Σάββατο, 19 Απριλίου 2014

Das Zeitalter des Hellenismus (360—30 v. Chr.) und der panhellenischer Führer König Philipp II. von Makedonien.

Der Makedonischer Hegemon Philipp II
Die Geschichte Makedoniens ist Geschichte Griechenlands.
Makedonien ist nicht nur griechisch,
 sondern Makedonien ist.... Griechenland.
Hermann Bengston
GRIECHISCHE GESCHICHTE
Von den Anfängen bis in die Römische Kaiserzeit.
Verlag C.H. Beck
 Die Bilder und die Textformatierungen 
sind unsere Auswahl (Yauna),
 und nicht im Text enthalten.






GRIECHISCHE GESCHICHTE

INHALTSVERZEICHNIS

ERSTER ABSCHNITT  

VON DEN ANFÄNGEN DER GRIECHISCHEN GESCHICHTE BIS ZUM VORABEND DER ZWEITEN KOLONISATION (ETWA 1900-800 V. CHR.)
1. Die Einwanderung der Indogermanen in Griechenland  
2. Die minoisdie Kultur  
3. Die mykenisdie Kultur  
4. Die Große Wanderung  
5. Die Übergangszeit (rd. 1100-800 v. Chr.)
 
ZWEITER ABSCHNITT

DAS ZEITALTER DER GROSSEN GRIECHISCHEN KOLONISATION (800-500 V. CHR.)
1. Der Orient und das Werden der griechischen Staatenwelt (800-600v. Chr.)  
2. Die Ausbreitung der Griechen im Mittelmeerraum (750-550 v. Chr.)  
3. Staat und Gesellschaft der Griechen im Zeitalter der Kolonisation . .  
4. Das Achämenidenreich, Hellas und der Westen am Vorabend der Perserkriege (560-500 v. Chr.)  

DRITTER ABSCHNITT

DAS ZEITALTER DER GRIECHISCHEN POLIS (500-360 V. CHR.)

Erster Teil. Der Angriff der Perser auf Griechenland (f 00-479 v• Chr.)
1. Der Ionische Aufstand (500 bzw. 499-494 v. Chr.) 
2. Hellas und Persien bis zur Schlacht bei Marathon (500-490 v. Chr.)  
3. Der Flottenbau des Themistokles und die persischen Rüstungen . . .  
4. Der Zug des Xerxes gegen Griechenland (480 v. Chr.)  
5. Die Siege der Griechen bei Platää und Mykale (479 v. Chr.) ....  
6. Die Westgriechen von joo bis 480 v. Chr 

 Zweiter Teil. Die Pentekontaëtie (4-78-431 v. Chr.)
1. Die Gründung des Delisch-Attischen Seebundes. Die Kimonische Ära (478-463 v. Chr.)  
2. Das Ende des Pausanias und des Themistokles. Der große Heiloten- aufstand. Die Vollendung der attischen Demokratie  
3. Athen in der Zeit des Perikies  
4. Der Delisch-Attische Bund und die spartanische Hegemonie bis zum Vorabend des Peloponnesischen Krieges  
j. Die Westgriechen in der Pentekontaëtie: Das Erwachen der Sikeler und Italiker  

Dritter Teil. Der Peloponnesische Krieg (431-404 v. Chr.)
1. Die Vorgeschichte des Peloponnesischen Krieges  
2. Der Archidamische Krieg (431-421 v. Chr.)  
3. Die Zeit des Nikiasfriedens (421-414 v. Chr.) und die große sizilische Expedition der Athener (415-413 v. Chr.)  
4. Der Dekeleische und der Ionische Krieg (414-404 v. Chr.)  

Vierter Teil. Der Niedergang der hellenischen Poliswelt (404-360 v. Chr.)
1. Hellas nach dem Peloponnesischen Kriege (404-400 v. Chr.) .... 
2. Die Expedition des Jüngeren Kyros (401-400 v. Chr.) und der spartanisch-persische Krieg in Westkleinasien (400-394 v. Chr.) . . . . 
3. Die Erhebung der Griechen gegen Sparta und der Königsfriede (395 bis 386 v. Chr.)  
4. Sparta und Theben im Kampf um die Vorherrschaft. Der zweite Attische Seebund (386-371 v. Chr.)  
5. Die Zeit der thebanischen Hegemonie (371-362 v. Chr.)  
6. Das Reich des Dionysios I. und seiner Nachfolger in Sizilien. Timoleon (406-337 v. Chr.)  

VIERTER ABSCHNITT
DAS ZEITALTER DES HELLENISMUS (360-30 V. CHR.)

Der Beginn einer neuen Zeit

Erster Teil. Das Zeitalter Philipps II. von Makedonien (359-336 v. Chr.)
1. Makedonien vor Philipp II  
2. Philipps erste Regierungsjahre (359-354 v. Chr.) 
3. Hellas und Makedonien in der Zeit des dritten Heiligen Krieges (Зѕќ-З4ќ v. Chr.)  
4. Hellas und Makedonien vom Frieden des Philokrates bis zum Tode König Philipps II. (346-336 v. Chr.)  

