Κυριακή, 10 Αυγούστου 2014

Namensstreit um Makedonien - Makedonische Frage: Sprachen und Dialekte im antiken Makedonien

Das Antike Makedonien
Die makedonische Sprache der antiken Makedonen  ist mit dem modernen slawischen "Mazedonisch" nicht zu verwechseln.

 Die Wörter Makedonien, makedonisch  sind griechisch

  • Μακεδονία Makedonía 'weites Land'
    • Makedonien hat im Unterschied zum gebirgigen Griechenland eine große Ebene.
    • idg. *mec- 'groß'
      • griech. μακεδνός mākednós, μηκεδανός mēkedanós 'lang' hat nach {H} auch die Bedeutung 'weit, hoch'.


Die heutigen Bewohner der Antike Makedonien, heute auch 'μείζον Μακεδονία' genannt sind griechische Makedonen.


Ihre Sprache ist griechisch und sie sprechen ein griechisches Dialekt das makedonisch heißt.

Diese Sprache wurde Jahrhunderte  bevor die Slaven (ca. 9. Jahrhundert n. Chr.) in Makedonien eindrangen, von den einheimischen Makedonen gesprochen und ist weiter kontinuierlich bis heute die Muttersprache der griechische Makedonen. 


Zwar war während der 400 jährige türkische Besatzung türkisch  als Amtssprache in Makedonien bestimmt aber die Bevölkerung Makedoniens sprach griechisch und zwar makedonische Dialekte wie zB. der griechisch-makedonischer Dialekt von Dardakas.
 
  Ethnological Map by Synvet (1877)

Sehr großer Teil  Makedoniens wie  

z.B. ganz Halkidiki, 
Thassos, 
Katerini, 
Kavala,

ebenso der größter Teil von 
Drama, 
Seres, 
Thassaloniki usw

haben niemals einen andere Sprache als griechisch gesprochen.

In der restlichen Regionen Makedoniens war die Bevölkerung zweisprachig, griechisch und slavisch-bulgarisch.


Nur in sehr kleinen und abgelegenen Ortschaften wurde nur das slavisch-bulgarisch gesprochen.

Der Slawische  bzw. bulgarische Dialekt das in Makedonien gesprochen wurde, ist erst 1945

 als offizielle Sprache von Skopje, damals  'Vardarska Banovina' definiert worden und wurde als slavo-makedonisch deklariert.


Nach eine Präsenz von tausenden von Jahren der griechischen Sprache und der griechischen Tradition in Makedonien ist es eine historische Fälschung des Nachbarstaates FYROM, das griechische Wort  Makedonien zu nutzen.


Das Makedonische hat mit dem  slavischen Dialekt das heute in Skopje gesprochen wird überhaupt nichts gemeinsam.


Der Name 'makedonisch' wird demzufolge missbraucht!.



Emilio Crespo
ZENTRUM FUR DIE GRIECHISCHE SPRACHE



Einführung

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Sprachen und Dialekte, die direkt de oder indirekt im antiken Königreich Makedonien bezeugt sind:

von den ersten schriftlichen Zeugnissen des 5. bis zum Ende des 4. Jh.s v.Chr. Die meisten Belege stammen aus dem 4. Jh., und nur wenige können eine endgültige Antwort auf die einst umstrittene Frage des Charakters der Sprache der Makedonen vor der Herrschaft Philipps II. (360/59-338 v.Chr.) geben.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jh.s hat die archäologische Forschung im antiken Königreich der Temeniden große Fortschritte verzeichnet.
 An vielen archäologischen Stätten wurden Grabungen und Forschungen vorgenommen, und zahlreiche Objekte sahen das Licht der Öffentlichkeit (s. Hatzopoulos 2006, 16f.).

Unter Anderem beantworteten diese Entdeckungen und Forschungen fast endgültig die umstrittene Frage nach der antiken makedonischen Sprache.

 Eine weitere Konsequenz dieser Entdeckungen ist, dass wir eine tiefer gehende Kenntnis der Geschichte des makedonischen Königreichs vor der hellenistischen Zeit (vgl. Roisman &Worthington 2010) gewinnen konnten.

Wegen des Fehlens neuer Zeugnisse, die dem des Fluchtäfelchens gleichkämen, das 1986 in Pella (s. Appendix, S. 287) gefunden wurde,
beschränke ich mich auf die Erfassung der griechischen Dialekte,
 die im antiken Königreich von Makedonien vor dem Auftauchen der attisch-ionischen Koiné bezeugt sind, 
sowie auf eine detaillierte Beschreibung des makedonisch-griechischen Dialekts unter Verwertung u.a. der Untersuchungen von Brixhe, Dubois, Hatzopoulos, Masson und Panayotou.


