Τετάρτη, 22 Ιουλίου 2015

PHILIPP II VON MAKEDONIEN, HEGEMON ÜBER HELLAS.



Philipp II, Thessaloniki Makedonien.

Alexander Demandt
  Professor für Alte Geschichte
 am Friedrich-Meinecke-Institut
Aus dem Buch
'ALEXANDER DER GROSSE'
Leben und Legende'.
C.H.Beck  
Und so beginnet mit dem Verlust der griechischen Freiheit noch unter dieses Volkes Namen
eine Weltszene,

die ihres Gleichen wenige gehabt hat.
Herder 1791

Die Bilder und die Textformatierungen 
sind unsere Auswahl (Yauna),

 und nicht im Text enthalten.
So wie Friedrich der Große nicht ohne seinen Vater Friedrich Wil­helm I, den Soldatenkönig, zu denken ist, wie Constantin der Große das Reformwerk seines Vorgängers Diocletian fortgeführt, Augustus die von seinem Adoptivvater Caesar vorbereitete Monarchie vollendet hat,
 so ist auch Alexander der Große als der Erbe seines Vaters zu Weltruhm auf­gestiegen. 

In all diesen Fällen hat der Nachfolger materielle oder struk­turelle Ressourcen vorgefunden, ohne die er die Leistungen nicht hätte erbringen können, die ihn groß gemacht haben.
 Daher stellt sich stets die Frage, ob er selbst oder sein Vorgänger der bedeutendere Staatsmann war, und sie ist immer kontrovers beantwortet worden. 
Zugunsten des jeweils Jüngeren spricht zwar, daß ohne ihn der Ältere im Schatten verblieben wäre. 
Ohne Friedrich den Großen wäre Preußen eine Macht von der Größenordnung Bayerns oder Sachsens geblieben. 
Ohne Constantin wäre bereits der diocletianische Staat in Teilreiche zerfallen. Ohne Augu­stus wäre der Bürgerkrieg unter den Proconsuln endlos weitergegangen. 

Und ohne Alexander hätte sich nach Philipps Tod 336 der Übergang vom klassischen Stadtstaat zum hellenistischen Flächenstaat, 
zur «modernen Zeit» der griechischen Geschichte sehr viel langsamer vollzogen. 
Wie weit sich dann die Ausbreitung der griechischen Kultur in den Orient erstreckt hätte, ist schwer zu sagen — aber gewiß nicht bis Indien.

Gleichwohl hat es schon in der Antike Stimmen gegeben, die Philipp als den größeren Staatsmann gewürdigt haben. Die Historiker Theopomp, Pompeius Trogus und vielleicht auch Timagenes haben ihre Geschichts­werke nach Philipp benannt, nicht nach Alexander. 
Cicero gönnt Alex­ander den höheren Ruhm, doch überrage ihn sein Vater an menschlicher Größe, an jacilitas und humanitas. Lukian läßt in seinen <Totengesprächen>
Philipp erklären, er habe in Griechenland echte Männer besiegt, Alex­ander in Asien nur verweichlichte Memmen. 
Jedenfalls hat Philipp Ma­kedonien von einem unterentwickelten Land am Rande der Kulturwelt zur «stärksten Macht in Europa» emporgebracht. Betrachten wir ihn nä­her! Doch zuerst ist ein Blick auf die Vorgeschichte erforderlich.
1.  DIE FRÜHZEIT
Die Makedonen, schon bei Herodot erwähnt, bewohnten ursprünglich nur den Osthang des Bermion im nördlichen Griechenland. 

Ihr Land heißt bei Homer Emathia und war von Illyrern und Thrakern besiedelt, bevor es im Zuge der dorischen Einwanderung um 1200 v. Chr. von Norden hellenisiert wurde. 

Die Makedonen zählten zu den Doriern, ihr Name bedeutet «die Hochgewachsenen, Schlanken» (makednos).

 Sie lebten als Bauern auf Dörfern unter einer feudalen Herrenschicht. Durch die kulturelle Randlage, die Distanz zum Meere und den geringen Ver­kehr mit den Zentren griechischer Zivilisation hatten sie, anders als die Griechen sonst, keine Städte gebildet, sondern sich bis in die klassische Zeit hinein etwas Urtümliches bewahrt, das in den Metropolen, zumal in Athen, als bäurisch, ja barbarisch empfunden wurde. 

Die illyrischen Ein­schläge in Makedonien haben es den politischen Gegnern, vor allem Demosthenes, erleichtert, die Makedonen als Barbaren zu verketzern

Den­noch waren sie nach Sprache und Religion Griechen. 

Das auf dem Lande gesprochene Makedonisch (Makedonisti) ist ein nordwestgrie­chischer Dialekt, der nicht geschrieben wurde. 
Alexander rief einmal ei­nen seinen Waffenträger «auf makedonisch».

Der moderne Streit um den Staatsnamen Makedonien beruht darauf, 
daß Nordgriechenland im 7. Jahrhundert n. Chr. slawisiert wurde. 

Der Ländername wurde beibehalten, aber die griechische Sprache ver­schwand. 
«Makedonisch» heißt seit dem Mittelalter ein slawisches Idiom, es ist die Staatssprache in der 1991 gegründeten, überwiegend serbisch­orthodoxen Republik um Skopje. 

Athen jedoch verweigerte diesem Staat bis 1995 die Anerkennung, weil es den Namen «Makedonien» für Nord­griechenland beanspruchte. Die Kontroverse erstreckte sich sogar auf die symbolische Verwendung des «makedonischen Sterns» aus dem angeb­lichen Philippsgrab von Vergina (S. 77f.). Er zierte bis 1995 die makedo­nische Staatsflagge und mußte dann auf Druck von Athen verschwinden. Im April 2009 meldete die Presse, auf dem Hauptplatz von Skopje solle ein 17 m hohes Ai < r-Denkmal erstehen — was in Athen Proteste auslöst. Der Anspru 1 de, Griechen auf den Namen «Makedonien» ver­hindert noch immer die Mitgliedschaft des jungen Staates in der NATO.