Zweiter Teil. Alexander und die Grundlegung der griechischen Weltkultur (336-32} v. Chr.)
1. Alexander bis zu seinem Aufbrudi nach Asien (334 v. Chr.) ....  
2. Der Alexanderzug vom Hellespont bis Persepolis (334-331 v. Chr.) .  
3. Die Eroberung Ostirans und Nordwestindiens (330-325 v. Chr.) . .  
4. Alexanders letzte Jahre (324-323 v. Chr.)  
5. Alexanders Werk  

Dritter Teil. Die hellenistische Staatenwelt vom Tode Alexanders bis zum Eingreifen der Römer (323-201 v. Chr.)
1. Der Kampf um das Alexanderreich (323-301 v. Chr.)  
2. Die Konsolidierung der hellenistisdien Territorialreiche (301-281 v. Chr.)  
3. Die Westgriechen im Zeitalter des Agathokles und des Pyrrhos . . .  
4. Das Gleichgewicht der hellenistischen Mächte (280-201 v. Chr.) . . .  
5. Wesen und Aufbau der hellenistisdien Staatenwelt im 3. Jahrh. v. Chr.  
6. Die Weltherrschaft des griechischen Geistes  

Vierter Teil. Die hellenistische Staatenwelt unter römischer Vorherrschaft (200-30 v. Chr.)
1. Rom im Kampfe mit Philipp V. und Antiodios III. Der Untergang der makedonischen Monarchie (200-168 v. Chr.)  
2. Der Niedergang der hellenistischen Oststaaten und der Aufstieg des Partherreiches. Die erste Periode der römischen Herrschaft in Hellas und Kleinasien (167-89 v. Chr.)  
3. Die Griechen im Zeitalter des Mithradates. Die Neuordnung Vorderasiens durch Pompejus. Das Ende des Ptolemäerreiches (88-30 v. Chr.) 

FÜNFTER ABSCHNITT DAS GRIECHENTUM IM RÖMISCHEN KAISERREICH
1. Die griechische Welt von Augustus bis Mark Aurel  
2. Das Griechentum von Mark Aurel bis zum Ende des 3. Jahrh. n. Chr.  
3. Ausblick: Von Constantin zu Justinian  
 


VIERTER ABSCHNITT 
DAS ZEITALTER DES HELLENISMUS (360—3° v. Chr.)


DER BEGINN EINER NEUEN ZEIT


Die entscheidende, in das Leben des griechischen Volkes tief eingreifende Zäsur zwischen der alten und der neuen Zeit liegt in der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. 

Nur wenige Jahre, nachdem die griechische Staatenwelt mit der Schlacht bei Mantineia (362 v. Chr.) in politische Ohnmacht versunken war, hat sich am Rande der griechischen Welt jene Macht gebildet, die dazu berufen war, die politische Führung des Hellenentums zu übernehmen: 
das makedonische Königreich unter Philipp II. (359— 336). 

Die tief einschneidende Wandlung des Hellenentums wird in der Mitte des 4. Jahrhunderts auf allen Gebieten offenbar,
 in der Politik,
 in der Wirtschaft und nicht minder
im kulturellen Leben. 

Während das Alte abstirbt, zeigen sich überall neue Ansätze, die jedoch noch planmäßiger Gestaltung bedürfen.

Im ganzen ist das Bild, das Griechenland in dieser Übergangszeit bietet, uneinheitlich und voller Widerspruch: an die Stelle der Ordnung ist in Hellas das politische Chaos, an die Stelle des sinnvollen Planens ist vielerorts die Willkür getreten. 

Das Leben der Polis verfällt in zunehmendem Maße einem weitgehenden Ökonomisierungsprozeß, und es ist sehr bezeichnend, wenn eine Reihe von führenden attischen Staatsmännern als Finanzexperten emporgekommen sind wie Eubulos und Lykurgos. 
Ein gewisser Aufschwung des Seehandels, ein Vorgang, der sich in zahlreichen Handelsverträgen widerspiegelt, und des griechischen Bankwesens ist unverkennbar.

Zum politischen Niedergang der griechischen Staatenwelt haben vor allem die immer mehr sich verschärfenden sozialen Gegensätze zwischen arm und reich beigetragen. 
Während der Wohlhabende mit unangenehmen Liturgien (Choregien, Trierarchien) belastet wird, gewöhnt sich der Arme schnell an die Versorgung aus öffentlichen Mitteln; 
zu den vornehmsten Pflichten des Staates gehört es jetzt, seinen Bürgern die Nahrung zu sichern, ein Gesichtspunkt, der auch auf die Außenpolitik nicht ohne Einfluß geblieben ist. 

Die Radikalen sehen in einer völligen Neuverteilung des Bodens das Heil der Zeit; in einer Welle von Verbannungen und Konfiskationen offenbart sich die soziale Unruhe, die Griechenland in seinen Grundfesten erbeben läßt. 
Aus den vielen heimatlosen Verbannten bildet sich ein in ganz Hellas fluktuierendes Proletariat, das Ferment neuer anarchischer Bewegungen. 
Aus dieser Masse rekrutiert sich das Söldnertum; seine Existenz ist ein wesentlicher Charakterzug des 4. Jahrhunderts

Während der Bürger den Kriegsdienst nur noch als Last empfindet, betreiben ihn die Söldner als ein qualifiziertes Handwerk:
es gibt kein kriegerisches Ereignis in Hellas und selbst in Asien mehr, an dem nicht griechische Söldner maßgebend beteiligt wären.

Die Kriege des 5. Jahrhunderts, vor allem aber die große, i. J. 430 ausgebrochene Pest, hatten die Bevölkerung einzelner Teile Griechenlands stark dezimiert. 
Auch die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts ist überwiegend Kriegszeit gewesen. Dennoch bewegt sich die Bevölkerungszahl von Hellas in aufsteigender Entwicklung, eine Erscheinung, die auch auf die geringeren Kriegsverluste zurückzuführen ist: die Kriegführung ist humaner geworden. 

So kommt es, daß Griechenland im 4. Jahrhundert in ständig zunehmendem Maße unter einer relativen Übervölkerung und an einer akuten Landnot zu leiden hat.

Immer wieder werden Kolonisationspläne erwogen: 
Xenophon wollte seinen Mitkämpfern am Schwarzen Meer eine neue Heimat gründen, und Isokrates schwebte gar ganz Kleinasien bis an den Taurus als griechischen Siedlungsgebiet vor (Philippos § 120). 

