Τετάρτη, 1 Μαΐου 2013

Namensstreit um Makedonien - Makedonische Frage: Eine kommunistische Erfindung?

Die Gliederung des Kgr. Jugoslawien
in Banovine 1929-1941
Ελληνικό Κείμενο
Spyros Sfetas
(Bilder-Auswahl vonYauna)


Vardarska Banovina:

Die Entstehung des „Makedonismus“ 
in der Zwischenkriegszeit


 1. Die Rolle der Kommunistischen Internationalen bei der Geburt der „makedonischen Nation“

In der Historiographie ist die Auffassung sehr verbreitet, die „makedonische Nation“ sei eine Schöpfung Tito-Jugoslawiens. 

Dies lässt sich natürlich nicht bezweifeln, da ja die Kommunistische Partei Jugoslawiens besondere Gründe hatte, im jugoslawischen Makedonien der Zwischenkriegszeit den „Makedonismus“ als nationalideologisches Gegengewicht zur bulgarisch-serbischen Konkurrenz zu fördern.

Die Notwendigkeit der Befreiung der Slawen Makedoniens vom griechischen, serbischen und bulgarischen Einfluss und der Schaffung einer gemeinsamen slawomakedonischen Identität hatten bereits zu Beginn des 20. Jh. einige slawische Intellektuelle betont:

Krste Misirkov,
Stefan Dedov, 
Diamandi Misajkov und 
Dimitrija Cupovski.

Da sie erkannten, 
dass die Konkurrenz zwischen Serben und Bulgaren sich zum Nachteil der örtlichen Bevölkerung auswirkte und die türkische Herrschaft verlängerte,
 strebten sie die Anerkennung der Slawen Makedoniens 
als eigene Volksgemeinschaft (millet) an.

 Doch zu Beginn des 20. Jh. begünstigten die politischen Umstände nicht die Förderung des „Slawomakedonismus“ als neuer kollektiver nationaler Identität,
 und seine ersten Anhänger stießen bei den Massen auf kaum Resonanz.

Die politischen und ideologischen Voraussetzungen für den „Makedonismus“ wurden im Wesentlichen in der Zwischenkriegszeit durch die Dritte Kommunistische Internationale (Komintern) geschaffen. 

Es ist bereits belegt, dass die Kommunistische Internationale die Makedonische Frage als eine Sache der Taktik sah, entsprechend den jeweiligen politischen Gegebenheiten.1

 Die Veröffentlichung wichtiger Dokumente zum Zeitraum 1923-1925 aus dem Archiv der Komintern hat im Wesentlichen die Ansicht bestätigt, 
die Kommunistische Internationale habe damals den Standpunkt von einem einheitlichen und unabhängigen Makedonien in einer Balkanischen Sowjetrepublik propagiert, 
um die IMRO für ihre Bemühung zu gewinnen
eine einheitliche Front 
der bulgarischen Kommunisten, 
der bulgarischen Agrarier und 
der bulgaromakedonischen Organisationen zu schaffen, 
um die Revolution in Bulgarien, die Einsetzung einer Arbeiter- und Bauernregierung und die Destabilisierung der Balkanstaaten voranzutreiben.

Der Kommunistischen Internationalen zufolge sollten die makedonischen Organisationen in Bulgarien nicht nur vom Einfluss der bulgarischen „bürgerlichen“ politischen Kräfte befreit, sondern auch vom bulgarischen Nationalismus entfremdet werden.

 Karl Radek äußerte sich bei der Konferenz des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationalen in Moskau (12.-13. Juni 1923) folgendermaßen, indem er der bulgarischen Kommunistischen Partei Vorwürfe machte wegen ihrer neutralen Haltung bezüglich des Putsches gegen die Agrarierregierung unter Aleksandär Stambolijski:

In der ganzen modernen Geschichte Bulgariens spielt die Makedonische Frage eine große Rolle. 

Makedonien, wo Bauern leben, von denen man schwer sagen kann, ob sie Serben oder Bulgaren sind, stellt ein altes Streitobjekt zwischen Bulgarien und Serbien dar. 

Nach der Niederlage Bulgariens im Krieg hat die Agrarierpartei Stambolijskis auf ihren Anspruch auf Makedonien verzichtet. 

Sie hat nicht nur offiziell verzichtet und in Nis einen Vertrag mit Jugoslawien unterzeichnet, auf Grund dessen Stambolijski die alten makedonischen Organisationen verfolgt hat. Diese Organisationen sind vom sozialen Standpunkt her Organisationen kleiner und armer Bauern. Sie haben eine revolutionäre Vergangenheit, sie haben gegen die Herrschaft der türkischen Grundbesitzer und die serbische Bourgeoisie gekämpft, sie haben illegale revolutionäre Organisationen.

Man sympathisiert schon lange mit der Russischen Revolution. 
Die makedonischen Organisationen waren ein sozialer Faktor, zu dem wir eine Verbindung aufnehmen könnten... 
Die Partei hat nichts getan, und typisch ist die Vernachlässigung der Makedonischen Frage als einer Sache der Taktik...“3

 Statt des Begriffes „bulgarisches Volk“, wie er in früheren Proklamationen der Dritten Internationalen vorkommt, wird 1923-24 der Terminus „makedonisches Volk“ oder „makedonische Bevölkerung ohne ethnische Unterscheidung“ eingeführt.

Absicht der Komintern war vom politischen Standpunkt her die Herausbildung eines einheimischen „makedonischen“ Bewusstseins als ein „Volk“ bei allen Ethnien Makedoniens und ein einheitliches und unabhängiges Makedonien als deren Ziel zur Unterminierung der „bürgerlichen“ Staaten des Balkans.

Die neue auf der Sechsten Konferenz der Kommunistischen Balkanföderation (Dezember 1923 in Moskau) und beim Fünften Kongress der Komintern (17.6.8.7.1924) durchgesetzte Linie ist ein „einheitliches und unabhängiges Makedonien in einer Balkanföderation“ - nur zu verwirklichen, „wenn der Kampf des makedonischen Volkes mit dem Kampf der Arbeiter und Bauern des Balkans einhergeht“.

Es ist nicht schwer zu verstehen, dass eine solche Politik auf die Aushöhlung der Balkanstaaten einschließlich Bulgariens abzielte.


 In einem Brief an die IMRO im Juli 1924 machte die Komintern für eine Unterstützung der organisation deren Pflicht, 
mit dem Ziel der Vertreibung der bulgarischen Staatsorgane aus dem bulgarischen Teil Makedoniens und der Proklamation seiner staatlichen Unabhängigkeit die Revolution in Bulgarien zu beginnen, zur Voraussetzung.4

Der Druck, der im Jahr 1924 von der Komintern auf die Kommunistische Partei Griechenlands ausgeübt wurde, den Beschluss des Fünften Kongresses der Komintern bezüglich der Makedonischen Frage zu akzeptieren, erklärt sich aus ihrer Politik gegenüber der IMRO.

Kommunistische Partei Griechenlands
 Der Flügel der Kommunistischen Partei Griechenlands,
der die neue Linie akzeptierte,
 rechtfertigte seine Haltung mit dem Argument,
soweit der Standpunkt von einem
„einheitlichen und unabhängigen Makedonien“ zu einem erfolgreichen Ausgang der Revolution in Bulgarien und auf dem Balkan beitrage,
müsse die Kommunistische Partei Griechenlands als internationalistische Partei sie akzeptieren, auch wenn das zu einem Konflikt mit dem griechischen Bürgertum führe.5

Der Begriff „makedonische Nation“, emphatisch gleichgesetzt ausschließlich mit dem slawischen Element in Makedonien, hatte noch nicht in die Texte der Komintern Eingang gefunden, doch die Makedonische Frage galt nicht mehr als eine bulgarische Angelegenheit.
Die Pläne der Komintern schlugen fehl, aber die sowjetische Einmischung in die Makedonische Frage hatte eine politisch-ideologische Polarisierung der bulgarisch-makedonischen Bewegung zur Folge.

Als ideologischer und politischer Antipode der IMRO unter Ivan Mihajlov wurde im Oktober 1925 in Wien die unter dem Schutz der Kommunistischen Internationalen stehende Vereinigte IMRO gegründet.

Im Zentralkomitee der Vereinigten IMRO gab es einen kommunistischen und einen national-revolutionären Flügel, der, obwohl er mit einer kommunistischen Ausrichtung nicht einverstanden war, für eine Revision der Friedensverträge auf die Hilfe der Sowjetunion baute.

1928 wurde im Licht der Beschlüsse des Sechsten Kongresses der Komintern der nationalrevolutionäre Flügel des Zentralkomitees der Vereinigten IMRO ausgemerzt,
das somit einen kommunistischen Charakter im engeren Sinn erhielt,
wobei Dimitär Vlahov und Vladimir Poptomov, Mitglieder der Bulgarischen Kommunistischen Partei, eine führende Rolle spielten.

Angesichts der Tatsache, dass ihr sitz zuerst in wien und später in Berlin war, war der Einfluss der Vereinigten IMRO im Balkanraum unbedeutend, und ihr journalistisches Organ mit dem Titel Makedonsko Delo („Makedonische Sache“), das in bulgarischer Sprache herausgegeben wurde, war auf dem Balkan schwer zugänglich.

 Bis 1928 wurden nur im serbischen Teil Makedoniens kleine zur Vereinigten IMRO gehörige Gruppierungen ohne eigentliche politische Bedeutung aufgebaut, und 1929 wurden sie endgültig von den serbischen Behörden zerschlagen.

 In Bulgarien wurden 1928 die ersten Zellen der Organisation gegründet, aber dennoch konnte sich die Vereinigte IMRO in Bulgarien wegen ihres kommunistischen Charakters im engeren Sinne und der feindlichen Haltung der IMRO unter Mihailov nicht zu einem bedeutenden politischen Faktor entwickeln und beschränkte sich auf Propagandatätigkeit unter den bulgarisch-makedonischen Flüchtlingen.

 Die wesentliche politische Linie der Organisation bestand in einem „einheitlichen und unabhängigen Makedonien“ in einer Balkanföderation und unter dem Begriff „makedonisches Volk“ liefen alle Ethnien Makedoniens (Bulgaren, Albaner, Türken, Juden, Aromunen, Griechen, Roma).

 In einem Memorandum der Organisation (10. 9. 1927) an den Präsidenten der Vertretung der nationalen Minderheiten in Genf über den Zustand der unterdrückten Völker des Balkans im Jahr 1927 wurde charakteristischerweise Folgendes betont:

Im serbischen Makedonien wenden alle Belgrader Regierungen, ungeachtet ihrer Unterschiede bezüglich Innen- und Außenpolitik, gegenüber den Makedoniern dieselbe Politik an. 

Das makedonische Volk, das heißt alle Ethnien, die dort lebten und für die wir sprechen: 
Bulgaren, Albaner, Türken, Juden, Zigeuner genießen keine politischen und bürgerlichen Rechte. 
Alle serbischen Behörden behandeln sie nach wie vor als Serben...

Wenn wir untersuchen, wie das makedonische Volk unter der griechischen Sklaverei lebt, stellen wir fest, dass auch hier der Zustand der nämliche ist. 
Die griechischen Behörden haben die Türken aus Makedonien vertrieben, nachdem sie sie zuerst um ihr Hab und Gut gebracht hatten.

