbst auf den griechi­schen Ursprung der Wissenschaft von den Zahlengrößen hin.
Auch Mechanik und Technik sind griechische Bezeichnungen.
Heron und Ktesibios von Alexandreia konstruierten
Automaten,
Uhren,
Dampf­kessel und andere Apparate,
die zur Zeit der Renaissance als Grundlage für die Entwicklung der neueren Technik dienten. 

 Diese mechanischen Apparate, die Vorläufer der modernen Maschine, hatten freilich meist nur einen spielerischen Zweck, keine wirtschaftliche Bedeutung.

Da es genug menschliche Arbeitskräfte gab, Lohnarbeiter und Sklaven, be­stand kein Bedürfnis nach maschineller Arbeitskraft. Der Aufschwung der modernen Technik wurde durch die Notwendigkeit ihrer wirtschaft­lichen Nutzung und der daraus entstehenden Vorteile verursacht. Nur in der Kriegstechnik fanden die antiken Maschinen praktische Anwen­dung, als Belagerungsgeschütze und ähnlich, wie auch unsere neueste Technik in erster Linie oft militärischen Zwecken dient.
Als Vertreter der hellenistischen Astronomie sind Aristarch von Sa­mos und Hipparch von Bithynien zu nennen.
Aristarch lehrte das helio­zentrische Weltbild mit der Sonne, nicht der Erde als Mittelpunkt, was erst
Kopernikus zur allgemeinen Anerkennung brachte.
Hipparch, der größte griechische Astronom, berechnete die Planetenbahnen und das Sonnenjahr, entdeckte die Präzession der Tagundnachtgleiche und die Bewegung der Fixsterne.
In der Geographie ragte der Alexandriner Eratosthenes hervor.
Er lehrte die Kugelgestalt der Erde und nahm daher an, daß man, wenn man von Spanien nach Westen fahre, nach Indien kommen müsse, was Ko­lumbus zu seiner Entdeckung Amerikas führte.

Den Erdumfang berech­nete Eratosthenes ziemlich genau auf 252 000 Stadien = 45 000 km. Als Seefahrer und Entdecker in hellenistischer Zeit ist Pytheas von Massalia zu nennen, der Britannien bis zu den Shetland-Inseln umfuhr, die Po­largegenden und das Wattenmeer an der Nordseeküste beschrieb.
Die Geschichtsschreibung des Hellenismus hatte ihren bedeutendsten Vertreter in Polybios von Megalopolis, dessen >Historien< dem Rang des Thukydides nahekommen. Seine pragmatische und universale Betrach­tungsweise hat einen geschichtsphilosophischen Zug, indem er die fort­schreitenden Epochen im Gang der Geschichte unterscheidet und dabei zum ersten Mal auf die Bedeutung des Römertums hinweist.
In der hellenistischen Philosophie schließlich finden wir alle Tenden­zen des Zeitalters zusammengefaßt als Universalismus und Individualis­mus, Dogmatismus und Skeptizismus in verschiedener Ausprägung.

Was Alexandreia für die Fachwissenschaften bedeutete, war Athen für die Philosophie.

Hier setzten die Platoniker in der Akademie und die Aristoteliker oder Peripatetiker im Lykeion ihre Tradition fort, wobei ihnen andere, rivalisierende Schulen zur Seite traten, vor allem die Stoiker und die Epikureer.
Die stoische Philosophie, benannt nach der Stoa Poikile in Athen, wo ihr Gründer, Zenon von Cypem, seine Lehrvorträge hielt, wurde die einflußreichste geistige Bewegung des Hellenismus. Die Stoiker wirkten als Ratgeber der Monarchen und verbreiteten ihre Lehren durch Schriften und Reden im Volk. Kleanthes, Chrysippos, dann Panaitios und Poseidonios von Rhodos waren ihre namhaftesten Vertreter. Nach stoischer Auf­fassung ist die Welt eine universale Einheit.