Die antiken Makedonenkönige betrachteten sich selbstverständlich als Griechen. 
Sie führten ihren Stamm auf Herakles und seine Mutter Alkmene aus Argos zurück und nannten sich «Argeaden».

 Die Köpfe von Herakles und seinem Vater Zeus zierten demgemäß die Münzen der Makedonen. 

Die angenommene Herkunft ihrer Könige aus Argos be­ruht vermutlich auf einer ideologisch motivierten Verwechslung mit dem makedonischen Ort Argos Orestikon. 

Eine Abstammung vom «König der Götter und Menschen» beanspruchten die Argeaden nicht allein, sondern ebenso die Könige von Sparta, aber auch Julius Caesar, der sich von Venus, der Tochter Juppiters, herleitete. Stammbaumfiktionen finden sich in Griechenland auch sonst, ebenso bei den Achämeniden — und nicht nur bei ihnen.
Herodot berichtet nach dem Hörensagen von frühen Königen der Makedonen und einer allmählichen Ausweitung ihres Machtbereichs nach Nordwesten. Erst mit der Zeit der Perserkriege verdichtet sich die Überlieferung. 


Alexander I (494 bis 454) begann, Münzen zu prägen, und führte eine Heeresreform durch. 

Neben die Reiterei trat das Fußvolk, beide als «Gefährten» des Königs bezeichnet, als hetairoi. 

Das deutsche Wort «Hetäre» bezeichnet im Griechischen einfach die Gefährtin. 
Alexander I der Philhellene
Alex­ander I mußte sich beim Angriff des Darius 490 den Persern unterwer­fen; später zog er griechische Dichter — unter anderen Pindar — an seinen Hof, wurde Staatsgast (proxenos) der Athener und erhielt den Beinamen «Philhellene». 

Das war eine etwas zweideutige Ehre, denn einen echten Griechen nennt man nicht «Griechenfreund». 
Dennoch waren die make­donischen Könige seit dem schnellfüßigen Alexander I zu den olympischen Spielen zugelassen und damit förmlich als Griechen anerkannt.

 Das heißt nicht, daß die Könige, so wie damals, selbst in die Arena stie­gen, sondern daß sie Sportpferde und Rennwagen schicken durften. Als Sieger wurde der Eigentümer der Pferde ausgerufen, nie der Reiter oder der Wagenlenker. 

Auch Philipp, Alexanders Vater, beteiligte sich mit eigenen Pferden an den Spielen in Olympia.

Der Name «Alexandros» war im 4. Jahrhundert bei den Spartanern, Thessaliern und Epiroten geläufig. 
Er stammt aus der Ilias. Homer nennt den Sohn des Priamos, der angeblich im Jahre 1191 v. Chr. die schöne Helena aus Sparta entführt, auf der Liebesinsel Kythera geheiratet und damit den Trojanischen Krieg heraufbeschworen hat, mal Paris, mal Alexandros

Offenbar lagen dem Dichter zwei unterschiedliche Überlie­ferungen der Sage vor. Die spätere Legende freilich lautet anders. Danach wird dem König Priamos geweissagt, sein nächster Sohn werde den Un­tergang Trojas verursachen. Daraufhin läßt der Vater den neugeborenen Paris aussetzen. Er wird funfTage lang von einer Bärin genährt, dann von einem Hirten gefunden und aufgezogen. Als der Knabe dann einmal Viehräuber abwehrt, erhält er den Namen Alexandros, der «Männerab­wehrende».
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Die Makedonische Inschrift in Palatiano, Kilkis

Der Name hat eine lange Geschichte. 
Er kommt als Alaksandus schon auf hethitischenTontafeln vor. Ihn trägt ein Fürst von Wilusa, der von der Forschung in Westanatolien angesiedelt wird und um 1280 v. Chr. einen Vertrag mit dem Hethiterkönig Muwatalli schloß. «Alaksandus von Wi­lusa» gemahnt an «Alexandras von (W)Ilios»; das entspricht mehreren Parallelen zwischen griechischen und hethitischen Orts- und Götterna­men. Den weiblichen Personennamen «Alexandra» (Arekasadara), dessen männliches Pendant bisher nicht nachgewiesen ist, gibt es auf mykenischen Linear B-Tafeln, so daß eine Übernahme aus dem Griechischen ins Hethitische anzunehmen ist.

 «Alexander» ist somit der älteste noch heute gebräuchliche Vorname.

Die Verwendung des Namens «Alexandros» im makedonischen Kö­nigshaus unterstreicht mit der Anknüpfung an die homerische Welt die Zugehörigkeit zum Griechentum.

Entsprechendes läßt sich in der Kö­nigsfamilie der Molosser in Epirus beobachten (S. 62). Der mythische Nachweis griechischer Volkszugehörigkeit war - entsprechend dem Auszug aus Ägyptenland bei den Israeliten - die Teilnahme am Troja­nischen Krieg, und sie wurde den Makedonen bestritten. Der Schiffs­katalog in der Ilias, der die am Zug Agamemnons beteiligten Griechen­städte auflistet, kennt keine Makedonen.
Erst in der Zeit des Peloponnesischen Krieges spielt Makedonien eine Rolle in der großen Politik. Archelaos I (413 bis 399), nach Platon der brutalste aller Makedonen, ermordete alle ihm bedrohlichen Ver­wandten und weitete das Königreich ostwärts zum Meere und südlich nach Thessalien hin aus. 

Er hat Wege bauen lassen, eine Neugliederung des Landes vorgenommen und das Münzwesen auf persischen Fuß ver­einheitlicht. 

An der Stelle von Edessa, der «Heiligen», oder gleichbedeu­tend Aigai, der «Ziegenstadt» im Gebirge, wurde Pella, der «Milchei­mer», in der Ebene Residenz. Pella, später Geburtsstadt von Philipp II und Alexander, wurde von Philipp vergrößert. Trotz der ungünstigen Lage an dem verlandenden Golf von Therma blieb Pella die bedeu­tendste Stadt Makedoniens bis zum Aufstieg der Hafenstadt Thessalonike im 3. Jahrhundert v. Chr., benannt von Kassander nach seiner Frau, einer Halbschwester Alexanders. Pella verfiel und war zur römischen Kaiserzeit nur mehr ein Trümmerhaufen.
Mosaik in Makedonien(Pella).
Die makedonischen Könige suchten weiterhin Anschluß an die grie­chische Kultur.