 Die Juden hindern sie in vielen Dingen, um sie zum Aussiedeln zu zwingen. Sie vertreiben auch die Bulgaren...

 Es gibt keinen Unterschied in der Politik zwischen der griechischen und der serbischen Regierung, was die Ethnien Makedoniens betrifft. 

Griechenland behandelt diese Ethnien wie Sklaven...

Wenn wir den bulgarischen Teil Makedoniens untersuchen, stellen wir fest, dass auch hier der Zustand ähnlich ist wie im serbischen und griechischen Teil.

Die griechischen und türkischen Makedonier, die zuerst hier lebten, wurden vertrieben. 
Die Bevölkerung bulgarischer Nationalität, die in diesem Teil Makedoniens lebt, erfreut sich kultureller Rechte. 
Sie hat Schulen, Kirchen usw. 
Und das ist der einzige Unterschied zwischen dem Zustand der Makedonier in Bulgarien und jenem in Griechenland und Serbien...

Von jedem anderen Gesichtspunkt unterscheidet sich der Zustand der Makedonier in diesem Teil Makedoniens nicht von den Teilen, die sich unter griechischer und serbischer Hoheit befinden, und in manchen Fällen ist er sogar schlechter. Das in Makedonien unter bulgarischer Herrschaft geltende politische System ist

eines der tyrannischsten, die es auf der Welt gibt... Was den wirtschaftlichen Zustand betrifft, in dem man die makedonischen Bulgaren in diesem Teil Makedoniens leben lässt, ist er besonders tragisch... “

6. Welche Faktoren spielten eine Rolle, sodass dieser Standpunkt verlassen und die Auffassung von der Existenz einer ausschließlich mit der slawischen Volksgruppe gleichgesetzten „makedonischen Nation“ angenommen wurde? Heute erlaubt uns die Möglichkeit eines Zugriffs auf das Archiv der Komintern eine vollständigere Darstellung dieses Prozesses.

Im Allgemeinen wird die alte Auffassung bestätigt, dass nach der Machtergreifung Hitlers die Komintern im bevorstehenden Krieg die Ausnützung der Makedonischen Frage durch Nazideutschland zu Gunsten Bulgariens, wie auch im Ersten Weltkrieg geschehen, verhindern wollte.

 Da die IMRO unter Mihailov 1933 den Standpunkt der Vereinigten IMRO von einem einheitlichen und unabhängigen Makedonien akzeptiert hatte - allerdings als zweiter bulgarischer Staat, indem die bulgarische nationale Identität als passend zu der politischen Bezeichnung „Makedonier“ empfunden wurde -, war das Bedürfnis nach der Aufnahme eines nicht nur ideologischen und politischen, sondern auch nationalen Kampfes gegen die IMRO unter Mihailov nunmehr ersichtlich.

Wesentlichen Einfluss hatte auch die Bemühung der Komintern, die Ausnützung der nationalen Probleme Jugoslawiens und speziell der Kroatienfrage durch Nazideutschland zu verhindern, und aus diesem Grund wurde auch die Frage der Gründung einer nationalen kroatischen und slowenischen Partei aufs Tapet gebracht, sodass sich die nunmehr auf nationaler Basis organisierten kommunistischen Parteien mit den nationalen Problemen des Landes beschäftigen konnten.

Unter den neuen Bedingungen sollte Jugoslawien einen Schutzwall gegen einen eventuellen Versuch der Deutschen, auf den Balkan vorzudringen, darstellen.

Sobald Vladimir Poptomov, Mitglied des Zentralkomitees der Vereinigten IMRO, erfahren hatte, dass innerhalb der Komintern über den Zustand der Organisation und die Perspektive der „revolutionären Aktivität“ gesprochen werden sollte, legte er am 15.11.1933 dem Balkanländer-Sekretariat (BLS), dem für den Balkan zuständigen Organ der Komintern, ein Memorandum vor.

 Er sah nach die Ursachen des Scheiterns der Vereinigten IMRO bei ihrem Versuch, sich zu einer Massenorganisation zu entwickeln, in ihrem zentralistischen Charakter, den Schwierigkeiten der Verbreitung der Zeitung „Makedonische Sache“ und in der Schwierigkeit für die Bevölkerung in Griechenland und Jugoslawien, die Zeitung zu lesen und zu verstehen, da sie in der bulgarischen Schriftsprache herausgegeben wurde.
Poptomov wies besonders auf die unterschiedlichen in den drei Teilen des weiteren makedonischen Raumes herrschenden politisch-sozialen Zustände hin, auf die andauernde Serbisier- ung und Hellenisierung der slawischen Bevölkerung, die zur Folge hatte, dass die jungen Generationen sich mündlich und schriftlich nur in serbischer oder griechischer Sprache ohne Schwierigkeiten ausdrücken konnten.

So konnte Poptomov zufolge die Zeitung „Makedonische Sache“ nur von den bulgarisch-makedonischen Flüchtlingen Bulgariens verstanden werden. 

Er schlug die Dezentralisierung der Organisation vor, die Gründung einer national-revolutionären Organisation in jedem Teil Makedoniens unter der Anleitung der kommunistischen Parteien und die Parole von der „Selbstbestimmung des makedonischen Volkes bis zur Verselbständigung als souveränes und einheitliches Makedonien“.
 Der wesentliche Punkt von Poptomovs Bericht war vielleicht die Bestätigung der Gefahr, dass die Serbisierung und die Hellenisierung gelingen könnten.

Bei der Konferenz des BLS am 20. Dezember 1933 wurde der Bericht von Rilski9 (Pseudonym von Georgi Karadzov), einem Mitglied der Vereinigten IMRO (Bulgarien) über die Vereinigte IMRO untersucht und seine Auffassung vom Recht des „makedonischen Volkes“ auf seine Abspaltung, von einem einheitlichen und unabhängigen Makedonien und einer Balkanföderation der Werktätigen angenommen.10

Es wurde auch die Frage nach der Nationalität der Makedonier gestellt und „ eine besondere Untersuchung der Frage, möglichst unter Beteiligung der auf Makedonien angereisten Genossen, für nötig befunden“11

An der Konferenz am 22. Dezember 1933 nahm auch Vlahov teil.

Es stellte sich das Problem der Verfassung eines Resolutionsentwurfes über die Vereinigte IMRO mit der Nationalität der Makedonier als Kernpunkt, und Vlahov, Rilski und German (Pseudonym des bulgarischen Kommunisten Pavle Gicev) wurden beauftragt, in drei Tagen den Vorentwurf zu 12 präsentieren.

Die Hauptpunkte darin sind folgende:

Die nationale Frage Makedoniens steht in besonders engem Zusammenhang mit der Frage des Krieges und mit der Frage der internationalen sozialen Revolution.

Die seltene Eigentümlichkeit der historischen Entwicklung hat hier vom nationalen Standpunkt einen Zustand geschaffen, zu dem es nirgends in Europa ein Pendant gibt...
Nach dem Balkankrieg und dem imperialistischen Krieg wurde Makedonien in drei Stücke gerissen und zwischen Serbien, Griechenland und Bulgarien aufgeteilt.

Es kam zu einer künstlichen Bevölkerungsverschiebung zwischen ganzen Gegenden, Neubesiedlung, gewaltsamer Entethnisierung und Assimilation...

Das makedonische Volk sieht die Gefahr, in der es schwebt, solange es einen Kapitalismus und einen Imperialismus geben wird, solange die großen imperialistischen Zentren die kleinen Balkanstaaten ausbeuten...

 Die Bevölkerung des Landes, die schon so viele Kriege erlebt hat, ist sich bewusst geworden, dass der neue Imperialismus zu ihrer völligen physischen Vernichtung führen könnte, wenn der Krieg nicht davor durch einen Aufstand und den Sieg der sozialen Revolution in Europa abgewendet wird.

Dieser Zustand lässt die gesamte Bevölkerung der Werktätigen dieses Teils der Balkanhalbinsel sich zusammenschließen und schafft hier eine eigentümliche Tatsache, nämlich dass sowohl die Bevölkerung, die die slawische Sprache spricht, als auch die Bevölkerung, die die Sprachen der Minderheiten spricht, dieselbe nationale Unterdrückung empfindet, dieselbe wirtschaftliche Ausbeutung und Plünderung.

Sie hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt gemeinsame Interessen und empfindet die Notwendigkeit der gemeinsamen Verteidigung, wenn die bevorstehenden Ereignisse eintreten...

Die werktätigen Massen Makedoniens nennen sich selbst weder Bulgaren noch Serben und wollen auch nicht solche sein und empfinden die Regierung der Griechen und der Türken als Fremdherrschaft. Sie bezeichnen sich als souveräne makedonische Gesamtheit...

Hier ist die Idee der makedonischen nationalen Hoheit identisch mit dem Recht der vollen nationalen Selbstbestimmung Makedoniens 
und die Idee von einer einheitlichen und unabhängigen makedonischen Republik der Werktätigen identisch mit dem gemeinsamen Kampf gegen den Imperialismus und der sozialen Revolution... “13

Der Hauptteil bezog sich auf den bevorstehenden Krieg, und unter den Begriffen „makedonisches Volk“ und „die werktätigen Massen Makedoniens wurden alle Ethnien Makedoniens verstanden, Slawen und Nichtslawen, als eine politische Gesamtheit mit der politischen Bedeutung des Begriffes „Volk“.

Diese Besonderheit verlieh das Recht auf einen einheitlichen und unabhängigen makedonischen Staat „der Arbeitermassen“. 

Im Wesentlichen unterschied sich der Text nicht von den früheren Proklamationen der Vereinigten IMRO - nur mit dem Unterschied, dass aus taktischen Gründen kein Bezug mehr genommen wurde auf eine Sowjetrepublik oder Balkanföderation.

 Der Text des Vorentwurfes wurde nicht als befriedigend bewertet, und in der Konferenz des BLS am 28. Dezember 1933, bei der Vlahov nicht anwesend war, wurde German (Pseudonym von Gicev) beauftragt, dem BLS bis zum 31. Dezember 1933 die Endfassung des Resolutionsentwurfes vorzulegen.14


Doch auch der dem BLS am 31. Dezember 1933 vorgelegte Text war ähnlich wie der Vorentwurf.

„. Nach dem Balkankrieg und dem imperialistischen Krieg, als deren Folge der vom geographischen und wirtschaftlichen Standpunkt einheitliche makedonische Raum zwischen Serbien, Griechenland und Bulgarien dreigeteilt wurde, hat sich die wirtschaftliche und politische Lage der makedonischen Bevölkerung noch mehr verschlechtert...

Als Ergebnis dieser Politik hat sich die alte ethnographische Physiognomie einiger Teile Makedoniens fast von Grund auf verändert - im griechischen Teil -, und soweit dort einheimische Bewohner verblieben sind, ist es ihnen unter Todesstrafe verboten, ihre Muttersprache zu sprechen (in Makedonien unter serbischer und griechischer Herrschaft).