Das griechische Volk bedurfte dringend eines Raumes, der die überschüssigen Kräfte aufzunehmen imstande war, wenn es nicht im Innern am Kampfe aller gegen alle zugrunde gehen wollte.


Für eine Expansion des Griechentums, besonders nach Osten hin, war die Weltlage in der Tat nicht ungünstig. 
Befand sich doch das Perserreich in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts in fortschreitendem Niedergang. 
In Kleinasien brachen langdauernde Satrapenaufstände aus, es bildeten sich lokale einheimische Dynastien, die sich mit Hilfe angeworbener Soldtruppen vom Großkönig praktisch unabhängig machten. 
So war das einst so machtvolle Achämenidenreich ein „Koloß auf tönernen Füßen“ geworden, und auch seine wirtschaftliche Bedeutung war nicht mehr die gleiche wie unter den Herrschern des 5. Jahrhunderts, da das reiche Kornland Ägypten seine Unabhängigkeit die ganze erste Hälfte des 4. Jahrhunderts, von 404/3 bis 342, zu behaupten vermochte.

Zu den weltweiten Kolonisationsplänen griechischer Patrioten stand die kleinstaatliche Enge der hellenischen Verhältnisse in einem schneidenden Gegensatz. Doch hat es, und zwar schon in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, nicht an Versuchen gefehlt, neue Mittel zu finden, um die Machtlosigkeit der zahllosen Einzelstaaten zu überwinden. 

Der Zusammenschluß der Arkader und der Ätoler zu Bundesstaaten war ein erster Schritt auf einem Wege, den in der Zeit nach Alexander auch andere griechische Stämme (wie z. B. die Achäer) gegangen sind. 
So kehrte man am Ende der Geschichte eines freien Griechenland zu jenen staatlichen Verhältnissen zurück, von denen man einst, bei der Landnahme (s. S. 4) ausgegangen war: 
der Stammesstaat in der Form eines Bundesstaates schien das Symbol für eine neue Epodche des staatlichen Lebens in Hellas zu werden. 

Nicht nur die allgemein verbreitete Friedenssehnsucht, auch das Gemeinschaftsbewußtsein der Griechen wurde wachgehalten durch die Idee der Koinè Eirene, eines alle Griechen umspannenden allgemeinen Friedens.
Philipp II
Agamemnon

Der panhellenische Gedanke findet seine publizistische Ausdrucksform vor allem in den Reden des Isokrates. 

Mit Vorliebe verwendet die Rhetorik der Zeit Beispiele aus der panhellenischen Mythologie: 
wenn Isokrates 
den Makedonenkönig Philipp II. mit dem hellenischen 
Völkerhirten Agamemnon verglich, 
so wußte man in Hellas, was damit gemeint war. 

Es ist ein Fehler, wenn die moderne historische Forschung die von der Rhetorik ausgehende geistige Vorbereitung des panhellenischen Denkens zu einem Teil beträchtlich unterschätzt.

Die neue Zeit kündete sich vor allem in einem gesteigerten Kult der großen Persönlichkeiten, die vielfach in die Sphäre des Gottmenschentums emporgehoben wurden. 

Schon dem Spartaner Lysander hatte man gottgleiche Ehren erwiesen. 
Klearchos, der Tyrann des pontischen Herakleia (er wurde nach zwölfjähriger Regierung i. J. 352 v.Chr. ermordet), hat sich selbst zum Sohn des Zeus gemacht und entsprechende Ehren von seinen Untertanen gefordert - ein echter Vorläufer des Makedonen Alexander. 

Und das Beispiel des syrakusanischen Arztes Menekrates, der seine Briefe mit „Menekrates Zeus“ zu unterschreiben pflegte, zeigt, wie eng die Spanne zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen in jener Zeit geworden ist, wenn auch in diesem Fall das pathologische Moment nicht übersehen werden darf.

Auch das geistige Leben der Griechen fand neue Formen. 
Waren die hellenischen Dichter und Künstler, Schauspieler und Sänger früher zu den Höfen der großen sizilischen Tyrannen gepilgert, so zog sie jetzt der Glanz der Fürstenhöfe rings um Hellas in den Bann.
In Pella, der makedonischen Residenz, weilten am Ende des 5. Jahrhunderts Euripides und der Maler Zeuxis, beide als Gäste des Königs Archelaos (413-399). 

Als der karische Dynast -Maussolos von Halikarnassos starb (353 v. Chr.), schrieb seine Schwester Artemisia für die griechischen Literaten eine Konkurrenz für den Nachruf aus; weit entfernt von dem griechischen Mutterland, in Herakleia am Pontos, hat der Tyrann Klearchos die erste öffentliche Bibliothek geschaffen. 
Griechische Münze, Herakleia Pontos (420-390 v. Chr)
Athen blieb zwar auch jetzt noch das unbestrittene Zentrum hellenischer Bildung, aber es entstanden an der Peripherie der griechischen Welt manche neuen kulturellen Brennpunkte, die ihr Licht von jenem großen Bildungszentrum empfingen.

 Platons Schule hat ihre Jünger in alle Welt hinausgesandt, sie erscheinen in Unteritalien und Sizilien ebenso wie in den Griechenstädten des Pontos

Griechische Bildung, 
griechisches Denken 
durchdringt die weiten Räume der Oikumene, und auch am Perserhof und im Perserreich sind griechische Gelehrte und Künstler, vor allem aber Ärzte, gern gesehene Gäste.