Die Weltordnung, der Kos
mos, das Naturgesetz, Zeus als höchster Gott, das sind nur verschie­dene Worte, die dasselbe bedeuten. Mit >stoischer< Ruhe soll der Mensch in Übereinstimmung mit dem Weltgesetz leben, der Vorsehung ver­trauen, seine Pflichten erfüllen, das Unveränderliche hinnehmen. Die Welt, der Kosmos, ist die wahre Polis, der Kosmopolitismus daher die entsprechende Haltung. Der beste Staat wäre ein ökumenischer Welt­staat.
Die Herrscher sollten die göttliche Weltregierung zum Vorbild nehmen, die Menschen in Eintracht leben.
Auch Epikur, der seine Philosophenschule ebenfalls in Athen grün­dete, hatte kein Verhältnis zur historischen Polis mehr. Im Gegensatz zu den Stoikern lehnte er aber die politische Mitarbeit in der hellenistischen Monarchie ab.
Die Epikureer verhielten sich apolitisch, um im Verborge­nen zu leben, wie sie sagten, das heißt, um ein privates, individuelles Leben mit Freunden zu führen, ohne Menschenfurcht und ohne Götter­furcht.
Das Epikureertum, die Philosophie einer verfeinerten Lebens­kunst, fand im hellenistischen Bürgertum ebenso Anklang wie die Pflich­tenlehre und der Glaubenseifer der Stoiker.
In bewußten Gegensatz nicht nur zum Staat, sondern zur Kultur über­haupt stellten sich die Kyniker.
Der radikalste Vertreter dieser Philoso­phie, die von dem Sokratiker Antisthenes begründet wurde, war Dioge­nes.
Er lebte in Korinth angeblich in einer Tonne, wie ein Hund, kyon, als kynischer oder zynischer Kulturverächter, um sich die innere Freiheit, wie er sie verstand, zu bewahren.

Die Kyniker zogen als populäre Wan­derprediger umher. Ihre Kritik an der Gesellschaft und der Zivilisation der kulturstolzen hellenistischen Zeit entsprach gewissen Strömungen, die in der untertänigen Bevölkerung, besonders im Orient, immer mehr im Vordringen waren und sich am deutlichsten auf dem Gebiet der Re­ligion zeigten.
Die griechische Götterreligion war weithin geschwunden.

Die Götter waren nur noch schön, nicht mehr wahr.
Die Göttin Tyche wurde ver­ehrt, das heißt das Schicksal, der Zufall, das Glück.
Als allegorische Fi­gur und Stadtgöttin mit der Mauerkrone sollte sie die Bürger schützen. Auch der offizielle Königskult, der überall eingeführt wurde, bot keinen ausreichenden Ersatz für den alten Glauben.
Die Religiosität der Platoniker und der Stoiker war mehr eine Sache der philosophisch Gebildeten als des Volkes.
So kam es, daß die orientalischen Religionen immer mehr Anhänger und Gläubige in der hellenistischen Welt fanden, auch im Westen.

Die ägyptische Muttergöttin Isis, der syrische Sonnengott, der persische Mithras, die kleinasiatische Kybele und andere hatten schließlich überall ihre Kultgemeinden mit festem Ritual, mit ihrer Ethik und Dogmatik.
Es waren meist Mysterienkulte mit geheimer Einweihung und Erlösungs­religionen mit Jenseitshoffnung. Audi um griechische Götter wie Diony­sos bildeten sich nach diesen Vorbildern jetzt Mysterienkulte.
Durch synkretistische Religionsmischung entstanden neue Göttergestalten wie der ägyptisch-griechische Sarapis.

Eine Welle von Magie und Astrologie, Amuletten und Horoskopen begleitete die Ausbreitung der orientali­schen Religionen. Der Orientalismus drängte den Hellenismus zurück. Die Religion des Ostens drang in das glaubenslos gewordene Griechen­tum ein.

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