Die überwältigende Mehrheit der werktätigen makedonischen Bevölkerung, die in Makedonien lebt oder anderswo als Flüchtlinge, stellt trotz der vorhandenen Unterschiede in Religion und Sprache und der im Lauf der Jahrhunderte künstlich geschaffenen Zwietracht zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Gesamtheit mit gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Interessen dar und empfindet die Notwendigkeit der gemeinsamen Verteidigung, wenn die großen bevorstehenden historischen Ereignisse eintreten... 

Aufbauend auf die Bewusstmachung der Notwendigkeit, die wirtschaftliche und politische Einheit Makedoniens zum Nutzen ihrer physischen Existenz zu erhalten, verlangt {die Bevölkerung} das Recht auf ihre nationale Selbstbestimmung bis zur Abspaltung zu Gunsten eines unabhängigen makedonischen Staates.

 Die makedonischen Massen wollen nicht mehr zu Bulgarien, Serbien oder Griechenland gehören, obwohl im Hinblick auf Sprache und Religion verschiedene Teil der makedonischen Bevölkerung mit der Bevölkerung des einen oder anderen Balkanstaates näher verwandt sind. 

In Erkenntnis all dieser Dinge muss das BalkanProletariat den nationalen Befreiungskampf des makedonischen Volkes mit dem Ziel der nationalen Befreiung und des Zusammenschlusses in jeder Weise unterstützen und es immer konsequent und beständig lehren, dass nur die vollständige Niederlage des Imperialismus das makedonische Volk von der Gefahr der völligen physischen Vernichtung befreien kann - einer Bedrohung, die für es immer vorhanden ist im Hinblick auf seine geographische Position. “15

Die Kommunisten des Balkans erfassten damals den Kern des Problems nicht..

Es ging natürlich um die Frage der Identität der Slawen Makedoniens, die das revisionistische Bulgarien als nicht befreite Bulgaren ansah - etwas, was dazu beitragen sollte, dass sich Bulgarien im bevorstehenden Krieg dem deutschen Lager anschloss.

Die Hinterfragung der bulgarischen Identität der Slawen Makedoniens würde Bulgarien das Recht auf seine Ansprüche nehmen. 

Schon während der Balkankonferenzen (1930-1933) war das Beharren Bulgariens auf der Notwendigkeit der Unterzeichung bilateraler Verträge zum Schutz der Minderheiten typisch. In diesem Sinne musste der Beschluss gefasst werden.

Daher wurde bei der Konferenz des BLS am 3. Januar 1934 Germans Text nicht angenommen, und ein Eingreifen hochrangiger Führungskräfte der Komintern wurde notwendig. Bewiesen ist die Teilnahme von Vasil Kolarov an der Änderung des Resolutionsentwurfes.16

Der neue Text wurde in der Konferenz des BLS am 7. Januar 1934 präsentiert und vom Politbüro des Exekutivkomitees der Komintern in einer geschlossenen Sitzung am 11. Januar 1934 genehmigt.

Dem schlichten Protokoll der Sitzung fand eine Diskussion statt, an der unter anderem Vlahov, Kolarov und German teilnahmen. Leider wurden die vorgebrachten Ansichten nicht aufgezeichnet. Das Politbüro nahm den Text des Berichtes als Grundlage an und beauftragte das BLS damit, „den Text auf der Basis des Meinungsaustausches und in Einklang mit dem Genossen Kuusinen endgültig 17 auszuarbeiten.

Die Parole Republik der Werktätigen’ muss im Beschluss bleiben“. So war für die endgültige Formulierung der Resolution über die Makedonische Frage und die Vereinigte IMRO das Eingreifen sehr hoher Führungskräfte der Komintern wie Otto Kuusinen, Sekretär des Exekutivkomitees der Komintern und Mitglied der Finnischen Kommunistischen Partei, entscheidend.

Die Resolution unterschied sich bedeutend von dem Entwurf vom 31. Dezember 1933.

„Aus dem Umstand der Zuspitzung der internationalen Widersprüche und der Gegensätze zwischen den Klassen, der direkten Gefahr neuer Kriege und der vollen Entwicklung der revolutionären Krise spielt die makedonische national-revolutionäre Bewegung, 
an deren Spitze die Vereinigte IMRO steht, 
die Rolle eines wichtigen Faktors und Bundesgenossen der Arbeiterklasse, 
des Bauerntums und aller unterdrückten Ethnien
 im Kampf für den Sturz der Herrschaft des Bürgertums und der Grundbesitzer in den drei Staaten, die Makedonien seiner Freiheit beraubt haben.

Die Aufteilung Makedoniens, die die Grundlage darstellte für die Allianz zwischen Bulgarien, Serbien und Griechenland in ihrem Krieg gegen die Türkei und sofort zum Problem wurde, das zu einem neuen Krieg Serbiens und Griechenlands und anderer gegen Bulgarien führte, ist in der Nachkriegszeit eine ständige Ursache für die Zuspitzung der Gegensätze und den Kampf zwischen den drei Staaten um die Vorherrschaft in ganz Makedonien und den Zugang zur Ägäis.

Auf der anderen Seite haben die großen imperialistischen Staaten Makedonien in einen Brückenkopf für Kriegshandlungen im imperialistischen Weltkrieg verwandelt und schlachten jetzt die Makedonische Frage für die Stärkung ihrer Position auf dem Balkan aus.

 So ist Makedonien einer der Herde für einen bevorstehenden imperialistischen Krieg.

Die Staaten, die in Makedonien die Vorherrschaft haben, wenden eine räuberische Wirtschaftspolitik an, die die Werktätigen aussaugt, blindwütigen Terror und nationale Unterdrückung.

 Die vorherrschenden Ethnien der drei imperialistischen Staaten, die Makedonien zerstückelt haben, rechtfertigen die nationale Unterdrückung mit der Leugnung der ethnischen Besonderheiten des makedonischen Volkes, mit der Leugnung der Existenz eines makedonischen Volkes.

Der griechische Chauvinismus behauptet, die einheimische slawische Bevölkerung in dem Teil Makedoniens, über den er herrscht, bestehe aus in den vergangenen Jahrhunderten slawisierten Griechen, die mit Gewalt zur griechischen Kultur „zurückkehren“ müssen, indem man ihnen das Sprechen und Lernen ihrer Muttersprache verbietet.

 Die großserbischen Chauvinisten erklären, indem sie sich auf das Vorhandensein serbischer Beimischungen in der Sprache der einheimischen makedonischen Bevölkerung berufen, diese Bevölkerung zu einem der „Stämme“ der einheitlichen jugoslawischen Nation und serbisieren sie mit Gewalt. Und schließlich erklärt der bulgarische Chauvinismus, der die Verwandtschaft der makedonischen Sprache zur bulgarischen ausschlachtet, sie zu Bulgaren und rechtfertigt so den Besatzungszustand im Landkreis von Petritsi und seine räuberische Politik im Hinblick auf ganz Makedonien.

 Im Kampf gegen die Zerteilung und die Versklavung des makedonischen Volkes, gegen jedwede nationale, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Unterdrückung muss die Vereinigte IMRO den wahren Sinn all der klugen Schlüsse aufdecken, die den Makedoniern den Charakter einer Nation verweigern, und die Durchdringung ihrer Umgebung verhindern...

Die Vereinigte IMRO muss einen Kampf gegen jedwede Art der nationalen Unterdrückung organisieren und täglich führen, gegen jedes Sondergesetz, für das Recht auf die Muttersprache in allen staatlichen und öffentlichen Einrichtungen, für die Freiheit der Schulen, der Publikationen usw. in der Muttersprache...

 In diesem Kampf muss die zentrale Losung der Vereinigten IMRO die Losung vom Recht der Nation auf Selbstbestimmung bis zur Abspaltung und der Erlangung der unabhängigen makedonischen Republik der Werktätigen sein.

Eindeutig ist die Differenzierung der Begriffe „makedonisches Volk“, d. h. alle Ethien Makedoniens in der politischen Bedeutung des Begriffes „Volk“, und „makedonische Nation“ als Volksgemeinschaft, bezogen ausschließlich auf die Slawen.

Da die bisherigen Bemühungen der Komintern, die Makedonische Frage vor allem im Sinne der revolutionären Idee auszuschlachten, nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hatte, war der Rückgriff auf die nationale Idee chancenreicher.

War der Beschluss dennoch ein Reflex auf die tatsächlichen Zustände?
 Hatte die Aufteilung Makedoniens bei den Slawen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entstehen lassen, das Bedürfnis der Entfremdung von der bulgarischen, serbischen oder griechischen nationalen Idee?
 Wie schon erwähnt, verlief die Entwicklung in den drei Teilen unterschiedlich.

Die slawische Bevölkerung gebrauchte den Begriff (Slawo-)Makedonier als geographischen Begriff, aber auch als ungefährliche Bezeichnung, die die eventuell gefährliche öffentliche Selbstbezeichnung „Bulgare“ in Jugoslawien und Griechenland entschärfen oder das Lokale, die Bedeutung des „Autochthonen“ im Gegensatz zu den Zuwanderern, den serbischen Ansiedlern oder den griechischen Flüchtlingen bezeichnen konnte.

Auf der Ebene des Selbstbewusstseins drückte sich das Gefühl des unterschieds zur griechischen oder der serbischen Idee eher durch eine probulgarische Haltung aus,19 soweit man nicht von Personen mit hin und her fließendem Bewusstsein sprechen konnte.

Skopjes Geschichtsschreibung unterstützt die Auffassung, die Resolution der Komintern sei die erste Anerkennung der „makedonischen Nation“ als objektiver Tatsache von einer internationalen Institution gewesen - etwas, was für die weiteren Entwicklungen von großer Bedeutung sein sollte. Doch wie man aus den Sitzungsprotokollen ersehen kann, beweist der unterschiedliche Inhalt der Vorentwürfe des

Beschlusses und des endgültigen Beschlusses, dass die „makedonische Nation“ nicht von Anfang an als eine gegebene Tatsache angesehen wurde.

Die Komintern bezog sich weder auf die Wegbereiter des slawomakedonischen Separatismus noch stellte sie die besonderen nationalen charakterzüge der „Makedonier klar“, die sie von den Serben, Griechen und Bulgaren unterschieden.

Es ist typisch, dass selbst die Kommunisten des Balkans im Vorentwurf und im Entwurf zur Resolution über die Vereinigte IMRO nicht imstande gewesen waren, 
den Begriff der „Ethnie der Makedonier“ als eigene „slawomakedonische Nation“ aufzufassen.

 Es besteht kein Zweifel, dass dies eine politische Entscheidung der Komintern war, die den kommunistischen Parteien des Balkans aufoktroyiert wurde.

Mit diesem Beschluss wurde das Recht Bulgariens und der IMRO unter Mihailov, Anspruch auf die Befreiung der „Makedonier“ als noch unterworfener Bulgaren zu einer zweifelhaften Sache gemacht.

Gleichzeitig waren die Meinungsverschiedenheiten zwischen den bulgarischen und den jugoslawischen Kommunisten über die nationale Identität der „Makedonier“ in der Schwebe.

Jetzt waren die kommunistischen Parteien des Balkans aufgefordert, den geographischen Begriff „Makedonier“ in einen nur auf die Slawen bezogenen nationalen Begriff umzuwandeln.