Die Art der Zeugnisse
Der Papyrus von Dervenier

Entsprechend dem Schreibmaterial und der Art und Weise, wie diese Texte auf uns kamen, gehören die Zeugnisse, welche die im antiken Königreich Makedonien gesprochenen Sprachen und Dialekte betreffen, zwei Kategorien an.

Die erste Gruppe besteht aus Münzlegenden und epigraphischen Belegen, die in Stein eingemeißelt oder mit Farbe gemalt, kunstlos in Bleiblättchen eingeritzt oder sorgfältig in Goldblättchen oder andere Materialien eingraviert sind. Sie sind ins 5. Jh. v.Chr. und danach zu datieren und direkt auf uns gekommen. Die Steininschriften sind öffentlichen oder privaten Charakters, doch die meisten Belege auf den übrigen Materialien sind privater Natur.

 Der berühmte Papyrus von Dervenier wurde im Inneren eines Grabmals bei Thessaloniki gefunden und enthält eine philosophische Abhandlung in Form eines allegorischen Kommentars zu einem orphischen Gedicht, das die Entstehung der Götter erzählte - gehört in diese Gruppe wegen seiner Datierung (Mitte des 4. Jh.s v.Chr.) und wegen des Orts, an dem er entdeckt wurde.

Die zweite Kategorie umfasst Zeugnisse, die mittels mittelalterlicher Handschriften überliefert sind und in drei Gruppen eingeteilt werden können:

die eine Gruppe besteht aus Beobachtungen antiker Autoren zur Sprache der antiken Makedonen,

die zweite Gruppe umfasst ca. 140 Glossen, die von den antiken Lexikographen und besonders von dem Lexikon, das dem Hesy- chios zugeschrieben wird, ausdrücklich den Makedonen zugewiesen wurden, und die dritte Gruppe umfasst mythologische Namen, Personen- und Ortsnamen, die von verschiedenen Autoren angeführt werden.


Zwei besondere Kennzeichen

Das herausragendste Kennzeichen des sprachlichen Zustands in Makedonien in der zu untersuchenden Zeit ist, dass alle erhaltenen Zeugnisse, von Grabmälern bis zu Staatsinschriften, auf Griechisch verfasst sind, unabhängig dade von, was die sporadischen Anspielungen auf das gesprochene Makedonisch (s.u. 9.4) bedeuten und unabhängig von der Interpretation vieler Glossen, die nicht als griechische zu verstehen sind.

Ein weiteres bemerkenswertes Kennzeichen ist, dass die im Archiv des antiken Königreichs von Makedonien gefundenen Dokumente eine große dialektale Vielfalt aufweisen;

vom Nordwestionischen der euböischen Kolonien
 (Olynth, Torone, Dikaia, Mende, Methone, Amphipolis) bis zum Inselionischen der Pflanzstädte, die von den kykladischen Inseln gegründet wurden
(Akanthos, Stagira, Ennea Hodoi, Skione), dem Attischen in den Städten, die Mitglieder des Delisch-Attischen Seebunds waren
 (Methone, Herakleion, Aphytis usw.),
 dem Korinthischen (Poteidaia) bis hin zur attisch-ionischen Koiné.

 Der Papyrus von Derveni ist in ionischem Dialekt mit attischem Anstrich geschrieben. 

Während die griechischen politischen Zentren südlich von Makedonien durch eine relative Dialekthomogenität gekennzeichnet sind, die nur vom Auftauchen der Koiné bedroht wurde, fehlt auf dem Staatsgebiet Makedoniens die Dialekthomogenität schon vor dem frühen Einfluss der attisch-ionischen Koiné auf das ganze Land.


Der makedonische Dialekt des Griechischen

Bis 1986 konnte das Makedonische zu Recht als Restsprache, als Sprache mit mangelhaften Belegen bezeichnet werden. 

Obwohl eine große Anzahl Inschriften in zahlreichen Gegenden des antiken makedonischen Staates gefunden wurden und trotz der intensiven Publikationsaktivität in den vergangenen Jahrzehnten enthalten die Zeugnisse, die vor 400 v.Chr. datiert werden könnten, nur kurze Texte, von denen die meisten sorgfältig oder kunstlos graviert oder auf Vasen oder leicht transportablen Objekte gemalt wurden, die nach Makedonien eingeführt worden sein dürften.

Daher gab es die sehr weit verbreitete Ansicht, es gebe keine frühen Dokumente des Makedonischen selbst, sondern nur Texte, die von anderswo hereingekommen seien. Eins der vielen Beispiele ist ein Ring, der in Chalastra (Mygdonia) gefunden wurde, aber aus Sindos stammt. Dieser Ring trägt die Aufschrift δωρον (SEG 31.649, ca. 480 v.Chr.).