Die neue Zeit spiegelt sich in einer neuen Einstellung des Menschen zu der Umwelt.
Der am Hofe des Dionysios I. in Syrakus lebende Tragiker Antiphon hat das neue Lebensgefühl mit der Sentenz: „Was übermächtig von Natur, wir zwingen’s mit der Kunst“ treffend charakterisiert. 
Übrigens ist Dionysios der erste Herrscher gewesen, der die Forschungsarbeit der Gelehrten für praktische Erfindungen verwertet hat. 


Eudoxos von Knidos
Aristoteles von Stageira 
Zwei Namen stehen am Beginn einer neuen Epoche, ja eigentlich am Anfang der griechischen und damit der abendländischen Wissenschaft:
Eudoxos von Knidos (+ um 355) und 
Aristoteles von Stageira (384-322), beide aus der Schule Platons, aus der Akademie, hervorgegangen. 


Mathematiker und Astronom, Arzt und Philosoph, Geograph und Physiker sowie praktischer Politiker in einer Person, hat sich Eudoxos einen großen Namen gemacht.

So beruhen die berühmten „Elementeder Geometrie des Eukleides (um 300 v. Chr.) wesentlich auf seinen Forschungen, und in der Astronomie ist seine Sphärenlehre zu allgemeiner Anerkennung gelangt. 

In seiner weitgespannten Universalität erscheint Eudoxos als ein echter Vorläufer der großen hellenistischen Gelehrten, und es ist wohl schwerlich ein Zufall, wenn seine „Phainomena“, auf Anordnung des makedonischen Königs Antigonos Gonatas durch Aratos in Verse übertragen, zu einem Lieblingsbuch des gebildeten hellenistischen Lesepublikums geworden sind.

Als Eudoxos starb, saß Aristoteles noch zu den Füßen Platons. 
Nach dessen Tode (Platon starb 347 v. Chr.) verließ Aristoteles Athen.

Assos mit dem Hofe des kleinasiatischen Dynasten Hermias von Atarneus, Mytilene, die makedonische Residenz Pella und das kleine Miëza waren die Stationen seines Wanderlebens; erst i. J. 335/4 v. Chr. ist er nach Athen zurückgekehrt;
 in der von ihm gegründeten Schule, dem Peripatos, wurde er, von zahlreichen Schülern umgeben, der Mittelpunkt des hellenischen Geisteslebens.

Aristoteles ist es gewesen, der die entscheidende Wendung von der Spekulation zur empirischen Forschung vollzogen hat. 

Indem er seine Schüler zum planmäßigen Mitforschen, zum Sammeln und Sichten des Materials heranzog, wurde Aristoteles der Archeget der abendländischen Wissenschaft, der Schöpfer der Idee der wissenschaftlichen Organisation. 
Auf fast allen Gebieten des menschlichen Wissens - nur von der Medizin hat er, der Sohn eines Arztes, sich ferngehalten - hat er mit Hilfe seiner Schüler ein riesiges Material zusammengetragen und wenigstens zum Teil in zusammenfassenden Schriften verarbeitet. 158 Staatsverfassungen - von ihnen ist die auf einem Papyrus des Britischen Museums wiedergefundene „Staatsverfassung der Athener“ die berühmteste geworden -, eine vollständige Liste der Sieger in den Pythischen Spielen, die Urkunden der dramatischen Aufführungen in Athen, Forschungen auf dem Gebiete der Physik, der Meteorologie, der Zoologie, der Botanik - diese und viele andere Schriften zeugen von der Weite und Spannkraft seines rastlos forschenden, ordnenden und wertenden Geistes. 

Dadurch, daß er erkenntnistheoretische und ethische Probleme in seine Forschungen einbezog, vereinigte Aristoteles auf der Höhe seines Lebens in sich nahezu die ganze Universitas litterarum: 
so steht er als echter Universalforscher am Anfänge der okzidentalen Wissenschaft, die nach seinem Tode in eine große Zahl von Teilreichen zerfallen ist. Erst nach fast zwei Jahrtausenden ist dem Abendland in Leibniz eine ähnlich überragende, wahrhaft universale Persönlichkeit erstanden.

Der steile Aufstieg des hellenischen Geisteslebens im 4. Jahrhundert v. Chr. spiegelt sich in der Entstehung eines neuen Bildungsideals. 

Isokrates’ Wort (Panegyr. § 50), nur der sei ein Hellene, der an attischer Bildung Anteil habe, ist alles andere als kosmopolitisch. 

Dem Ausspruch liegt die Überzeugung von dem unbedingten Vorrang der attischen Bildung zugrunde. 
Der Hellenenbegriff wird also nicht erweitert, sondern praktisch eingeengt: er ist unter Abstreifung der völkischen Bindungen zu einem Bildungsideal geworden. Mit diesem zugleich wird die Idee der Humanität geboren, auch sie nur in einzelnen, nicht in den vielen verkörpert. Gleichzeitig entsteht der Begriff des Klassischen: seit dem Jahre 386 v. Chr. machte man es in Athen zur Regel, neben den neuen Tragödien stets auch eine der alten aufzuführen; i. J. 339 wurde diese Forderung auch für die Komödie verwirklicht.

Um die Mitte des 4. Jahrhunderts begannen sich die Konturen jener Entwicklung abzuzeichnen, die am besten als ein allmählich einsetzender, sich ständig verbreiternder riesiger Assimilationsprozeß des Griechentums und der östlichen Kulturwelt zu fassen ist. 

Mit dem griechischen Kaufmann, der sich in den phönikischen Küstenstädten, auf Cypern und in Ägypten niederließ, hielt auch die griechische Kultur ihren Einzug in diese Länder uralter Zivilisation. 