Archelaos holte die berühmtesten griechischen Dichter, Maler und Musiker nach Pella.
Sokrates erhielt eine Einladung, die er allerdings ausschlug.

Euripides schrieb dort 408 bis 406 mehrere Dramen, die gewiß auch aufgeführt wurden. Von den über 90 Stücken des Dich­ters sind allerdings nur 18 auf uns gekommen. Verloren gingen die Tragödien und . Letztere behandelt die Jugendge­schichte des Paris.
2.   DER AUFSTIEG ZUR GROSSMACHT
Der Aufstieg Makedoniens ist an den Namen Philipps II geknüpft.

Uber den ersten König dieses Namens aus der Zeit um 600 ist wenig bekannt, um so mehr über Alexanders Vater, geboren um 382.

Der Name Philippos bedeutet «Pferdefreund» und verweist auf die Reiterei des Adels.
Er ist seit dem frühen 6. Jahrhundert bezeugt und gehört in den Zusam­menhang mit Namen wie Philippides, Hippias, Hipparchos, Hippokrates usw.
 Philipp war der jüngere Sohn von König Amyntas III und wurde als Knabe nach Theben vergeiselt, das damals durch die Siege des Epaminondas über Sparta bei Leuktra 371 und Mantineia 362 die militärische Vormacht in Griechenland innehatte.

 Philipp lernte dort die Kriegskunst. König war damals sein älterer Bruder Perdikkas III. 
Im Jahre 359 fiel die­ser im Kampf mit den Illyrern. 
Die Makedonen verloren über 4000 Mann, worauf noch andere Nordstämme das Land heimsuchten. Wäh­rend die Thraker und die Athener je einen eigenen Königskandidaten unterstützten, übernahm Philipp als Vormund für seinen unmündigen Brudersohn Amyntas (IV) das Regiment. Ihn verheiratete er später mit einer Tochter aus einer seiner Nebenehen. Philipp, gleichbedeutend als Redner wie Organisator, baute das Heer wieder auf und ließ sich nach einem ersten großen Sieg 355 von der Heeresversammlung selbst zum König ausrufen.
 Drei für ihn gefährliche Kronprätendenten wurden ausgeschaltet.

Durch eine ungewöhnlich aktive Politik verstand es Philipp, die Macht des Königtums zu straffen. Er sammelte die Söhne des makedo­nischen Adels als Pagen um sich, bildete sie damit in seinem Dienst aus und sicherte sich die Loyalität ihrer selbstbewußten Väter, denn die Pa­gen waren zugleich Geiseln. Weitreichende Folgen hatten seine militä­rischen Reformen, zu denen ihn seine Zeit in Theben inspiriert hatte. 
Wehrpflicht bestand vom 15. bis zum 55. Lebensjahr, erfaßte aber nicht alle Makedonen. Philipp entwickelte die Belagerungstechnik und ver­wendete in großem Maße Wurfgeschütze, die in Syrakus erfunden wor­den waren.

 Er übte mit der Phalanx, der geschlossenen Schlachtreihe, die Bewegung nach Trompetensignalen und rüstete das Fußvolk mit Sarissen aus, jenen bis über fünf Meter langen Lanzen aus Esche, die aus drei bis fünf hintereinanderstehenden Reihen von Lanzenträgern eine einzige Front von Spitzen bildeten. 

Beim Aufmarsch wurden sie senkrecht ge­stellt, zum Angriff auf Kommando gefällt, und dann rückte die Phalanx mit lautem Kriegsgeschrei Alala im Sturmschritt auf den Feind los. 

Ge­zielt wurde auf die Gesichter der Gegner. Diese Taktik erforderte ein regelmäßiges Exerzieren auch in Friedenszeiten. Die Bewegungen der Rotten wurden mit Signaltrompeten gesteuert.

Philipp beteiligte sich persönlich an Wehrübungen, selbst als Ring­kämpfer — von welchem anderen Monarchen hören wir das? —, und ent­ließ einen Offizier aus dem Dienst, der sich in gewärmtem Wasser badete. Warmduscher braucht er nicht. Staatsmann, Schatzmeister und Feldherr in einer Person, immer an der Spitze seiner Armee und schnell im Entschluß, war Philipp den demokratisch regierten und langsam reagierenden Städten überlegen. 

Unter seinen Generalen ragen Anti­pater und Parmenion hervor. Antipater amtierte später während des Alexanderzuges als Statthalter in Makedonien, und Parmenion war Alex­anders wichtigster Feldherr in den Schlachten gegen Darius. Alex­ander übernahm von seinem Vater eine schlagkräftige Armee, ähnlich wie Friedrich der Große, aber anders als dieser keinen gefüllten Staats­schatz — das Geld war ausgegeben.


Gleichwohl war Philipp der reichste Grieche seiner Zeit.
Denn er ging daran, das Gold der thrakischen Bergwerke intensiv auszubeuten und auszumünzen. Wichtigste Münz- und Handelsstadt wurde Amphipolis. 

Das gold- und silberreiche Pangaion-Gebirge erbrachte jährlich tausend Talente, fast 30000 Kilo Gold, d.h. über 5 Millionen Drach­men. 

Das Gold nutzte Philipp nicht wie die Perser zu Hortung oder zur Schaustellung, sondern zur Festigung seiner Macht, zu militärischen und politischen Zwecken. Philipp nannte sein Geld einen goldenen Esel, der über jede Mauer steige. 


Seine Münzen zeigen auf der Vorderseite die Köpfe von Zeus, Herakles oder Apollon, auf der Rückseite den blo­ßen Namen des Königs im Genitiv philppou sowie einen Reiter oder ein Zweigespann, womit er an einen Sieg bei einem Wagenrennen in Olympia erinnern wollte.