Unter den neuen Bedingungen nach dem Aufstieg des Nationalsozialismus sollte ein starkes Jugoslawien ein Bollwerk gegen den Vormarsch Hitlers auf dem Balkan bilden.
Mit der Ankerkennung der nationalen Eigenheit der „Makedonier“ und der Anzweiflung der bulgarischen und serbischen Ansprüche konnte die Makedonische Frage innerhalb eines neuen Jugoslawien auf föderativer Basis gelöst werden.

Es war auch kein Zufall, dass bei der Konferenz des BLS am 5. Januar 1934 gleichzeitig mit der Vorbereitung des Beschlusses über die Existenz einer „makedonischen Nation“ auch die Gründung einer kroatischen und einer slowenischen Kommunistischen Partei im Rahmen der Kommunistischen Partei Jugoslawiens beschlossen wurde.20

Dennoch existiert auch die anthropologische Seite der Frage. Was für eine Resonanz konnte, unabhängig von den politischen Zielen der Komintern, die Auffassung von der Existenz einer „makedonischen Nation“ bei den einfachen Bauern des weiteren makedonischen Raumes finden?

War das letztlich eine aufoktroyierte, fremde Identität?

Wie schon erwähnt, wurde der Begriff „Makedonier“ von den Slawen als geographischer, lokalistischer Begriff gebraucht, und die slawischen Idiome, die die Bauern sprachen, bezeichneten sie als „makedonisch“. 

Von diesem Standpunkt aus stellte sich die Frage der Benennung nicht.

Der geographische Terminus „Makedonier“ konnte im Bewusstsein der Bauern leicht eine nationale Dimension gewinnen, sofern es politische Kräfte gab, die diese Mutation vorantrieben, und wenn es die umstände erforderten, wie dies während des Zweiten Weltkriegs der Fall war.


Man sollte die Tatsache nicht ignorieren, dass die bäuerliche slawische Bevölkerung im serbischen Makedonien Opfer einer serbisch-bulgarischen Konkurrenz und im griechischen Teil Opfer einer griechisch-bulgarischen Konkurrenz war.

Auf der einen Seite wurde sie von der IMRO genötigt, den Komitatschis Asyl zu gewähren, sich für Bulgaren zu erklären und eine bulgarische Haltung einzunehmen, andererseits wurden sie von den serbischen militärischen Organisationen verfolgt, wenn sie der IMRO Schutz gewährten, und hatten unter einer Politik der Serbisierung zu leiden.

Es war nur natürlich, wenn ihr Nationalbewusstsein eine Krise erlebte.
 Im Fall der griechischen Seite machten die Vorkommnisse um das Kalfov-Politis-Protokoll, das darauf folgende Beharren Bulgariens auf der Anerkennung einer bulgarischen Minderheit durch die griechische Regierung und insgesamt die revisionistische Politik Sofias die Hellenisierung der Anderssprachigen im griechischen Makedonien auch zu einer dringenden Notwendigkeit.

Unabhängig von den potenziellen Erfolgen der Serbisierung und der Hellenisierung auf langfristiger Basis wirkte die Alternativlösung der „makedonischen Nation“ ausgleichend auf die traditionelle serbisch-bulgarische und die griechisch-bulgarische Konkurrenz und bot der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit.

Zum Zweck dieser „Ethnogenese“ sollte es für Persönlichkeiten der Politik ein leichtes sein, ein nationales Ideologem mit unklarer Grenze zwischen Mythos und historischen Tatsachen zu schaffen, sodass die Slawen Makedoniens eine „ruhmreiche“ Vergangenheit ihr eigen nennen konnten.

Die spätere Politik der Komintern zur Makedonischen Frage wurde von dem Bedürfnis, eine einheitliche antifaschistische Front im Geist der Beschlüsse des Siebenten und letzten Kongresses der Komintern (25.7-20.8.1935) zu schaffen, bestimmt.

Sofort nach dem Kongress und unter dem Einfluss der Ermordung des Königs von Jugoslawien Aleksander Karadjordjevic im Oktober 1934 wurden Anweisungen an die Kommunistischen Parteien des Balkans gegeben, um die „makedonischen Massen“ für die antifaschistische Front zu gewinnen.

Der Aufbau einer einheitlichen antifaschistischen Front gegen die “bürgerlichen Regimes” machte die weitere Existenz der Vereinigten IMRO als besondere politische Institution unnötig.

Die Parole vom „unabhängigen Makedonien“ wurde zu Gunsten der Beanspruchung elementarer nationaler, politischer und wirtschaftlicher Rechte und Freiheiten aufgegeben.

Der Siebente Kongress der Komintern gab den Kommunistischen Parteien des Balkans die Möglichkeit, ihre Taktik zu einem Großteil autonom zu gestalten, doch ihre Auffassung von der Existenz einer „makedonischen Nation“ stellte nunmehr einen Parameter dar, den sie wohl oder übel in ihre Politik einbeziehen mussten.

2. Die Kommunistischen Parteien des Balkans im Licht der Auffassung der Komintern von der Existenz einer „makedonischen Nation“

2.1. Die Bulgarische Kommunistische Partei


Die Bulgarische Kommunistische Partei sah die Makedonische Frage im Grunde als eine Bulgarische Frage an und bezog sich in diesem Sinne auf abgetrennte Teile des bulgarische Volkes in Makedonien, Thrakien und der Dobrudscha.

 Die einzige Differenzierung der Partei von der offiziellen bulgarische Linie von der Autonomie Makedoniens war ihr Standpunkt, dass die nationalen Fragen auf dem Balkan, folglich auch die Makedonische Frage, sich nicht im Rahmen des vorhandenen kapitalistischen Systems, sondern nur in einer sozialistischen Gesellschaft und einer Balkanföderation sowjetischen Typs endgültig lösen ließen.

Nach dem erfolglosen Aufstand im September 1923 flohen wichtige Führungskräfte der Partei, darunter Georgi Dimitrov und Vasil Kolarov, ins Ausland (Wien, Berlin und schließlich Moskau) und gründeten das Außenbüro der Bulgarischen Kommunistischen Partei, während der Großteil des Zentralkomitees der Partei in Bulgarien blieb. Dimitrov und Kolarov nahmen innerhalb der Komintern hohe Positionen ein, was zum Ergebnis hatte, dass sie nicht immer Standpunkte im Einklang mit den bulgarischen Nationalinteressen äußerten.

Die Teilnahme Kolarovs an der Ausarbeitung des Beschlusses des Exekutivkomitees der Komintern am 11. Januar 1934 stellt ein typisches Beispiel dar.

Anders als in Griechenland und Jugoslawien war in Bulgarien die Vereinigte IMRO als ideologischer und politischer Antipode der IMRO unter Mihailov tätig.

 Die Veröffentlichung der Resolution der Komintern in der Zeitung „Makedonische Sache“ im April 1934 stiftete in Bulgarien Verwirrung und Zwietracht innerhalb der Vereinigten IMRO.

Bestimmte Mitglieder des „national-revolutionären“ Flügels leugneten die Existenz einer „makedonischen Nation“. 

Sie schätzten ein, dass die Auflösung der IMRO unter Mihailov im Juni 1934 durch das politisch-militärische Regime vom 19. Mai 1934 ein geeignetes Klima für die weitere Aktivität der Vereinigten IMRO geschaffen hatte, das sich mit der neuen Parteilinie umkehren könnte.

Das Ergebnis war, dass sie innerhalb der Organisation, die nunmehr völlig von der Bulgarischen Kommunistischen Partei kontrolliert wurde, an den Rand gedrängt wurden.
So gab im Februar 1935 das Kreiskomitee der Vereinigten IMRO im bulgarischen Makedonien folgende Proklamation an die „makedonischen Brüder“ ganz im Einklang mit dem Standpunkt der Komintern heraus:

„Die griechischen Chauvinisten nennen uns ,slawischsprachige Griechen’, die serbischen ,richtige Serben’. Warum? Um ihre Vorherrschaft und ihre unterdrückerischen Absichten gegenüber Makedoniens zu rechtfertigen.

Auf dieselbe Weise handeln auch die bulgarischen Chauvinisten. Sie nützen die Verwandtschaft zwischen Makedoniern und Bulgaren aus und bezeichnen uns Makedonier als unabtrennbaren Teil der bulgarischen Nation’.

Die bulgarischen Imperialisten haben immer einer Eroberung und Versklavung und nicht eine Befreiung Makedoniens angestrebt.

Beweis dafür ist unser unterworfenes Gebiet. Haben wir etwa immer schon für eine solche Freiheit, wie es sie jetzt im Landkreis von Petritsi gibt, gekämpft?...

Wir müssen vor aller Ohren erklären, dass wir weder Serben sind noch Griechen noch Bulgaren.
Wir sind Makedonier, eine eigenen makedonische Nation. 
Nur so können wir am besten die Unabhängigkeit unserer Bewegung und das Recht auf einen unabhängigen makedonischen Staat verteidigen... “23.

Diese Erklärung provozierte eine Reaktion der bulgarischen Behörden. 

Am 15. August 1935 begann sowohl in Sofia als auch im Landkreis von Petritsi eine Welle von Inhaftierungen von Mitgliedern der Vereinigten IMRO, die im Grunde gleichbedeutend war mit einer völligen Zerschlagung der Organisation. 
Der Hauptanklagepunkt betraf den Standpunkt der Vereinigten IMRO, die Makedonier seien keine Bulgaren, sondern eine eigenen Nation, sowie die Beziehungen der Organisation zur kommunistischen Bewegung.

Durch die Festnahmen von 1935 wurde die Aktivität der Vereinigten IMRO in Bulgarien ganz wesentlich gelähmt.
 Die inhaftierten Mitglieder wurden am 8. Juli 1936 vor Gericht gestellt. 
Sie widersprachen dem Anklagepunkt, die Vereinigte IMRO sei eine Klassenorganisation, ein Anhängsel des Bulgarischen Kommunistischen Partei, und führten die Beziehungen zu den Kommunisten schlicht und einfach auf taktische Gründe zurück.
Alle bezeichneten sich selbst als Bulgaren. 
Als Makedonier bezeichnete sich selbst nur Asen Karakciev, wobei er das Recht des Landkreises von Petritsi auf Selbstbestimmung bis zu seiner Abtrennung von Jugoslawien unterstützte.

Am 21. Juli 1936 wurde das Urteil verkündet. Dimitar Vlahov und Vladimir Poptomov wurden in Abwesenheit zu je 12 Jahren und 6 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt, von den Übrigen erhielten einige eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren und eine Geldstrafe von 50.000 Lewa,26 andere wurden freigesprochen.

 Der Prozess und die allgemeineren internationalen Entwicklungen besiegelten im Grunde den politischen Tod der Vereinigten IMRO in Bulgarien. Die Initiative der Propagierung der neuen Standpunkte ergriff nunmehr die Bulgarische Kommunistische Partei.