In der kleinasiatischen Randzone, nicht minder aber auf Cypern, formte sich eine eigenartige griechisch-östliche Mischkultur; in Ägypten zeigt das Grab des Petosiris bei Hermopolis Magna unverkennbaren griechischen Einfluß, und der Fund des ältesten griechischen Papyrus mit den „Persern“ des Timotheos in Abusir-el-Meleq bezeugt das Vorhandensein griechischer Literaturwerke in der ägyptischen Chora zum mindesten schon im letzten Drittel des 4. Jahrhunderts. 

In der Entstehung eines neuen Stadttypus im karischen Halikarnassos wird die spätere Entwicklung vorweggenommen; durch einen Synoikismos von sechs benachbarten Gemeinden hat der einheimische Dynast Maussolos es beträchtlich vergrößert und mit prachtvollen, von griechischen Künstlern entworfenen Bauten geschmückt. Das Grabmal des Fürsten, das seine Schwestergemahlin Artemisia erbaute, wurde zu den Weltwundern gezählt. Mit der Königsburg, einem Kriegsund Handelshafen, in der Gestaltung des fürstlichen Palastes erscheint Halikarnassos als eine Vorläuferin des ptolemäischen Alexandrien. 

Die Zeit war reif für eine weitgehende Aufnahme griechischer Kultur und griechisdier Zivilisation in den Weiten des Ostens. 
Alexander der Große.
So betrachtet, erscheint Alexander als der große Vollstrecker des Weltgesetzes, das in den Grundzügen um 360/50 v. Chr. schon vorgezeichnet ist. 

Es empfiehlt sich daher, bereits zu diesem Zeitpunkt, d. h. um die Mitte des 4. Jahrhunderts, jenes neue Weltzeitalter beginnen zu lassen, das man seit J. G. Droysen 
mit dem Begriff des Hellenismus benennt.

Als „Hellenismus“ hat Joh. Gust. Droysen nach dem Vorgang vor allem von Joh. Drusius (Adnotationes ad Nov. Test., 1612) und von J. G. Herder, dem Sinn des griechischen Wortes zuwider, 
jene Epoche bezeichnet, als deren Charakteristikum er die Verschmelzung des Griechischen mit orientalischen Elementen betrachtete.

 Es muß zugegeben werden, daß diese Terminologie wenig glücklich ist. Abgesehen davon, daß sie einem sprachlichen Mißverständnis ihre Entstehung verdankt, scheint der von Droysen an sich richtig beobachtete Vorgang der Vermischung des Hellenischen und des Orientalischen zu stark verallgemeinert;
auf   jeden Fall wird er allein den komplexen historischen Erscheinungen dieser Epoche nicht gerecht. 
Man wird deshalb gegenüber Droysen, der auf Grund seiner Mischungstheorie in folgerichtiger Weise zunächst auch die gesamte heidnisch-griechische Periode der römischen Kaiserzeit mit in den Hellenismusbegriff einbezog, der chronologischen Auffassung des Begriffes (wie sie übrigens bei  dem späteren Droysen schon im Kerne vorhanden ist) den Vorzug geben, allerdings mit der Variante, daß man die Epoche nicht  mit Alexander, sondern schon eine Generation früher, etwa um 360 v. Chr., beginnen läßt.

 Den Endpunkt des Hellenismus bildet in jedem Fall die Zeit des Augustus. 

Diese Auffassung ist, abgesehen davon, daß sie sich längst in der Forschung eingebürgert  hat, insofern durchaus berechtigt, als die Periode von 360 bis  30 v. Chr. in der Tat ein eigenes Gesicht besitzt - mag man nun j an die Kunst, die Literatur, die Philosophie oder an das staatliche Leben der Griechen denken. 


ERSTER TEIL

DAS ZEITALTER PHILIPPS II. VON MAKEDONIEN (359-336 v. Chr.)
Philipp II, Alexander der I und Alexander der Große.

I. Makedonien vor Philipp II.

Mit König Philipp übernimmt das makedonische Volk die Führung in der Geschichte des Altertums, durch Alexanders Eroberung des Perserreiches erringt es die Weltherrschaft. 

Es ist ein junges Volk ohne Geschichte, das seinen Aufstieg dem großen Herrscher Philipp II. verdankt. 
Er hat das Volk armseliger Hirten und Bauern an städtisches Leben gewöhnt, die friedlosen barbarischen Nachbarn bezwungen, den Zugang zum Meere geöffnet und das Land selbst hellenischer Kultur erschlossen.

Für die Griechen aber sind die Makedonen immer ein Barbarenvolk geblieben, niemals, auch nicht auf der Höhe der Weltherrschaft, sind sie von den Hellenen als kulturell gleichberechtigt anerkannt worden.

Bei der kulturellen Kluft zwischen Griechen und Makedonen ist im Altertum die Frage des makedonischen Volkstums immer nur von sekundärer Bedeutung gewesen.

Für die moderne Forschung gibt das Namenmaterial - von der Sprache der alten Makedonen ist kein einziger Satz erhalten - den Ausschlag zugunsten der Ansicht, die die Makedonen zu den Griechen rechnet. 

Orts- und Monatsnamen sind rein griechisch, ebenso die meisten Eigennamen.

Deshalb ist der von dem Indogermanisten P. Kretschmer vertretenen Hypothese, die Makedonen seien ein griechisch-illyrisches Mischvolk, wenig Wahrscheinlichkeit zuzubilligen.

Die Mehrzahl der modernen Historiker, freilich mit der bemerkenswerten Ausnahme von Julius Kaerst, ist denn auch mit vollem Recht für das Griechentum der Makedonen eingetreten:
 man wird sie zu der Gruppe der nordwestgriechischen Stämme zählen. 