 Die Goldmünzen hießen im Volksmund «Philippeioi» nach dem König, ähnlich wie später der Louisdor oder der Theresientaler. Philipps Münzen waren auch in Rom gängig und noch im 2. Jahrhundert v. Chr. im Umlauf. Die Typen wurden von den Ost­kelten nachgeprägt und dabei — zuletzt bis zur Unkenntlichkeit — stili­siert. 

Das Bild Philipps auf dem Medaillon des römerzeitlichen Schatz­funds aus Tarsos ist ein Idealporträt; das Diadem, das er dort trägt, ist literarisch nicht bezeugt. Über eine monarchische Repräsentation wis­sen wir nichts. Man kannte den König.

Nahe den Goldgruben eroberte Philipp 356 die Stadt Krenides und benannte sie um in Philippi, berühmt durch den Sieg des Augustus über die Caesarmörder 42 v. Chr., «bei Philippi sehen wir uns wieder».

 Auch eine zweite Gründung benannte Philipp nach sich selbst, Philippopolis in Thrakien, das heutige Plovdiv in Bulgarien. Ihr Spitzname Poneropolis, «Schurkenstadt», beruht auf der Fama, daß Philipp dorthin zweitausend falsche Zeugen, betrügerische Ankläger und bestechliche Anwälte ver­bannt habe. 
Während der großen Kolonisation in der griechischen Frühzeit, als Hunderte von Städten gegründet wurden, erhielt keine ein­zige den Namen nach einem Sterblichen. 

Üblich war das im Orient; Philipp führte es in Europa ein. Alexander machte es in großem Umfang nach (S. 370f.). Im Römerreich war es gang und gäbe bis in die Spätantike.

Philipp betrieb eine höchst aktive Außenpolitik. 

Durch eine kalku­lierte Folge von Vertragsschlüssen und Vertragsbrüchen und eine Kette von Feldzügen erweiterte er sein Machtgebiet nach allen Himmelsrich­tungen, nach Nordosten bis ans Schwarze Meer, nach Süden bis zu den Thermopylen. Zunächst bemühte er sich um einen Zugang zum Meer, zur Ägäis. Makedonien besaß keinen brauchbaren Hafen. Daher annek­tierte Philipp die griechischen Städte an der makedonischen Küste. Sie verloren ihre außenpolitische Handlungsfreiheit, mußten die Gegner Philipps verbannen, Truppen stellen, Steuern zahlen und den König als höchsten Richter anerkennen. Innenpolitisch blieben sie frei, hatten aber unter Umständen einen königlichen Kommissar (epistates) zu ertragen. 



Mit seinen Eroberungen verletzte Philipp die Ansprüche Athens auf die Vormacht in der Ägäis und eröffnete den jahrzehntelangen Streit mit der Stadt. 357 eroberte er Amphipolis «beiderseits» des Strymon, eine Toch­terstadt Athens, nebst dem Seehafen Eion; 356 gewann er Pydna sowie Poteidaia auf der Chalkidike. 

Dort soll er die Nachricht von der Geburt Alexanders erhalten haben.
Verheiratet war Philip, vermutlich seit 357, mit Olympias, einer der bemerkenswertesten Frauen der griechischen Geschichte.
 Olympias war eine Tochter des Molosserkönigs Neoptolemos. 

Die Molosser waren ein illyrischer Stamm in Epirus, im heutigen Albanien, der auch das berühmte, schon bei Homer erwähnte Zeusorakel von Dodona in Nord- west-Griechenland beherrschte und sich im 6.Jahrhundert v. Chr. sprach­lich, religiös und kulturell hellenisierte.

 Der Vater des Neoptolemos, Alketas, war der erste Molosserkönig mit griechischem Namen. Er hat seine Dynastie von dem Zeussohn Aiakos abgeleitet und damit zugleich auf dessen Enkel, auf den homerischen Sagenhelden Achill zurückge- flihrt, der einen Sohn namens Neoptolemos oder Pyrrhos gehabt haben soll. Achill war später für Alexander auf mütterlicher Seite das, was He­rakles auf väterlicher war: der mythische Ahnherr und das verpflichtende Vorbild.

Olympias hatte einen Bruder Alexandros und hieß selbst ursprüng­lich Myrtale. 
Die Molosser des 4. Jahrhunderts sprachen und schrieben griechisch und huldigten den griechischen Göttern. 
Olympias und Phil­ipp hatten sich kennengelernt, als sie in jungen Jahren eingeweiht wur­den in die Mysterien der Großen Götter auf der Insel Samothrake. Diese vorgriechischen Gottheiten wurden später mit den in Theben ver­ehrten Elementargottheiten, den Kabiren, gleichgesetzt, den Rettern aus Seenot, die Goethe in der klassischen Walpurgisnacht auftreten läßt: 

«Klein an Gestalt, / groß an Gewalt, / der Scheiternden Retter, / uralt­verehrte Götter!»

 Die Ausgrabung des Heiligtums begann, als 1863 die Marmorstatue der Nike von Samothrake gefunden wurde, das Prunk­stück im Louvre zu Paris.

Alexanders Mutter war eine Frau von dämonischem Temperament, das sich zunächst auf religiösem, später auf politischem Gebiet äußerte. 

Mehr als andere Frauen beteiligte sie sich an den ekstatischen Geheim­kulten für Orpheus und Dionysos, bei denen die gottbegeisterten Frauen wie Besessene mit Musik durch die Wälder tobten, dabei Schlangen in Körben mit sich führten und die Männer erschreckten. Dies liegt wohl der Überlieferung zugrunde, daß Olympias auch in ihrem ehelichen Schlafzimmer Schlangen hielt, was dann im Alexanderroman ausge­schmückt und mit dem ägyptischen König und Zauberer Nektanebos verknüpft wurde. Er soll sich als Zeus Ammon ausgegeben und Olympias in Schlangengestalt geschwängert haben. Die Königin selbst hat es nicht an Andeutungen fehlen lassen, daß bei Alexanders Geburt Göttliches im Spiel war (S. 172).