Eine kurz zusammengefasste theoretische Einführung in die „historische“ Begründung der slawomakedonischen Identität versuchte Angel Dinev in der Zeitung „Makedonische Nachrichten“, die er während der Jahre 1935-1936 für die makedonischen Brüderschaften herausgab und worin er anfangs die Linie der Vereinigten IMRO von einem einheitlichen und unabhängigen Makedonien als gleichberechtigtem Mitglied einer Balkanföderation vertrat.

 Im Geist der Resolution der Komintern bemühte sich Dinev, den speziellen Begriff „makedonische Nation“ vom allgemeinen Begriff „makedonisches Volk“ abzusetzen.

„. Die makedonische Nation entstand in einem langen historischen Prozess und bildete sich schon seit dem vorigen Jahrhundert vollständig heraus. 

Ihre anthropologische Zusammensetzung besteht in einer Verschmelzung der antiken Makedonen mit den späteren Slawen Makedoniens...

Die makedonische Nation existiert,
 weil die slawomakedonische Bevölkerung eine gemeinsame Sprache hat
genau dieselben Bräuche, eine einheitliche Geschichte... 
einen einheitlichen makedonischen Raum und eine einheitliche Wirtschaft.

 Es existiert auch ein makedonisches Volk, bestehend aus den Slawomakedoniern zusammen mit allen anderen Ethnien Makedoniens.

Und es ist das erste Mal, dass diese Frage aufgeworfen wird.
Sogar schon im 19. Jahrhundert, als unsere makedonische Wiedergeburt begann, waren die makedonischen Aufklärer der neuen Zeit, Theodosios aus Skopje, die ,Lazaristen’, die Kämpfer für die Durchsetzung des westlichen Dialekts (des Makedonischen) und andere Träger eines reinen makedonischen Bewusstseins, und wie der bulgarische Mönch Paisios lehrten sie ihre Landsleute, sich des Namens „Makedonier“ nicht zu schämen. 
Genau diese Kämpfer für eine autokephale makedonische Kirche und die Erschaffer der eigenständigen makedonischen Kultur, diese würdigen Fortsetzer der ersten makedonischen Lehrer, Kyrill und Method, sind die ersten Menschen unter uns, die die Existenz einer eigenen makedonischen Nation bewiesen haben.

Die ,Makedonischen Nachrichten’ setzen nur ihr heiliges Werk fort, das in Makedonien von der ausländischen Propaganda unterdrückt worden war.

Wir kennen den Schaden, der durch diese Propaganda entstanden ist - in der Vergangenheit hat sie die makedonische Bevölkerung zerteilt in Gräkomanen, Serbomanen und Bulgaren, damit die Aufteilung und Unterwerfung der makedonischen Heimat leichter werde.

Bezüglich der Nationalität der Makedonier zweifeln wir nicht daran, dass wir auch bei vielen, die ansonsten unsere Freunde sind, auf Widerstand stoßen werden...

Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass es leicht wäre, das Nationalbewusstsein der Makedonier in Bulgarien zum Leben zu erwecken, wo unsere Assimilation sehr weit fortgeschritten ist.

Doch wir werden ohne große Mühe in diese Richtung arbeiten, da wir überzeugte Makedonier sind und wissen, dass nur das makedonische Selbstbewusstsein helfen wird, um auf die beste Weise alle Unsicherheiten in der ganzen makedonischen Bewegung auf dem Weg zur Freiheit und Unabhängigkeit zu überwinden. “18

Es handelt sich um eine sehr vereinfachte mechanistische Anwendung des stalinistischen Modells der Nation. 

Die Herausbildung eines slawomakedonischen Nationalbewusstseins wird auf das 19. Jahrhundert datiert, und zu seinen wichtigsten Vertretern werden die erhoben, die für die Kodifizierung einer polydialektischen bulgarischen Sprache kämpfen und sich selbst als Bulgaren bezeichnen.

Doch die Schwierigkeiten des Unterfangens der „Makedonisierung“ in der Zwischenkriegszeit werden nicht vergessen.

 Die Zeitung konnte sich ihrer Mission nicht ernsthaft widmen, da schnell von Seiten der bulgarischen Behörden ihre Schließung angeordnet wurde.

Mit der Unterstützung der Bulgarischen Kommunistischen Partei wurde 1938 ein „Makedonischer Literaturzirkel“ gegründet, dessen wichtigste Mitglieder die Dichter Nikola Vapcarov, Anton Popov, Mihajl Smatrakalev, Kole Nedelkovski, Venko Markovski und Georgi Abadziev waren.

Zweck des Zirkels war nach dem Bericht Vapcarovs die Entwicklung einer „makedonischen“ Literatur mit Hilfe der Erforschung der Idiome, der Folklore, der Bräuche und der Pflege eines auf die Vergangenheit der „makedonischen“ national-revolutionären Bewegung (Ilinden) bezogenen revolutionären Romantizismus als Bestandteil eines künstlerischen 28 Realismus.

Den Statuten zufolge enthielt sich der Zirkel jeglicher politischer Aktivität, doch er durfte eine politische Ideologie ausdrücken.

Die Beschäftigung mit dem „Slawomakedonismus“ war allerdings eher ein Liebäugeln.

Die Sprache der Gedichte war in der Regel die bulgarische Schriftsprache, und nur Benko Markovski und Kole Nedelkovski unternahmen gewisse Bemühungen, Dichtung in slawomake- donischen Idiomen zu verfassen.
Nedelkovski nahm Kontakt zu der Witwe und dem Sohn von Misirkov auf, kopierte bestimmte Publikationen des Vaters des slawomakedonischen Separatismus wie das Werk „Über die makedonischen Angelegenheiten“29 und versandte sie an Kollegen im serbischen Makedonien.

Ganz im Geist der Parteilinie wurde die Frage der Existenz oder Nichtexistenz einer „makedonischen Nation“ als politische Frage behandelt. Zu diesem Thema notierte Anton Popov (1939) Folgendes:

„Gibt es eine makedonische Nation?
Was sind ihre Elemente und Merkmale?
Wo müssen wir ihren Beginn und ihre Entstehung suchen?

Auf diese Fragen haben wir unsere Aufmerksamkeit in den letzten Jahren gelenkt.

Dies sind in verschiedenen makedonischen Zirkeln Anlässe für Meinungsverschiedenheiten. Und je nach der Klassenzugehörigkeit und dem ideologischen Lager der Gegner werden auf diese Fragen unterschiedliche Antworten gegeben...

In letzter Zeit hat sich mit der Zuspitzung der imperialistischen Gegensätze zwischen den Balkanstaaten allgemein und dem Aufbau der imperialistischen Front auch in Makedonien die auf die makedonische Bevölkerung und die makedonischen Flüchtlinge ausgerichtete Propaganda spürbar verstärkt. Makedonien ist wieder ein Objekt der Spekulationen in Bezug auf seine Zerteilung und Neuaufteilung...

Unter diesen Umständen stellt sich für Makedonien und die Makedonische Frage die Akzeptanz oder die Ablehnung der Idee der makedonischen Nation als Prüfstein für Makedonien und seine Orientierung dar, für den politischen Weg, den es einschlagen muss, weil diese Frage heute nur auf der Basis der Parole von einem freien und unabhängigen Makedonien gestellt werden kann.

Die schwarzen Agenten des bulgarischen und des italienischen Imperialismus sehen diese Proklamationen als serbisches Werk an...
Nie waren sie dem makedonischen Volk, den einfachen makedonischen Massen, nahe, um die Veränderungen wahrnehmen zu können, die sich in der Weltanschauung und der Orientierung dieser Massen vollzogen haben... Sie träumen von ,Großbulgarien’, der Vereinigung der bulgarischen Rasse ’, dem ,Lebensraum ’ usw. Doch an ein freies Makedonien mögen sie nicht einmal denken, von einer makedonischen Nation wollen sie noch weniger hören... “ 30.

Doch im Mai 1941, sofort nach dem Einmarsch des bulgarischen Heers im serbischen Makedonien, zu einem Zeitpunkt, von dem man vielleicht erwarten konnte, dass er den „Slawomakedonismus“ stärker betonen würde, löste sich der Zirkel auf und wurde jede Bemühung um ein slawomakedonisches Erwachen aufgegeben.31 Vapcarov und Popov wurden 1942 von den Deutschen als Kommunisten wegen Widerstandsaktivität hingerichtet.

In Bulgarien fiel der „Slawomakedonismus“ nicht auf fruchtbaren Boden.

Außer der Reaktion der bulgarischen Behörden war auch die Haltung akademischer Kreise negativ, die die „makedonische Nation“ als eine Erfindung aus dem Labor der Bulgarischen Kommunistischen Partei bezeichneten, und voll Ironie wünschten sie, der Gründer der Bulgarischen Kommunistischen Partei, Dimitär Blagoev, der aus Vasiliada bei Kastoria stammte, würde noch leben, um seine Nationalität zu erfahren!
Auch die Bulgarische Kommunistische Partei selbst vermied den direkten Zusammenstoß mit den bulgarischen Behörden, beschränkte sich eher auf theoretischen Proklamationen und wandte eine elastische Politik an.

2.2. Die Kommunistische Partei Griechenlands

Das Abenteuer, in das die Kommunistische Partei Griechenlands 1924 mit ihrer durch starken Druck erreichten Akzeptanz des Beschlusses des Fünften Kongresses der Komintern über ein „einheitliches und unabhängiges Makedonien“ verwickelt wurde, hatte zum Ergebnis, dass sie sich in Zukunft bezüglich der Makedonischen Frage vorsichtiger verhielt.

Der Hauptgrund, warum letztendlich die Kommunistische Partei Griechenlands nach einer inneren Spaltung den Beschluss des Fünften Kongresses der Komintern auf ihrem Dritten Sonderparteitag (Dezember 1924) annahm, war die Förderung der Zusammenarbeit zwischen der Vereinigten IMRO und der Bulgarischen Kommunistischen Partei im Hinblick auf den bevorstehenden Aufstand in Bulgarien.

Es stellte sich heraus, dass es sich um ein revolutionäres Abenteurertum handelte.
Obwohl theoretisch die Linie von einem „einheitlichen und unabhängigen Makedonien“ galt, war die Kommunistische Partei Griechenlands auf politischer Ebene nicht aktiv.

Es ist typisch, dass sie nach 1925 zögerte, im griechischen Makedonien Gruppierungen der Vereinigten IMRO zu gründen und so die Kritik der Komintern auf sich zog.

Als Sachariadis die Parteiführung übernahm und im Herbst 1931 mit einer Abordnung der Partei Moskau besuchte, wurde er für die Haltung der Kommunistischen Partei Griechenlands in der Makedonischen Frage kritisiert.34

So trat nach zwei Konferenzen, bei denen das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Griechenlands Stylianos Sklavenas anwesend war - die erste hatte in Thessaloniki Anfang 1932 unter Beteiligung nicht nur von Slawischsprachigen, sondern auch von Juden, Moslems und Aromunen stattgefunden und die zweite in Veria unter Teilnahme nur von Slawischsprachigen - im März 1933 in Edessa die Gründungsversammlung der Vereinigten IMRO zusammen und wählte eine kleine Gruppe von Führungspersönlichkeiten unter Andreas Tsipas aus Agios Panteleimon bei Florina, der Mitglied der Kommunistischen Partei Griechenlands 35
war.