Dies schließt aber nicht aus, daß an der Behauptung des Thukydides (II 99), die Makedonen seien mit den Epeiroten verwandt, etwas Wahres sein mag.
Für die historische Beurteilung ist es entscheidender, daß eine jahrhundertelange Isolierung die Makedonen in dem Lande, das ihren Namen trägt, als eine besondere Einheit in sozialer, politischer und anthropologischer Hinsicht geformt hat, und zwar in allen wesentlichen Zügen von innen heraus, ohne das Hinzutreten hellenischen Einflusses.

So war der Charakter des makedonischen Volkes längst geprägt, als die haßerfüllten Reden des Demosthenes in dem großen Machtkampf zwischen Athen und Philipp immer wieder das Trennende zwischen Griechen und Makedonen hervorgehoben haben.

Die ältere Entwicklung des makedonischen Volkes liegt fast vollständig im dunkeln. In den ältesten Zeiten besiedelten thrako-phrygische Stämme das Land.

Sie sind am Ende des 2. Jahrtausends im Verlaufe der großen ägäisdien Wanderung nach Kleinasien hinübergegangen.
 Urzelle des makedonischen Staates sind die südlichen Landschaften Elimeia und Orestis, am oberen Haliakmon an der thessalischen Grenze gelegen. 

Von hier aus nach Norden vordringend nahmen die Makedonen die Eordaia in Besitz, in dem auf hohem Gebirgsrande thronenden Felsennest Aigai schufen sie dem Staate einen Mittelpunkt.

 Der erste makedonische König ist Perdikkas I., der wohl im frühen 7. Jahrhundert (?) lebte; doch erst mit seinem fünften Nachfolger, mit Amyntas I., gegen Ende des 6. Jahrhunderts, gelangt die Forschung auf sicheren historischen Boden.
Amyntas I. war es, der dem aus Athen vertriebenen Hippias eine Zufluchtsstätte in Anthemus anbot.
Damals hatten die Makedonen den Axios bereits überschritten und standen im Begriff, weiter nach Osten, in das Gebiet des unteren Strymon, vorzudringen.
Griechische Münze Alexander I.
Die überragende Gestalt der makedonischen Geschichte im 5. Jahrhundert ist Alexander I., dem die Nachwelt den Beinamen „Philhellen“ gegeben hat (er regierte von etwa 495 bis 450/40 v. Chr.).

Mit vollem Bewußtsein hat dieser König den Anschluß seines Volkes an die hellenische Kultur erstrebt. 

Dadurch, daß er das makedonische Königshaus, die Argeaden, auf das peloponnesische Argos zurückführte, kam er den pseudogenealogischen Neigungen der Griechen entgegen;
 seine Zulassung zu den Olympischen Spielen war der Lohn.

 Damit war das makedonische Königshaus als hellenisch legitimiert.

 Der erste, folgenschwerste Schritt zu einer Annäherung von Makedonen und Griechen war getan.

Alexander I. ist es gewesen, der die entscheidende Heeresreform durchgeführt hat, und zwar in der Weise, daß er dem zu Pferde dienenden reisigen Schwertadel, den „Gefährten“ (Hetairoi) des Königs, die Masse des Bauerntums als Fußvolk unter dem Ehrennamen der Pezhetairen, der „Gefährten zu Fuß“, zur Seite stellte.

Während Alexanders Nachfolger, Perdikkas II., das Land mit viel Geschick durch den Archidamischen Krieg hindurchzusteuern wußte, ist es seinem Sohn, Archelaos I. (414/3-400/399 v. Chr.), gelungen, Makedonien zum ersten Male zu einem bestimmenden Faktor in der großen Politik zu machen.

Nach Thukydides’ Urteil hat Archelaos für den inneren Ausbau des Königreiches und für die Organisation des makedonischen Heeres mehr geleistet als seine acht Vorgänger zusammengenommen.

 Er hat Pydna zurückgewonnen, das Verhältnis des Königtums zu den obermakedonischen Fürsten der Elimeia und Orestis auf eine neue Grundlage gestellt, endlich hat er, hierin ein Vorläufer Philipps II., in die inneren Angelegenheiten Thessaliens mit starker Hand eingegriffen (400/399 v. Chr.).

Durch eine Reihe wichtiger wirtschaftspolitischer Maßnahmen, durch Wegebauten und durch den Anschluß Makedoniens an das persische Währungssystem hat er den Wohlstand des Landes beträchtlich gehoben. 

Vielleicht geht auf diesen Herrscher die sich auf dem Heerwesen aufbauende Landeseinteilung von Niedermakedonien zurück, die dadurch ihr besonderes Gepräge erhält, daß die sich um einen städtischen Mittelpunkt kristallisierenden Bezirke zugleich die Aushebungskantone für die einzelnen Regimenter bilden.

Hell strahlte der Ruhm des Königs als Beschützer der Musen:
an seinem Hofe in Pella lebte eine Reihe bedeutender Künstler, der Epiker Choirilos, der Musiker Timotheos von Milet, der Tragiker Agathon.
Euripides hat in Pella die Bakchen gedichtet und den königlichen Mäcen in dem
Drama „Archelaos“ gefeiert, in dem auch die makedonische Griin- dungsgeschichte dargestellt wurde. 

Der königliche Palast wurde von Gemälden des Zeuxis geschmückt;
an Sokrates erging die Aufforderung, nach Pella zu kommen. 

Nach dem Tode des Archelaos - er ist wie sein Großvater Alexander Philhellen durch Mörderhand gefallen - versank das Land in Wirren und Thronstreitigkeiten;
sie erfüllten die ersten Jahrzehnte des 4. Jahrhunderts.

 In dem machtvoll um sich greifenden Chalkidischen Städtebund erstand Makedonien ein gefährlicher Rivale an seiner Ostflanke, während im Westen die Illyrer immer aktiver wurden und durch ihre Einfälle Makedonien mehrfach in schwere Bedrängnis brachten.