An die Kindheit großer Männer hat die Antike vielfach Legenden geknüpft, denken wir nur an Kyros bei Herodot, an Augustus bei Sueton oder an Jesus bei Matthäus und Lukas.
 So auch bei Alexander. 
Das be­ginnt in der griechischen Literatur und setzt sich im Orient fort.
 So lesen wir, daß ausgerechnet am Tage seiner Geburt der Artemis-Tempel von Ephesos abgebrannt sein soll. 
Das ist eine Gleichzeitigkeitsfabel. Das Ereignis selbst ist unstrittig. Ein gewisser Herostrat wollte durch die Brandstiftung berühmt werden. Die Ephesier versuchten vergeblich, es zu unterbinden. Sie setzten auf die Nennung seines Namens die Todes­strafe, doch der Historiker Theopomp plauderte ihn aus. 
Der Brandstifter hatte Erfolg, und zwar deswegen, so wurde gewitzelt, weil die Göttin gerade als Geburtshelferin bei Olympias abwesend war. Johann Her­mann Riedesel hat 1768 in einer Betrachtung über die Ruhmsucht einen tieferen Sinn in der Gleichzeitigkeit gefunden, indem er erklärte, daß dieselbe Manie, die Herostrat verführte, den Diana-Tempel anzuzünden, auch Alexander bewog, die ganze Welt in Flammen zu setzen. Dabei sei ein glücklicher Tag in diesem Leben besser als hundert Jahre Nachruhm. 

Dem hätte Alexander vielleicht zugestimmt, wäre sein Ruhm auf ein Jahrhundert beschränkt geblieben.

Die Freveltat Herostrats war ein welthistorisches Schlüsselereignis im anthroposophischen Geschichtsbild von Rudolf Steiner, wie er es in sei­ner Weihnachts- bzw. Osterbotschaft 1923/24 entwickelt hat. Denn die Gleichzeitigkeit der Katastrophe mit der Geburt Alexanders entsprach der kosmischen Harmonie. Als mit den Flammen aus dem Tempeldach das darunter gespeicherte Geistige der ephesischen Mysterien in den Äther des Weltendomes emporstieg, drangen Funken in die Herzen von Aristoteles und Alexander. Für letzteren öffnete sich nun die Bahn, die Impulse des Naturgeistwissens seines Lehrers in den Orient hinüberzu­fluten. 

Das erfolgte durch die zahlreichen von Alexander dort gegründe­ten Akademien. 

Nach der Begegnung von Aristoteles und Alexander, den Inkarnationen von Enkidu und Gilgamesch, mit Harun al-Raschid und seinem Wesir 869 im Übersinnlichen, gelangten durch die karmische Kette der Eingeweihten die chthonische Intelligenz des Aristotelismus und des Alexandrinismus, im feuerhaltigen Osten spirituell geschwän­gert, durch die Araber Spaniens über die Hybernischen Mysterien Irlands in den feuchtgestimmten Westen, wo sie, die Herrschaft des Erzengels Gabriel ablösend, unter der 1879 wiederhergestellten Ägide der Sonnen­kräfte Michaels im Goetheanum von Dörnach als dem neuen Ephesos aufblühten. Nach der Alexanderzeit waren sie erloschen. 
Die vielseitige Verwendbarkeit Alexanders beginnt mit seiner Geburt.

Mosaik, Alexanders Geburt.
Zu den legendären Begleiterscheinungen bei der Geburt Alexanders gehört neben dem Brand des Artemisions der Sturz des Kolosses von Rhodos. 

Die von dem Lysipp-Schüler Chares aus Lindos geschaffene, angeblich 70 Ellen, d. h. 32 Meter hohe Helios-Statue, von der Legende breitbeinig über die Hafeneinfahrt gestellt, brach bei dem Erdbeben von 224 v. Chr. in Kniehohe ab, ein Ereignis, das in die Annalen einging, handelte es sich doch bei der Statue um eines der Sieben Weltwunder. In byzantinischer Zeit verschob man das Beben auf den Geburtstag Alex­anders. In römischen Tagen erneuert, stürzte der Koloß im Jahre 672 abermals und wurde von den Sarazenen an einen Juden verkauft, der die Bronze auf angeblich 900 Kamelen abtransportierte.

Das Geburtsdatum Alexanders ist umstritten. 

Plutarch nennt den 6. Hekatombaion. Der attische Monat Hekatombaion beginnt Mitte Juli, demgemäß wäre Alexander um den 20. Juli geboren. Allerdings wider­spricht dem die bei Arrian überlieferte Angabe Aristobuls, daß Alex­ander bei seinem Tod im Juni 323 (S. 342) vier Monate vor seinem 33. Geburtstag gestorben sei. Dieser wäre danach im Oktober 356 anzu­nehmen. Ein Rechenfehler bei Aristobul oder ein Schreibfehler bei Ar­rian ist indessen eher anzunehmen als ein Irrtum bei Plutarchs präzisem Datum. Wenn er berichtet, daß Philipp gleichzeitig seinen Sieg im Pfer­derennen bei den Olympischen Spielen erfahren habe, die 356 wahr­scheinlich am 28. August endeten, ist die Gleichzeitigkeit cum grano salis zu nehmen, ebenso wie die angeblich zugleich eingegangene Siegesmel­dung Parmenions aus dem Norden.

 Dort hatten sich die Könige von Thrakien, Päonien und Illyrien untereinander und mit Athen gegen Philipp verbündet, waren aber von Parmenion geschlagen worden.

Philipp setzte die Annexion der Küstenstädte fort. 354 eroberte und zerstörte er Methone, 350 traf es Stageira auf der Chalkidike, die Heimat­stadt des Aristoteles. Der Widerstand Athens hielt Philipp nicht ab, 348 auch Olynth auf der Chalkidike zu erobern. Die Bürger, die den 356 mit Philipp geschlossenen Vertrag gebrochen und sich mit ihrer Mutter­stadt Athen gegen ihn verbündet hatten, kamen auf den Sklavenmarkt, doch wurden offenbar viele von den Athenern aufgekauft und freigelas­sen. Die Stadt aber wurde zerstört. 
Die amerikanischen Ausgrabungen seit 1928, bei denen Schleuderbleie mit dem Namen Philipps gefunden wurden, erweisen eine planmäßige Gründung, eine Schachbrett-Anlage mit gleichgroßen Grundstücken.