Im September 1934 begann die Veröffentlichung der ersten Erklärungen von Gruppen der Vereinigten IMRO in der Zeitung Risospastis („Der Radikale“) bezüglich der nicht bulgarischen, serbischen und griechischen Identität der Slawomakedonier und der Bedeutung der Vereinigten IMRO36.


Führungskräfte der Vereinigten IMRO waren die slawomakedonischen Mitglieder der Kommunistischen Partei Griechenlands Andreas Tsipas, Georgios Tourountzas, Lasaros Terpovski u. a.
 Zu einer Massenorganisation konnte die Vereinigte IMRO natürlich während des kurzen Zeitraums 1934-1936 nicht werden. Tsipas zufolge zählte sie 893 Mitglieder,37 Vlahov zufolge 700 - Zahlen, die vielleicht übertrieben sind.

Dennoch machte sich die Kommunistische Partei Griechenlands eifrig an die Propagierung des Standpunkts von der Existenz einer „makedonischen Nation“.

Am 1. Februar 1935 veröffentlichte die Kommounistiki Epitheorisi („Kommunistische Revue“) in griechischer Übersetzung den Artikel von Vasil Ivanovski „Die makedonische Ethnie“.

 Ivanovski war Journalist, politischer Sekretär der Vereinigten IMRO in Bulgarien, aber da er in Moskau studiert hatte, besaß er eine theoretische Ausbildung im Marxismus, und aus diesem Grund bemühte er sich, die „makedonische Nation“ historisch zu begründen.

Er skizzierte ein historisch existentes Volk, entstanden aus der Vermischung der antiken (nicht griechischen) Makedonen mit den Slawen, das zur Zeit Samuels (10.-11. Jahrhundert) eine Staat gründete und im 19. Jahrhundert bei seiner Bemühung um seine nationale Rehabilitation der Assimilationspolitik der Griechen, Serben und Bulgaren zum Opfer fiel.

Indem die „makedonische Nation“ einen historischen Ursprung erhielt, wurde der Begriff „Makedonier“ mit Substanz gefüllt und spielte in den Publikationen eine stärkere Rolle als der Begriff „Slawomakedonier“.

Nach dem missglückten Putsch am 1. März 1935 ersetzte die Kommunistische Partei Griechenlands die Losung von einem „einheitlichen und unabhängigen Makedonien“ durch die Losung „mehr Gleichberechtigung für die Minderheiten“.

Diese Änderung wurde gerechtfertigt durch die Veränderung der ethnologischen Zusammensetzung des griechischen Makedonien „in engem Zusammenhang mit dem Umständen, unter denen sich heute die revolutionäre Bewegung auf dem Balkan allgemein und spezieller in unserem Land entwickelt, deren grundlegende Pflicht der 38 Kampf gegen Faschismus und Krieg ist“.

Als markanter Schluss wurde bemerkt, „ dass die Änderung der Parole alles andere als eine Schwächung unserer Arbeit in Makedonien und unter den ethnischen Minderheiten bedeutet.

 Im Gegenteil ist es notwendig, dass unsere Bemühungen um die Sicherung voller Rechte für die Minderheiten verstärkt werden.

Die Partei hört nicht auf zu proklamieren, dass die Makedonische Frage letztlich und endgültig nach dem Sieg der Sowjetherrschaft auf dem Balkan, die die ehrlosen Verträge zum Bevölkerungsaustausch zerreißen und alle möglichen Maßnahmen ergreifen wird, damit ihr imperialistisches Umrecht beseitigt wird, auf brüderliche Weise gelöst werden wird. Nur so wird das makedonische Volk 39 zu seiner vollen nationalen Rehabilitation finden. “ .

Auf ihrem 7. Parteitag (Dezember 1935) machte die Kommunistische Partei Griechenlands ihren Verzicht auf ihre Auffassung von einem „einheitlichen und unabhängigen Makedonien“ offiziell bekannt und adoptierte die Linie der „vollen Gleichberechtigung der Minderheiten“.

Ihre Taktik bewegte sich im Rahmen des Aufbaus einer allgemeinen antifaschistischen Front.

Doch nach wie vor propagierte sie ihren Standpunkt von der Existenz einer „makedonischen Nation“, wobei sie gleichzeitig versuchte, Personen aus dem slawomakedonischen Bereich in ihre Reihen aufzunehmen,40 speziell die junge Generation, die griechische Schulen oder sogar Hochschulen besucht hatte.

Die Propagandatätigkeit der Kommunistischen Partei Griechenlands hatte zum Ergebnis, dass sich ein Kern von slawomakedonischen Führungskräften wie Lasaros Terpovski, Andreas Tsipas, Paschalis Mitropoulos, Michalis Keramitzis, Ilias Tourountzas u. a. formierte. Obwohl sie sich nicht vollständig von ihren probulgarischen Wurzeln getrennt hatten, präsentierten sie die Makedonische Frage doch als ein nicht-bulgarisches Problem und setzten ihre Lösung mit der „sozialistischen Revolution“ in Zusammenhang.

2.3. Die Kommunistische Partei Jugoslawiens


Die Kommunistische Partei Jugoslawiens, illegal im Jahr 1921, beschäftigte sich anfangs nicht mit der nationalen Frage. Nach der offiziellen Ideologie wurden Serben, Kroaten und Slowenen als drei Stämme ein- und derselben Nation angesehen, und als Voraussetzung für eine Lösung der nationalen Fragen wurde die sozialistische Revolution angesehen.

Als die Komintern in den Jahren 1923-1924 eine kommunistische Revolution in Bulgarien propagierte und die Destabilisierung des Balkans propagierte, begannen die jugoslawischen Kommunisten unter dem Druck Moskaus der nationalen Frage Bedeutung beizumessen.

 Das Problem war der Komintern zufolge war nicht der Verweis der Lösung der nationalen Fragen auf die kommunistische Revolution, sondern die Ausschlachtung der nationalen Fragen zugunsten der Ausbreitung des Kommunismus. In der Kommunistischen Partei Jugoslawiens bildeten sich zwei Flügel heraus.
Ein „rechter“ Flügel unter der Führung des Serben Sima Markovic und ein „linker“, angeführt vor allem von Kroaten. Markovic veröffentlichte 1923 sein Flugblatt mit dem Titel „Die Nationale Frage im Licht des Marxismus“, in dem er, ausgehend von Stalins Definition der Nation, die Behauptung aufstellte, die Kroaten und Slowenen hätten dasselbe Recht wie die Serben, eine Autonomie zu verlangen.

Die nationale Frage Jugoslawiens war für Markovic im Grunde eine Angelegenheit der Verfassung, deren Lösung in der Annahme einer föderalen Verfassung zu suchen sei.

Der andere Flügel betonte das Recht auf Selbstbestimmung, ohne dass diese notwendigerweise als Abspaltung interpretiert wurde. Der Fünfte Kongress der Komintern (Juni-Juli 1924) fasste eine Resolution zur Auflösung Jugoslawiens als einer Schöpfung des Imperialismus (Abspaltung Kroatiens, Slawoniens und ein einheitliches und unabhängiges Makedonien).

Dennoch adoptierte die Kommunistische Partei Jugoslawiens nicht sofort die Linie der Komintern. Anfang 1925 mischte sich auch Stalin selbst in die Gespräche der jugoslawischen Kommunisten ein und schlug folgende Lösung vor: Solange Jugoslawien ein kapitalistischer Staat blieb, sollte die Partei das Recht der Selbstbestimmung der Völker bis zu ihrer Abspaltung unterstützen, doch im Falle eines Sieges der Sowjetherrschaft sollte sie das sowjetische Modell anwenden, das heißt ein föderatives System.

 Die Abspaltung war Stalin zufolge für die Kommunisten nicht immer eine Pflicht.

Was die Makedonische Frage betrifft, verstand die Kommunistische Partei Jugoslawiens sie als ein gesamtbalkanisches (und nicht bulgarisches) Problem und trennte sie von der allgemeineren nationalen Frage Jugoslawiens.

Sie hatte immer mit den Einmischungen der bulgarischen Kommunisten in ihre inneren Probleme zu kämpfen und speziell mit deren Ziel, das serbische Makedonien in die ihnen unterstellte Zone einzugliedern.

Wegen der starken serbisch-bulgarischen Konkurrenz im serbischen Makedonien vermied es die Kommunistische Partei Jugoslawiens, die slawische Bevölkerung der Region als bulgarisch oder serbisch zu charakterisieren, und sprach ganz einfach von Makedoniern und makedonischer Bevölkerung. 

Die Kommunistische Partei Jugoslawiens war in einer schwierigen Lage. Einerseits verurteilte sie die Politik des großserbischen Hegemonismus im serbischen Makedonien, andererseits charakterisierte sie die IMRO als terroristische bulgarischchauvinistische Organisation und nicht als eine der nationalen Befreiung.

 1924 gab Kosta Novakovic sein Flugblatt „Makedonien - das Land an die Bauern“ heraus, in dem er den Makedoniern ein Recht auf Selbstbestimmung zuerkannte. Die Belgrader Behörden antworteten mit einer Verfolgungswelle, die sich gegen Mitglieder der Kommunistischen Partei Jugoslawiens und Novakovic selbst richtete.

Den Beschluss zur Auflösung Jugoslawiens und der Gründung unabhängiger demokratischer Staaten fasste die Kommunistische Partei Jugoslawiens 1928 in Dresden, auf dem Gipfel der serbisch-kroatischen Streitigkeiten, nachdem zuerst Markovic aus dem Weg geräumt worden und der serbische Widerstand gebeugt worden war.

Ab 1935 begann sich die Kommunistische Partei Jugoslawiens unter dem Eindruck der Resolutionen des Siebenten Kongresses der Komintern zur Schaffung einer einheitlichen antifaschistischen Front in Richtung der Lösung einer jugoslawischen Föderation zu orientieren. Unter den neuen nach dem Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland herrschenden umständen würde die Auflösung Jugoslawiens Nazideutschland begünstigen.

So anerkannte die Kommunistische Partei Jugoslawiens 1934, nach den Vorgaben der Resolution der Komintern, die Existenz einer „makedonischen Nation“ an, in der sie die Möglichkeit einer Bekämpfung bulgarischer Ansprüche sah. 

Auf dem fünften Parteitag der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, der im Dezember 1934 in Ljubljana zusammentrat, wurde die Gründung einer „Kommunistischen Partei Kroatiens, einer Kommunistischen Partei Sloweniens und in absehbarer Zukunft die einer Kommunistischen Partei Makedoniens“ beschlossen.41.



Es handelte sich im Grunde genommen um die Umsetzung der entsprechenden Resolution des BLS im Januar 1934. 1937 wurde die Kommunistische Partei Kroatiens und Sloweniens gegründet, doch die Gründung einer Kommunistischen Partei „Makedoniens“ gelang nicht, da sich keine Führungskräfte finden ließen.

Im jugoslawischen Makedonien hatten sich Gruppierungen der Vereinigten IMRO formiert. Dennoch hatten diese keinerlei politischen Einfluss, ihre Beziehungen zur Kommunistischen Partei Jugoslawiens verliefen problematisch, und 1928 wurden sie von den jugoslawischen Behörden vollständig zerschlagen.