Es war das spartanische Eingreifen im Norden in den Jahren 382-379 v. Chr. (s. S. 246), das den makedonischen König Amyntas III. (393-370) aus einer ungemein schwierigen Lage befreite, in die er durch die Ausbreitung der Chalkidier gekommen war.

Der makedonische Staat, der in offiziellen Urkunden unter dem Begriff „die Makedonen“ in Erscheinung tritt, war ein typischer Feudalstaat mit monarchischer Spitze.

Die unmittelbare Herrschaft der makedonischen Könige erstreckte sich nur auf Niedermakedonien, d. h. auf die am Meere gelegenen Landschaften Pieria, Emathia, Mygdonia. Obermakedonien dagegen, jene Landschaft, aus der die Makedonen einst zu ihren Eroberungen aufgebrochen waren, die Lynkestis, Orestis, Tymphaia, hatte eigene Fürsten, die sich dem Könige als Oberherrn nur beugten, wenn er sie seine Macht verspüren ließ.
Der Staat war, obwohl er in der Pieria das Meer erreichte, ein typischer Binnenstaat; befanden sich doch die wichtigsten Häfen - Pydna und Methone - in den Händen der Hellenen.

Die Wirtschaft des Landes war ausgesprochen agrarisch, besonders wertvoll war sein Holzreichtum. Als Lieferant von Schiffsbauholz, von Teer und Pech war Makedonien, wie eine Anzahl von Handelsverträgen bezeugt, den griechischen Seestaaten ein erwünschter Handelspartner und Bundesgenosse.

Das patriarchalische Königtum der Makedonen, ein Heerkönigtum, reicht in die Frühzeit der makedonischen Geschichte zurück.

Noch Alexander d. Gr. ist als König der oberste Feldherr, Priester und Richter seines Volkes gewesen.
Im Kriege stützt sich der König vornehmlich auf den Adel, dessen Angehörige wie die Myrmidonen Achills den Ehrennamen der „Gefährten“ des Königs führen. 

Aus der Frühzeit stammt auch die Institution der makedonischen Heeresversammlung, die sich aus den Waffenfähigen zusammensetzt: sie bestätigt den neuen König durch Akklamation, sie greift wohl auch in die Regelung der Thronfolge ein, wenn Wirren entstehen, endlich bildet sie den höchsten Gerichtshof in Fällen von Hoch- und Landesverrat.

In den hellenistischen Staaten ist der Heeresversammlung, wenn auch in veränderter Gestalt, ein langes Nachleben beschieden gewesen.

2. Philipps erste Regierungsjahre (359-354 v. Chr.)

Philipp von Makedonien war der jüngste Sohn des Amyntas III. und der Eurydike.
Die für seine innere Entwicklung bedeutungsvollsten Jahre, das 15. bis 17., hatte er als Geisel in Theben verlebt.
Nachdem er i. J. 365 in das Heimatland zurückgekehrt war, übertrug ihm sein Bruder, der König Perdikkas III. (365- 359), ein Lehensfürstentum.

Kurz zuvor war es dem Perdikkas gelungen, sich des Ptolemaios von Aloros zu entledigen, der sich vier Jahre lang (369/8-365) als Vormund des jungen Königs und als Gemahl der Eurydike an der Macht gehalten hatte.
Die bedeutendste Leistung Perdikkas’ III. aber ist die Gewinnung der wichtigen Hafenstadt Amphipolis.

Durch eine makedonische Besatzung wurde sie vor dem Zugriff der athenischen Flotte gesichert.
Es war eine Wendung von weittragenden Folgen, die sich damit in der Politik Makedoniens vollzogen hatte: Amphipolis gehörte dem 2. Attischen Seebunde nicht an, der Friedenskongreß zu Sparta (371 v. Chr.) aber hatte Athen im Besitze der Stadt bestätigt.

Unter der Regierung des Perdikkas kam der attische Staatsmann Kallistratos nach seiner Verbannung i. J. 361/0 nach Makedonien; er hat hier das Zollwesen neu geordnet.

Alles Erreichte aber wurde durch die Bedrohung des Landes von Westen her wieder in Frage gestellt. In einer gewaltigen Schlacht ist der, junge König Perdikkas III. i. J. 359 mit Tausenden seiner Krieger, im Kampfe gegen die Illyrer gefallen.
Auch die Päonen und die Thraker sahen nun ihre Stunde gekommen, das unglückliche Land durch Einfälle von Norden und Osten her zu brandschatzen.

Im Lande selbst erhoben Prätendenten ihr Haupt: Pausanias, der frühere Gegner des Ptolemaios von Aloros, Archelaos (ein Sohn des Amyntas III. aus erster Ehe mit Gygaia), Argaios - sie alle strebten nach der Krone, und das Wort „Wehe dem Lande, des König ein Kind ist!“ schien furchtbare Wahrheit zu werden.

In dem allgemeinen Wirrwarr hat Philipp als Vormund seines jungen Neffen Amyntas, des Sohnes des Perdikkas III., die Zügel der Regierung ergriffen. 

Mit List und Gewalt entledigte er sich der auswärtigen und inneren Feinde.

Athen, das den Prätendenten Argaios favorisierte, wußte Philipp durch förmlichen Verzicht auf Amphipolis auf seine Seite zu bringen: es kam zu einem offiziellen Friedensschluß, bei dem sich Athen in einer Klausel verpflichtete, Philipp für Amphipolis Pydna auszuliefern, das zu Athen in einem Bundesverhältnis stand.