Neben der Annexion der Küstenstädte erweiterte Philipp seine Herr­schaft im Binnenland. 

Das Verhältnis der Makedonen zu den nichtgrie­chischen Nordvölkern war ein Dauerproblem. 

Die Stämme standen un­ter Königen, lebten überwiegend ländlich und schriftlos, doch ist aus dem Namengut ersichtlich, daß sie ebenfalls Indogermanen waren. 

Das Thrakische im Nordosten war (wie das Slawische) eine Satemsprache, das Illyrische im Nordwesten (wie das Lateinische) eine Kentumsprache. 

Beide Idiome haben sich bis in die Spätantike erhalten. 

Philipp hat sich indessen sicher auf griechisch mit diesen Völkern verständigt. 

Er be­zwang die Päonier im Norden und die Illyrer im Westen und dehnte sein Reich bis an die Lychnitis, den Ochrida-See, aus. Im Jahre 340 unter­nahm er nochmals einen Feldzug gegen die griechischen Städte an den Meerengen. 

Während der Belagerung von Byzanz vertrat der noch nicht sechzehnjährige Alexander den Vater in Makedonien. 
Er führte das Reichssiegel und unterwarf die abgefallenen Maider im Norden des Landes. Hier gründete er eine erste Stadt, die er gemäß dem Vorbild seines Vater nach sich selbst benannte, Alexandropolis.

Im Sommer 351 hatte Philipp die Thraker unter ihrem König Kersobleptes besiegt und damit seine Dominanz über die nördlichen Nach­barn etabliert. 
Der Thraker mußte seinen Sohn als Geisel stellen, wurde aber, als er Städte am Hellespont bestürmte, 341 von Philipp abgesetzt. Thrakien östlich des Nestos wurde zur Provinz gemacht und wie eine persische Satrapie einem Strategen unterstellt. Letzte verlustreiche Kämpfe gab es 339 mit den Triballern an der Donau im nordwestlichen Bulgarien. 
Hier erhielt Philipp einen Lanzenstich in den rechten Ober­schenkel, so daß er hinkte. 
Es war seine dritte schwere Verwundung — nach dem Verlust des rechten Auges vor Methone 354 und einer Verlet­zung am rechten Unterschenkel 343 im Kampf gegen den Illyrer Pleuratos.
3.  HEGEMON ÜBER HELLAS
Schon in die frühen fünfziger Jahre fallen Philipps Vorstöße nach Süden.

 Einen Bürgerzwist in Thessalien nutzte er, sich 352 dort als Protektor zu empfehlen.

 Er behandelte die Thessalier gut, so daß diese ihm wie später seinem Sohn wertvolle Reiterverbände stellten. Als Archon — früher
Tagos (Herzog) — des Landes verband Philipp dieses in Personalunion mit Makedonien. Willkommene Gelegenheit zum Ausgreifen nach Mittel­griechenland bot ihm sodann der Heilige Krieg zum Schutze Delphis. 

Im dortigen Apollonheiligtum, wo die Priesterin Pythia ihre weitberühmten untrüglichen Orakel verkündete, hatten sich im Laufe der Jahr­hunderte enorme Schätze angesammelt. Zwar gab es keine Gebühren für einen Orakelspruch, doch niemand erbat sich einen solchen, ohne dem Gott eine Gabe mitzubringen. 

Wir kennen eine vergleichbare religiöse Mentalität aus den mittelalterlichen Stiftungen für die Klöster und Kir­chen, wo man die Hilfe der Heiligen nicht nur mit Gebeten, sondern auch mit Stiftungen und Geschenken erwerben oder vergelten wollte.

Der Reichtum der Kultstätten aber hat immer Begehrlichkeit bei den Umwohnern geweckt, zumal Heiligtümer üblicherweise unbefestigt wa­ren, da sie unter Gottesschutz standen. So auch Delphi. Im Jahre 356 er­zwangen die angrenzenden Phoker unter ihrem unbeschränkten Ober­befehlshaber, ihrem strategos autokratör Philomelos eine «Anleihe» bei der Pythia, womit eine Söldnerarmee angeworben wurde, weil die Nachbar­städte unter Führung der Thebaner nicht hinnahmen, daß die Phoker tempeleigenes Land bebaut hatten. 

Zur Finanzierung des Heiligen Krieges wurde eine landesweite Sammlung veranstaltet, deren Ergebnisse teilweise inschriftlich überliefert sind. Nach Anfangserfolgen unterlag Philomelos 354, ihm folgte sein Bruder Onomarchos. Dieser prägte in großem Umfang mit delphischem Gold Münzen. 

Damals kam so viel Gold und Silber auf den Markt, daß bei reichen Leuten in Griechenland anstelle von Tongefäßen Tafelgeschirr aus Edelmetall üblich wurde. Die vor allem in Attika gepflegte großartige Vasenmalerei verschwand.

Unter den Preziosen des delphischen Tempelschatzes befand sich auch das berühmt-berüchtigte Halsband der Eriphyle, das allen Träge­rinnen Unheil bringen sollte. 

Es war gemäß dem Mythos schon beim Zug der Sieben gegen Theben Anlaß eines Verrats und führte danach mehrere Besitzer ins Verderben, bis es nach Delphi gelangte und nun abermals verhängnisvoll wirkte. 

Denn auf den Hilferuf der Thebaner 353 die blasphemischen Übergriffe der Phoker erschien Philipp mit Heeresmacht. Nach zwei schweren eigenen Niederlagen besiegte er Onomarchos 352 auf dem Krokusfeld. 