Nach dem Fünften Kongress der Komintern betonte Poptomov in seinen Anweisungen an die Kommunistische Partei Jugoslawiens unter anderem die Notwendigkeit einer Wiederherstellung der Vereinigten IMRO, der Herausgabe einer Zeitung in „makedonischer Sprache“ im serbischen Makedonien, der Gründung einer Studentengruppe der Vereinigten IMRO in Belgrad und Zagreb, der Wiederherstellung geregelter Kontakte zu Thessaloniki, das zum Koordinationszentrum der Vereinigten IMRO bestimmt war, und die Verteilung eines für das einfache Volk verständlichen Flugblattes über die Makedonische Frage und die Pflichten der Vereinigten IMRO im serbischen Makedonien.42

Doch nach der Resolution der Komintern zur Auflösung der Vereinigten IMRO wurde jeder Versuch zur Wiederherstellung der Organisation im serbischen Makedonien aufgegeben.

Dennoch wurde 1936 auf die Initiative der Kommunistischen Partei Jugoslawiens hin eine Organisation slawomakedonischer Studenten (ca. 250 Personen) der universitäten Zagreb und Belgrad mit dem Namen „MANARO - Makedonski Naroden Pokret - Makedonische Volksbewegung“ gegründet. Ihr politisches Programm sah Folgendes vor:

1) Das makedonische Volk hat das Recht auf ein freies Nationalleben im Rahmen einer jugoslawischen Föderation.

2) Diese Forderung kann nur durch den Umsturz der monarchofaschistischen Diktatur und Hegemonie und die Wiederherstellung der nunmehr erweiterten Republik umgesetzt werden.

3) Aus diesem Grund wird das makedonische Volk zusammen mit den anderen Völkern und den fortschrittlichen Kräften in Jugoslawien für die Befreiung der politischen Gefangenen, die Rede- und Pressefreiheit und die Abschaffung aller antidemokratischen Gesetze kämpfen.

4) Das makedonische Volk verlangt die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen und den Abschluss eines Freundschaftspaktes mit der Sowjetunion.

5) Die sofortige Ankündigung freier und geheimer Parlamentswahlen muss verlangt werden.43


Die ΜΑΝΑΡΟ präsentierte sich als nationale, aber gleichzeitig auch als demokratische, antidiktatorische Organisation im Rahmen der Volksfronttaktik.

Dennoch konnte sie in Jugoslawien keine politischen Partner finden. Sie versuchte sich bei den Wahlen von 1938 mit der Kroatischen Republikanischen Bauernpartei und dem linken Flügel der Serbischen Bauernpartei zu verbünden, doch ihre Bemühungen blieben fruchtlos.

Der kroatische Parteiführer Vladko Macek, der für die Autonomie Kroatiens kämpfte, wollte klarerweise die Serben nicht verärgern, indem er sich mit einer staatsfeindlichen Organisation verbündete. Aus diesem Grund lehnte er auch das Angebot der ΜΑΝΑΡΟ für eine Zusammenarbeit mit dem Argument ab, er sei mit den kroatischen staatlichen Angelegenheiten schon zu sehr ausgelastet. Die ΜΑΝΑΡΟ beschränkte sich auf das jugoslawische Makedonien und nahm das griechische und das bulgarische Makedonien nicht in ihr Programm auf.

Die ΜΑΝΑΡΟ konnte in Makedonien keinen bedeutenden politischen Einfluss ausüben, und 1939 hörte sie als politische Organisation zu existieren auf. Dennoch nahm ein Teil der jungen Generation der mit der Kommunistischen Partei Jugoslawien sympathisierenden slawomakedonischen Studenten und Intellektuellen und der ehemaligen Mitglieder der Vereinigten IMRO die Auffassung der Komintern und der Kommunistischen Partei Jugoslawiens von der Existenz einer makedonischen Nation an und propagierten sie.

 Charakteristischer ist der Fall des Dichters Koco Racin, der das poetische Werk „Beli Mugri - Weiße Tagesanbrüche“ im slawomakedonischen Idiom verfasste und 1939 in Samobor in Kroatien veröffentlichte. In seinem Gedicht beschreibt er die furchtbare wirtschaftliche und soziale Lage der Bauern im serbischen Makedonien und ruft sie zum Aufstand auf. Racin stand in Kontakt zum „Makedonischen Literaturzirkel“ in Sofia.

Nach dem Serbisch-kroatischen Einverständnis im August 1939 in Bezug auf die Gewährung einer Autonomie für Kroatien und die Teilhabe der Kroaten an der Verwaltung berührten ehemalige Mitglieder der ΜΑΝΑΡΟ und der Vereinigten IMRO in philologischen Diskussionen im Rahmen von Literaturkreisen das Thema der Gewährung einer Autonomie für das serbische Makedonien und der Anerkennung der Slawomakedonier als eigenes Volk sowie auch das Thema der Kodifizierung einer slawomakedonischen Sprache.

In einem interessanten Dialog, den Koco Racin, Ljubco Arsov und Panko Brasnarov im Dezember 1939 mit den serbischen Universitätsprofessoren Vulic und Radovic führten, beharrten sie auf der Existenz der Slawomakedonier als eigener Nation, die in die Antike und das Mittelalter zurückreicht, und verlangten, dem serbischen Makedonien müsse gewährt werden, was auch die Kroaten erreicht hatten. Die serbischen Professoren, die mit historischen Belegen argumentierten und die Politik der Ser- bisierung verteidigten, waren völlig negativ eingestellt. Vulic vertrat unter anderem Folgendes:


Was wollt ihr Makedonier?

Ihr hättet gern eine Autonomie wie die Kroaten.
Die Kroaten haben ihre Sprache, nämlich die kajvavische und die tsakavische (es handelt sich um Dialekte des Serbokroatischen - Anmerkung des Autors) geopfert und eine Sprache angenommen, die nicht die ihre ist, nämlich die stokavische (es handelt sich um einen Dialekt des Serbokroatischen - Anmerkung des Autors).

Ihr würdet gern eure makedonische Sprache als Schriftsprache benutzen...

Doch was würdet ihr gewinnen damit?

In Deutschland versteht der Preuße den Bayern überhaupt nicht, und trotzdem leben sie zusammen.

Die Menschen vereinigen sich...

 Was werdet ihr mit dem Gebrauch eurer Sprache in den Schulen gewinnen?

Hier wird ein Kampf um die Vorherrschaft der Dialekte beginnen. 
Ich sehe keinerlei Gewinn in dem Namen „Makedonien“.

 Dass ihr eure Abstammung auf Alexander den Großen zurückführt, führt in die Irre. 

Ich verstehe, ihr verlangt Rechte, doch leichter werdet ihr sie mit uns erlangen als allein.

Wenn die Kroaten nicht irgendwann einen souveränen Staat gehabt hätten (Volksversammlung, Ban usw.), würden sie das, was sie verlangt haben, nicht verlangen.

 Ihr verlangt etwas, was ihr nie gehabt habt. Ihr seid junge Idealisten und leidet an Verirrungen... 

Noch nie habe ich von jemandem aus Skopje gehört, er sei Makedonier.

 Ihr seid in dieser Umwelt aufgewachsen, nennt euch Makedonier und wollt eure Sprache.

 Dagegen kenne ich viele Leute aus diesem Gebiet die sagen, sei seien Serben...

Noch entschiedener äußerte sich Professor Radovic:

„Wir können euch nicht als nationale Besonderheit akzeptieren.
Das sage ich als Politiker... Es ist wahr, dass wir ohne das Morava- und das Vardartal nicht existieren können. Das ist das Rückgrat unseres Jugoslawien.

Die Idee besteht darin, dass der Staat alle unsere Kräfte vereinen soll, damit wir durchzuhalten vermögen. Die Verwaltung muss verbessert werden, und alle müssen wir gleichberechtigt sein. Kroatien hatte ein Eigenleben, und aus diesem Grund hat es das Recht auf Autonomie.

Wenn wir die Autonomie früher zugestanden hätten, hätten wir heute einen besseren Zusammenhalt...

Wir werden die Verwaltung verbessern und euch volle Gleichberechtigung zugestehen...

Wir können aus politischen Gründen die politische Besonderheit der Makedonier weder erlauben noch anerkennen. Wir müssen die Fehler korrigieren, und ihr müsst die gemeinsame Schriftsprache lernen, dann ist alles erledigt.“ 45

Wie schon erwähnt, wurde keine Kommunistische Partei Makedoniens gegründet, und die Mitglieder der Kommunistischen Partei Jugoslawiens im serbischen Makedonien waren gering an Zahl.

 Da der Zustand im serbischen Makedonien weiterhin unklar war, schickte Dimitrov im Einverständnis mit Tito im Frühjahr 1940 Metodija Satorov aus Moskau in das serbische Makedonien als Sekretär eines Kreiskomitees innerhalb der Kommunistischen Partei Jugoslawiens. Satorov war Mitglied der Bulgarischen Kommunistischen Partei und ehemaliges Mitglied der Vereinigten IMRO.

Die Tatsache, dass ein Mitglied der Bulgarischen Kommunistischen Partei die Neuorganisation der Parteibasis im serbischen Makedonien übernahm, beweist, dass die bulgarischen Kommunisten daran interessiert waren, bei einer zukünftigen Lösung der Makedonischen Frage eine bedeutende Rolle zu übernehmen.

1940 wurde Tito, der bereits aus Moskau nach Jugoslawien zurückgekehrt war, Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Jugoslawiens.

Auf dem Fünften Kongress der Kommunistischen Partei Jugoslawiens (Oktober 1940) wurde das Recht auf Gleichstellung des makedonischen Volkes in einer jugoslawischen Föderation anerkannt. In der Terminologie der jugoslawischen Kommunisten bezeichnete der Begriff „Volk“ eine souveräne Nation.

Das Ideologem des „Makedonismus“ stellte eine Alternativlösung zur Konkurrenz der Balkanstaaten um den Einfluss im weiteren makedonischen Raum dar.

 Im Gegensatz zu Misirkovs Fall gab es jetzt politische Kräfte, die die slawomakedonische Lösung stützten.

Natürlich wurden die kurzfristigen Ziele der Komintern nicht erreicht.

 Die Vereinigte IMRO wurde aufgelöst, und Bulgarien schloss sich den Achsenmächten an.

Doch der Slawomakedonismus blieb eine nationale Präferenz.

Dass dieser Verlauf in dem Maße nicht unumkehrbar war, in dem Bulgarien seine „historische“ Mission erfüllen könnte, ist eine logische Hypothese.

 Dennoch begünstigten die Entwicklungen während des Zweiten Weltkriegs vor allem die slawomakedonische Lösung,
 wobei die Kommunistische Partei Jugoslawiens als der eigentliche Protagonist die Makedonische Frage zu einer jugoslawischen Frage werden ließ.