In einer großen Schlacht in Obermakedonien trieb Philipp die Illyrer zu Paaren (358). Ihre östlichen Grenzbezirke am Ochridasee mußten sie an Makedonien abtreten, das dadurch eine Sicherung der gefährdeten Westgrenze erreichte. Auch mit der Selbständigkeit der obermakedonischen Vasallenfürstentümer der Elimeia und Orestis war es nun zu Ende; ein wichtiger Schritt auf dem Wege zu einem makedonischen Einheitsstaat war damit zurückgelegt.

Den Königstitel, den ihm die Heeresversammlung verlieh, hatte sich Philipp redlich verdient.
Nach Alexander I. Philhellen und Archelaos ist er der große Organisator des makedonischen Heeres geworden.

Durch dauernde Übung und auf vielen Feldzügen schmiedete er das makedonische Volksheer zu einem geschmeidigen Machtinstrument um, dem die benachbarten Staaten nichts
Vergleichbares gegenüberzustellen hatten.

Den Kern bildete nun die Phalanx der Pezhetairen.
Dem Ansturm der von baumlangen Sarissen starrenden Wand war kein Gegner weit und breit gewachsen.
 Die Kavallerie der Hetairen, in der Regel an den Flügeln eingesetzt, wurde zu einer die Schlachten entscheidenden Angriffswaffe ausgebildet.
Durch die neue Heeresordnung hat Philipp aus dem Feudalstaat den makedonischen Volksstaat geschaffen und mit ihm ein vollständig neues Element in die Geschichte des Abendlandes eingefügt.

Dem Aufstieg der makedonischen Monarchie ging der Niedergang Athens und seines Seebundes parallel. 

Die Reformvorschläge, die Isokrates in seinem „Areiopagitikos“ (357 v. Chr.) machte - sie empfahlen die Wiederherstellung der von den Vätern ererbten Verfassung und die Restituierung des Areiopages, d. h. ein ausgesprochen oligarchisch-konservatives Programm, für das die Ordnung des Theramenes das Vorbild abgab -, verhallten ungehört.

Durch die Initiative des karischen Dynasten Maussolos bildete sich in dem gleichen Jahre im Bereich des Seebundes eine eigene Konföderation, der Chios, Rhodos, Byzanz, später auch Kos beitraten.
Diese Staaten sagten sich von Athen los, sie konnten trotz verzweifelter athenischer Anstrengungen nicht wieder zum Gehorsam gebracht werden.
Als sich Athen i. J. 355 zum Frieden bequemte, da war der einst so stolze 2. Seebund nur noch ein Schatten seiner einstigen Größe: die Mitgliederzahl war auf ein Drittel abgesunken, der Bund selbst aber war auf die Kykladen, Euböa, auf die Inseln im Norden der Ägäis und auf einige thrakische Küstenstädte beschränkt.

Athens Schwäche war Philipps Chance. 

Er stürzte sich zuerst auf Amphipolis, wobei er den Athenern vorspiegelte, die Stadt für sie erobern zu wollen.
Amphipolis wurde im Sturm genommen (357), als wichtiger Schlüsselpunkt am unteren Strymon war es von nun an ein integrierender Bestandteil der makedonischen Monarchie, solange diese überhaupt bestanden hat.
Um in den Besitz von Amphipolis zu gelangen, sollte Athen Pydna den Makedonen ausliefern.
Da Athen hierzu ganz außerstande war, bemächtigte sich Philipp kurzerhand auch dieser Stadt (Winter 357/6).

Athens Kriegserklärung parierte der schlagfertige Herrscher durch ein Bündnis mit den Chalkidiern, der bedeutendsten Macht des Nordens neben Makedonien.
Dabei überließ er dem Chalkidischen Städtebund außer dem Gebiet von Anthemus auch das Territorium des i. J. 356 v. Chr. von ihm eroberten und zerstörten Poteidaia, dessen attische Kleruchen er kurzerhand in die Heimat zurücksandte.

Der Hilferuf der thasischen Kolonie Krenides an den Nordhängen des goldreichen Pangaiongebirges gab Philipp die erwünschte Gelegenheit, seine Hand gen Osten auszustrecken.

 Krenides erhielt durch ihn neue Kolonisten, es wurde unter dem Namen „Philippi“ neu gegründet.

 Zum ersten Male in der griechischen Geschichte erscheint hier ein Menschenname als Bezeichnung einer Stadt:
 Philippi steht am Anfang einer Entwicklung, 
die zu den Alexanderstädten und zu den Diadochengründungen hinüberführt. 

Die reichen Erträge der Goldbergwerke des Pangaion - angeblich mehr als 1.000 Talente jährlich - stellten Philipps Politik auf eine neue Grundlage. 

Dareikos (505-480 v. Chr.)
Philippeios (340-328 v. Chr.)
Bald begann das makedonische Gold mit dem persischen zu konkurrieren, und es dauerte nicht mehr lange, bis der Philippeios den Dareikos bei den Griechen aus dem Felde schlug.

Als sich die Fürsten Ketriporis vcn Thrakien, Lyppeios von Päonien und der Illyrer Grabos zu einer nordischen, gegen Philipp gerichteten Liga zusammenschlossen, der übrigens auch Athen beitrat (356), erwies sich drastisch die politische und strategische Überlegenheit Makedoniens.

Der Päonerkönig wurde Philipps Vasall, die Illyrer wurden durch Parmenion, Philipps bedeutendsten Helfer, geschlagen, im Osten erreichten die Makedonen den Nestos, der von nun an die Grenze gegen das freie Thrakien bildete.

Als Philipp schließlich im Sommer 354 die Griechenstadt Methone unterworfen hatte, da stand Makedonien an der großen Wende seiner Politik:
es hatte seine Fesseln gesprengt, das Meer war auf der ganzen Linie erreicht, die erste Phase der makedonischen Expansion war zu Ende.


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