Das Hilfskontingent für den Pho­ker aus Athen kam zu spät — weder das erste noch das letzte Mal. Angeb­lich 3000 Gefangene ließ Philipp als Tempelräuber im Meer ersäufen.

Griechenland zur Zeit der Hegemonie Thebens, 371–362 v. Chr.
Im Jahre 346 wurde der Heilige Krieg durch einen Friedensschluß in Pella beendet, benannt nach dem athenischen Diplomaten Philokrates, der ihn vermittelt hatte.

 Die Phoker mußten die aus Delphi geraubten zehntausend Talente in Jahresraten zurückzahlen. Philipp erhielt die beiden Stimmen der Phoker in der delphischen Amphiktionie erblich zu eigen. 

Als Amphiktionien bezeichneten die Griechen Kultgemein­schaften der Umwohner eines zentralen Heiligtums, nicht nur in Delphi. 

Oft waren es zwölf Stämme, deren jeder einen Monat lang den Tempel versorgte. Es gab einen Amphiktionenrat, der die jeweils anstehenden Probleme regelte und auch einen Exekutor besaß. 

Aufgrund seiner mili­tärischen Überlegenheit sicherte sich Philipp hier die Führung. 

 Sein Pro­tektorat über das angesehenste griechische Orakel war eine Sache von höchstem panhellenischen Prestige.

Philipp polarisierte die politische Szene in Hellas. 
In fast allen grie­chischen Städten gab es eine Partei für und eine gegen ihn

Die grie­chische Sprache erhielt für die Sympathie mit Philipp zwei neue Wörter:
 den philippismos und das «Philippisieren» (philippizein); 
später gab es ent­sprechend das alexandrizein und den Alexandristes, den Alexander-Fan.

 So konkurrierten ebenfalls in Athen zwei Richtungen . 

Auf der einen Seite stand eine antimakedonische Partei unter den Rednern Hypereides und Demosthenes, der noch 355 den Perserkönig zum Feind aller Griechen erklärt und in der gemeinsamen Front gegen ihn die Gewähr für den Frieden in Hellas gesehen hatte, ihn nunmehr aber als Bundesge­nossen gegen die Makedonen betrachtete und seit 351 eine «Philippika» nach der anderen gegen sie hielt. 
Demosthenes führte den philippismos der Makedonenfreunde auf Bestechung zurück. Allerdings erhielten auch die Perserfreunde Geld aus Susa. Der Redner selbst soll von Darius 3000 Goldstücke genommen haben.

Der griechisch-nationalen Opposition gegenüber stand eine makedonenfreundliche Gruppe von Begüterten, die Philipp 
als Führer einer panhellenischen Bewegung gegen Persien anerkannte.

 Das Wort führten bei ihr die Redner Aischines und Isokrates.

 Letzterer rief 346 als Neun­zigjähriger Philipp öffentlich dazu auf
die Griechen zu vereinen 
und die jonischen Städte Kleinasiens vom Perseijoch zu befreien. 

Wenn Philipp seinem Ahnherrn Herakles folgend Persien besiegt habe, bleibe ihm nur übrig, ein Gott zu werden. Auch die platonische Akademie sympathi­sierte mit Philipp. 

Platons Neffe und Nachfolger Speusippos verfaßte ein offenes Sendschreiben an Philipp, in dem er dessen Eroberungen, insbe­sondere Olynth, als Zugriff auf das Erbgut seines Ahnherrn Herakles rechtfertigte. 
Ähnlich wurde im Fall von Amphipolis in der zeitgenös­sischen Publizistik mit Mythen argumentiert, die ja als verbürgte Geschichte allgemein anerkannt waren und in der Rhetorik der Zeit eine große Rolle spielen.

Philipp bemühte sich um ein gutes Verhältnis zu Athen, doch ohne großen Erfolg. 

Sein Ziel war die Vormacht in Griechenland, die hegemonia tes Hellados, und das war mit dem wohlbegründeten Stolz der Stadt un­vereinbar. 

Als Philipp 340 Perinth belagerte, das von ihm zu den Athe­nern übergegangen war, beschlossen diese den Krieg. 
Es gelang De­mosthenes, die Thebaner auf seine Seite zu ziehen, indem er sie mit der Aussicht auf Wiederherstellung ihrer Hegemonie lockte. Philipp eroberte als Beauftragter einer Bundesexekution Elateia, das den Zugang zu Böotien beherrschte, daraufhin machten Athen,Theben und die verbündeten Peloponnesier mobil. 

Bei Chaironeia in Böotien siegte Philipp am 2. August 338 mit 30000 Fußkämpfern und 2000 Reitern unter Anwendung der schiefen Schlachtordnung. 

Sie hatte zuerst Philipps Leh­rer, der Thebaner Epaminondas, in der «berühmtesten Schlacht von Grie­chen gegen Griechen» 371 bei Leuktra gegen Sparta eingesetzt und sie verschaffte später, 1757, Friedrich dem Großen seinen Sieg über die Österreicher bei Leuthen. Im Gegensatz zur Sitte, den Kampf frontal oder auf dem rechten Flügel zu eröffnen, hatte Epaminondas die Haupt­macht auf seinem linken Flügel konzentriert, wo der Feind sie nicht er­wartete. 
So auch in Chaironeia. 
Während Philipp auf dem rechten Flügel überraschend in der Defensive verblieb und dadurch die ihm gegenüber­stehenden rund 10 000 Athener unter Lysikles aus ihrer Verteidigungs­stellung herauslockte, brach Alexander auf dem linken Flügel in die Hei­lige Schar der Thebaner ein, in die 300 Mann starke Kerntruppe der Böoter, und nahm dann nach rechts gewendet die Athener in die Zange. 

Damit war die Schlacht entschieden. 