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4. Katardziev, Ivan (Red.), VMRO (Obedineta). Dokumenti i Materiali, Kniga II [Vereinigte IMRO. Dokumentenmaterial, Bd. 2], Skopje 1992.
5. Palesutski, Konstantin, Jugoslavskata Kommunisticeska Partija i Makedonskijät Väpros 1919-1945 [Die Kommunistische Partei Jugoslawiens und die Makedonische Frage 1919-1945], Sofia 1985.
6. Papapanajotou, Alekos, To Makedoniko Zitima kai to Valkaniko Kommounistiko Kinima 1918-1939 [Die Makedonische Frage und die Kommunistische Bewegung auf dem Balkan 1918-1939], Athen 1992.
7. Sfetas, Spyridon, Opseis tou Makedonikou Zitimatos ston 20o aiona [Aspekte der Makedonischen Frage im 20. Jh.], Thessaloniki 2001
8. Ds., I diamorfosi tis slavomakedonikis taftotitas. Mia epodyni diadikasia [Die Herausbildung der slawomakedonischen Identität. Ein schmerzhafter Prozess], Thessaloniki 2003
9. Tocinovski, Vasil, Makedonskiot Literaturen Kruzok - Sofija 1938-1941, Dokumenti [Der Makedonische Literarische Zirkel - Sofia 1938-1941, Dokumente], Skopje 1995.
10. To KKE. Episima keimena [Die Kommunistische Partei Griechenlands. Offizielle Texte], Bd. 4 (1934-1940), Athen 1975.
11. Zila, Lina I. & Popovski, Vlado, Makedonskij Vopros v Dokumentov Kominterna, Tom I, Cast 1, 1923-1925 gg. [Die Makedonische Frage in den Dokumenten der Komintern, Bd.1, Teil 1, 1923-1925], Skopje 1999.

Anmerkungen


1. Zu einer ersten Annäherung siehe Sp. Sfetas, Opseis tou Makedonikou Zitimatos ston 20o aiona [Aspekte der Makedonischen Frage im 20. Jh.], Thessaloniki 2001, S. 55-78.
2. Siehe die Dokumentensammlung L. I. Zila & V. T. Popovski, Makedonskij Vo- pros v Dokumentov Kominterna, Tom I. Cast 1, 1923-1925 gg. [Die Makedonische Frage in den Schriftstücken der Komintern, Bd. 1, Teil 1, 19231925], Skopje 1999.
3. Siehe Κ. Radek, „Der Umsturz in Bulgarien“, Die Kommunistische Internationale, 27 (15.8.1923), 115-116.
4. Siehe Spyridon Sfetas, Makedonien und Interbalkanische Beziehungen 19201924, München 1992, S. 320.
5. Zu diesen Diskussionen siehe Sfetas, Makedonien, S. 434-440.
6. Siehe Ivan Katardziev (Red.), VMRO (Obedineta). Dokumenti i Materiali, Kniga I [Vereinigte IMRO. DokumentenmaterialBd. 1], Skopje 1991, S. 129-137 (hier S. 131, 133-134).
7. Rossijski Centr Hranenija i Izucenija Dokumentov Novejsej Istorii [Russisches Zentrum für die Aufbewahrung und Untersuchung von Dokumenten der Neueren Geschichte] (im folgenden: RCHIDNI), Fond 509 (im folgenden: F-Serie.), Opis 1 (im folgenden: Op-Katalog ), Delo 164 (im folgenden: D-Akte), vertraulich, Brief von Poptomov and das Balkanländer-Sekretariat, 15. November 1933.
8. Ibid.
9. Der Bericht konnte im Archiv nicht aufgefunden werden.
10. RCHIDNI, F.495, Op.69, D.56, Protokoll der Konferenz am 20. Dezember 1933.
11. Ibid.
12. RCHIDNI, F.495, Op. 69, D.56, Protokoll der Konferenz am 22. Dezember 1933.
13. RCHIDNI, F.509, Op.169 (ohne Aktenangabe), Proekt rezolucii o makedonskoj „nacii” 1933 [Resolutionsentwurf über die makedonische „Nation“ 1933].
14. RCHIDNI, F.459, Op.69, D.56, Protokoll der Konferenz am 28. Dezember 1933.
15. RCHIDNI, F.509, Op.169 (ohne Aktenangabe), O prave makedonskogo naroda na samoopredelenie [Über das Selbstbestimmungsrecht des makedonischen Volkes],
31. Dezember 1933.
16. Siehe „Dokumenti. Rezoljucijata po Makedonskijat Väpros” [Dokumente. Der Beschluss zur Makedonischen Frage], Vremena, 1 (1992), 100-111.
17. RCHIDNI, F.495, Op.3, D.402, „Resolutionentwurf des Balkan-LS über die Makedonische Frage und die IMRO (Vereinigte). Wird als Grundlage angenommen. Das Balkan-LS wird beauftragt, den Entwurf auf Grund des Meinungsaustausches endgültig zu redigieren und mit dem Gen. Kuusinen zu vereinbaren. Die Losung ,Republik der Werktätigen’ soll in der Resolution bleiben“. Aus den Archiven der Komintern geht nicht hervor, dass die Rolle Vlahovs bei der Ausarbeitung der Resolution bedeutend war, wie er in seinen Memoiren behauptet. Siehe D. Vlahov, Memoari, Skopje 1970, S. 357.
18. Siehe die Dokumentensammlung, die die Direktion Staatlicher Archive Bulgariens herausgegeben hat, BKP, Komiternät i Makedonskijät Väpros (1917-1946), Tom Vtori [Die Bulgarische Kommunistische Partei, die Komintern und die Makedonische Frage (1917-1946), Bd. 2], Sofia 1999, S. 881-884.
19. Aufschlussreich ist das Interview (1975) mit Michalis Keramitzis, Mitglied der Kommunistischen Partei Griechenlands vor dem Krieg und Führungskraft der SNOF und der NOF während der Besatzungszeit und des Bürgerkrieges. „...Damals (1939) hatte ich von diesen Dingen keine Ahnung: Makedonier, Makedonien, Makedonische Frage, Komitee usw. Genauso auch alle unsere anderen makedonischen Führungskräfte. Ich empfand dasselbe wie ein griechischer Kommunist. In dem Maße, dass ich als Slawe etwas Besonderes empfand, empfand ich, dass ich Bulgare war.“. Siehe E. Kofos, „To
Makedoniko stis scheseis KKE-KKJ kata ta teli tou 1944” [Die Makedonische Frage in den Beziehungen KKE-KKJ Ende 1944] im Sammelband Makedonia kai Thraki, 1941-1944. Katochi - Antistasi - Apeleftherosi [Makedonien und Thrakien, 1941-1944. Besetzung - Widerstrand - Befreiung], IMCHA [Institut für Balkanstudien] (269), Thessaloniki 1998, S. 131.
20. Siehe RCHIDNI, F.495, Op.69, D.63, Protokoll der Konferenz am 5. Januar 1934.
21. Siehe Sfetas, Aspekte, S. 80.
22. Siehe D. Dobrinov, VMRO (Obedinena) [Vereinigte IMRO], Sofia 1993, S. 223224.
23. Siehe S. Sfetas, I diamorfosi tis slavomakedonikis taftotitas. Mia epodyni diadikasia [Die Herausbildung der slawomakedonischen Identität. Ein schmerzhafter Prozess], Thessaloniki 2003, S. 107.
24. Siehe Dobrinov, op. cit., S. 232.
25. Ibid., S. 234-235.
26. Ibid., S. 236. 1937, als der Thronfolger Simeon, der spätere Premierminister Bulgariens, geboren wurde, erteilte Zar Boris allgemeine Amnestie.
27. Siehe Makedonski Vesti, God. II [Makedonische Nachrichten, Jahrgang 2], 12. Juli 1936.
28. Siehe V. Tocinovski, Makedonskiot Literaturen Kruzok - Sofija 1938-1941, Dokumenti [Der Makedonische Literarische Zirkel - Sofia 1938-1941, Dokumente], Skopje 1995, S. 44.
29. Ibid., S. 97-98.
30. Ibid., S. 56-59.
31. Siehe P. Galcin, „Makedonski literaturen krazok (1938-1941) Väzvrästane käm bälgarskite koreni“ [Der Makedonische Literarische Zirkel (1938-1941). Rückkehr zu den bulgarischen Wurzeln], Makedonski Pregled, 2 (2002), 25.
32. Siehe N. Minkov, „Makedonska nacija?“ [Makedonische Nation?], Nacija i Politika, 4 (1936), 148-149.
33. Zu dieser Frage siehe Sfetas, Makedonien, S. 434-440.
34. Siehe R. Kirjazovski, „Aktinovsta na VMRO (Obedineta) vo Egeskiot Del na Makedonija do 1936 godina” [Die Aktivität der Vereinigten IMRO in ÄgäisMakedonien], im Sammelband 70 godini VMRO (Obedineta) 1925-1995 [70 Jahre Vereinigte IMRO 1925-1995], Tagungsberichte (20.12.1995), Publikation des Instituts für Nationale Geschichte, Skopje 1998, S. 109.
35. Ibid., S. 110.
36. Siehe I. Katardziev (Red.), VMRO (Obedineta). Dokumenti i Materiali, Kniga II, [Vereinigte IMRO. Dokumentenmaterial, Bd. 2], Skopje 1992, S. 276-278. In einem Leserbrief an den Rizospastis erwähnte ein „Makedonier“: „Hier in Florina ist der Terror nicht zu ertragen. Ehrbare Makedonier werden vor Gericht gezerrt und zu schweren Strafen verurteilt, und weil sie die griechische Sprache nicht beherrschen, nennen sie sie Bulgaren. Die griechischen Unterdrücker sollen ruhig wissen, dass wir weder Bulgaren noch Serben noch Griechen sind, sondern echte Makedonier, die für die Befreiung Makedoniens auch eine Geschichte besitzen.“ Siehe die Zeitung Rizospastis, 1. Dezember 1934.
37. Siehe Sfetas, Aspekte, S. 76.
38. Siehe To KKE. Episima keimena [Die Kommunistische Partei Griechenlands. Offizielle Texte], Bd. 4 (1934-1940), Athen 1975, S. 296.
39. Ibid., S. 297.
40. Aufschlussreich für diese Veränderung der Identitäten ist die Erklärung von Michalis Keramitzis: „Nur die griechischen Kommunisten sprachen immer von Makedoniern und Makedonien, sie vertraten diesen Standpunkt vor Gericht und wurden verurteilt. In der KKE und von der KKE, von den griechischen Kommunisten und nicht von den Makedoniern, erfuhr ich zum ersten Mal, ich sei Makedonier. Das ist die Wahrheit“. Siehe E. Kofos, op. cit., S. 131.
41. Siehe K. Miljovski, Makedonskoto prasanje vo nacionalnata programma na KPJ (1919-1937) [Die Makedonische Frage im nationalen Programm der Kommunistischen Partei Jugoslawiens (1919-1937)], Skopje 1962, S. 121.
42. RCHIDNI, F.495, Op.74, D.64, Konkrete Fragen der nationalen Befreiungsbewegung auf dem Balkan nach dem 7. Kongress der Komintern, 11. September 1935, vertraulich.
43. Siehe K. Miljovski, op. cit., S. 148-149.
44. Siehe I. Katardziev, Po Vrcinite na makedonskata istorija [Auf der Höhe der makedonischen Geschichte], Skopje 1986, S. 376-377.
45. Ibid., S. 381-382.

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