Tausend Athener fielen, siebentau­send flohen, zweitausend gerieten in Gefangenschaft. 
Philipp gab sie ohne Lösegeld frei. Alexander, von Antipater begleitet, brachte sie zum Abschluß eines Friedensvertrags nach Athen und betrat damals zum er­sten und einzigen Mal die eindrucksvolle Stadt, das Herz der hellenischen Welt. Beide Makedonen wurden, so wie selbst Philipp, Ehrenbürger Athens. 
Die gefallenen Athener ließ Philipp verbrennen, ihre Asche schickte er gleichfalls nach Athen; das Grab an der Straße zur Akademie wurde den Touristen noch in der römischen Kaiserzeit gezeigt. Den unterlegenen Feldherrn Lysikles verurteilte die Volksversammlung zum Tode; das bereits beschlossene Freiheitsversprechen für kriegsfreiwillige Sklaven wurde gegenstandslos.

Auf dem Schlachtfeld errichtete Philipp ein Tropaion, obgleich das bei den Makedonen sonst nicht üblich war. 

Alexander hinterließ später keine Siegesdenkmäler, wohl aber Wendemarken an den Orten, wo er umkehrte (S. 228,271). Für Philipps Gedenkstein dichtete ein Römer ein Epigramm, das seinen Sieg mit Marathon und Salamis vergleicht und Demosthenes höhnt. Die gefallenen Makedonen wurden verbrannt und fanden unter einem Hügel in einem Massengrab (polyandrion) ihre letzte Ruhestätte, bis es 1879 von den griechischen Archäologen freige­legt wurde. Münzen, datierbare Keramik und Lanzenspitzen von Sarissen erlauben die Zuweisung. Noch zu Plutarchs Zeit zeigte man eine Alex­ander-Eiche, unter der das Zelt des Prinzen gestanden haben soll. Ein Schlachtenbaum wird uns in Chorasan und auf dem Alexandermosaik wieder begegnen (S. 194ff).

Gegenüber den Thebanern war Philipp weniger generös als gegen­über den Athenern.

 Für die Gefangenen verlangte er Lösegeld, ja er ver­kaufte sogar die Toten, damit sie bestattet werden konnten. Die Theba­ner errichteten ihnen ein monumentales Grabmal in Form eines sitzenden
Löwen ohne Inschrift, 5,50 Meter hoch.

 Wollten sie Philipp schonen oder vertrauten sie auf den Tatenruhm der Toten? Pausanias meinte in seinem Reiseführer, sie hätten darauf verzichtet, weil die Gottheit ihre Tapferkeit nicht gewürdigt hätte. 
Wäre das Monument noch unter Phil­ipp entstanden, bewiese es die Großmut des Königs - es sei denn, die Thebaner hätten abermals gezahlt. Vermutlich wurde das Denkmal aber erst errichtet, als Kassander 316 das von Alexander zerstörte Theben wie­der aufbaute. Dabei wurde das Tropaion Philipps beseitigt, denn Pausa­nias fand es nicht mehr vor; er glaubte, es hätte nie existiert.

Das Löwendenkmal haben die Griechen im frühen 19. Jahrhundert gesprengt, weil sie im Kampf gegen die Türken die Bleiklammern für Gewehrkugeln benötigten. 

Die zwischen Disteln auf «Chäroneas Heide» verstreuten Brocken besang Emanuel Geibel, der 1838 als Hauslehrer nach Athen kam. 

Der Dichter beklagte die von der makedonischen «Bar­barenhand» zertrümmerte Freiheit aus derselben klassischen Sicht, in der sein Freund Ernst Curtius, der Historiker und Archäologe, den Fall be­trachtete. 1902 wurde das Monument wieder aus den herumliegenden Fragmenten zusammengesetzt. Dabei entdeckten die Archäologen im Umkreis einen Grabbezirk mit 254 in Reihen angeordneten Skeletten ohne Waffen, offenbar die Toten der Heiligen Schar.


Als Denkmal des Siegers läßt sich das Philippeion in Olympia deuten. 

Der König errichtete dort als Dankgeschenk für den olympischen Zeus im heiligen Bezirk, in der Altis, einen Rundbau mit 18 jonischen Säulen, in den er durch den Bildhauer Leochares aus Athen Standbilder von sich, seinen Eltern, von Olympias und Alexander stellen ließ. Die Materialien waren Gold und Elfenbein, wie es zuvor den von Phidias geschaffenen Götterbildern Vorbehalten war, nämlich der Athena Parthenos in Athen und dem Zeus in Olympia, sozusagen nebenan. Da es keinen Altar vor dem Eingang gab, handelt es sich nicht um einen Tempel. Entdeckt wurde das Philippeion im Zuge der deutschen Ausgrabungen unter Ernst Curtius seit 1875.

 Die Ruinen der Bauten, von Erdbeben zerstört, lagen unter meterhohem Schwemmsand verborgen. Es war die erste wissen­schaftliche Ausgrabung in Griechenland, eine Pionierleistung der Archäo­logie.
   Der Löwe von Chaironeia 


Die Schlacht von Chaironeia zählt zu den welthistorischen Wende­punkten. 

Sie wurde als Desaster für alle Griechen, als das Ende der grie­chischen Freiheit beklagt, doch bestand diese nicht zuletzt darin, nach Belieben Kriege fuhren zu können. 

Damals entschied sich, wie sich später zeigte, daß die Zeit der Poliskultur vorüber war und die Zukunft den monarchischen Flächenstaaten gehörte. 

Nach dem Sieg Philipps er­rang in Athen die promakedonische Richtung die Oberhand, konnte aber nicht verhindern, daß Demosthenes, der bei Chaironeia als schwer- bewaffneter Hoplit mitgekämpft hatte und fliehen konnte, den ehren­vollen Auftrag erhielt, die Totenrede auf die Gefallenen zu halten. Die ihm dafür zugedachte Ehrung durch einen goldenen Kranz — damals politisch heikel — konnte er allerdings erst acht Jahre später entgegenneh­men. 

In der Rede zu seinen Gunsten De corona, griechisch Peri tou stephanou, zitiert er ein Epigramm auf die für die Freiheit von Hellas Gefal­lenen, ein anderes wurde auf einer Inschrift am Olympieion gefunden. 
Die Niederlage, so heißt es, war der Wille des unsträflichen Zeus, aber gegen das Schicksal kommen die Menschen nicht an.

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