Die Mehrzahl der inschriftlichen Zeugnisse, die im antiken Königreich Makedonien gefunden wurden, kann in den Beginn des 4. Jh.s v.Chr. und später datiert werden, ist in der attisch-ionischen Koiné abgefasst oder stark von ihr beeinflusst.10 Da die deutliche Vielfalt des Griechischen nicht vor dem 5. Jh. greifbar ist und die Makedonen sich im 8. oder 7. Jh v.Chr. an der Ostseite des  Olymp ansiedelten (s. Anm.2), ist klar, dass die attisch-ionische Koiné nicht die Ausgangssprache des makedonischen Königreichs gewesen sein kann.

Unter solchen Bedingungen mussten die Forscher sich auf antike Quellen stützen, um Elemente des Frühmakedonischen ausfindig zu machen (s. Babi- niotis 1992).11 Indessen sind die Beschreibungen der antiken Quellen aufeinanderstoßend und widersprüchlich.

Laut Herodot (5.22, 8.137-139) waren die makedonischen Könige Griechen.


Alexander I, Philipp II und Alexander III.
 Doch wenn die Makedonen von Thukydides (2.80.5-7, 2.81.6, 4.124.1) und Aristoteles (Politik 1324b) zu anderen barbarischen Völker gezählt werden, hätte der König über eine nichtgriechische Bevölkerung geherrscht. 

Isokrates (Philipp 108 und 154) äußert in einer Rede, die geschrieben wurde, um Philipp davon zu überzeugen, 
die Führerschaft über die Griechen zu übernehmen, dass der König der einzige Grieche sei, der glaube, 
es lohne sich,
 ein Volk zu regieren, das nicht zu seinem Stamm gehörte

(μόνος γάρ των Ελλήνων ούχ ομοφύλου γένους αρχειν άξιώσας).

Darüber hinaus betonten Demosthenes (Dritte Olynthische Rede 24, Dritte Rede gegen Philipp 31, Über die Truggesandschaft 308) und andere Autoren, nicht nur die Makedonen, sondern sogar Philipp selbst sei kein Grieche.  

Andere zeitgenössische Autoren konnten indessen nicht glauben, dass Euripides, Agathon, Gorgias und andere in Makedonien leben, ihre Tragödien und andere Werke dort hätten schreiben und auffuhren können, wenn der König und sein Hof kein Griechisch sprachen.

 Betreffs der Angriffe des Demosthenes gegen Philipp als „Barbaren“ müssen diese als reine Beschimpfungen aufgefasst werden, die übrigens im Gegensatz zur Tatsache stehen, dass der König an den Olympischen Spielen teilnahm wie auch seine Vorfahren mehr als hundert Jahre zuvor (s. Herodot 5.24). Wie Livius berichtet (31.29.15), sprachen die Makedonen, Aitolier und Akarnanen die gleiche Sprache.

Das Fluchtäfelchen von Pella 
Das Fluchtäfelchen von Pella

Der früheste makedonische Text, der lang genug ist, um ihn als dialektal ansehen zu können, wurde 1986 in Pella gefunden und 1993 publiziert (s. Voutiras 1993, 1996, 1998; Bull. épigr. 1994, 413; Dubois 1995; O’Neil 2006).
 Er ist kunstlos im milesischen Alphabet in ein Bleiblättchen eingeritzt und wurde ungefähr in die Mitte des 4. Jh.s v. Chr. datiert.

Der Inhalt der Verse ist eine Verwünschung, die eine verliebte Frau gegen die bevorstehende Heirat zwischen einem Mann namens Dionysophon und einer Frau namens Thetima richtet. 

Die grundlegenden Dialektkennzeichen des Textes sind folgende:

Phonetik und Phonologie

- Erste Ersatzdehnung: γᾶμαι,  ὑμῶμ;“
- Erhaltung von *a:;
- Kontraktion von *a:o: zu a:;
- Öffnung von [i] und [u] in [e] und [o]: διελέξαιμι und άνορόξασα statt διελίξαιμι und άνορύξασα;
- Hyphärese von [eo] &[e]: Θετίμα;
- Assimilation von [ign] &  [i:n]: γίνομαι;
- Zusammenfall von  <ΕΙ>  und <Ι>: πάλειν statt πάλιν, ίμε statt είμί, δαπινά statt ταπεινά;
- Umwandlung von [th] in Reibelaut, was indirekt an der Verbindung <στ>  zu erkennen ist, die das [sth] vertritt: γενέσται statt γενέσθαι;
- Stimmhaftwerdung von /t/ zu [d], wenn δαπινά als ταπεινά aufzufassen ist (s. u. 5.3).
Morphologie
- Gen. Sg. auf -a: der mask. Subst. auf -a;
- Dat. Pl. δαιμόσι;
- Dat. Sg. der 1. Person des Pronomens έμίν, das auch im Dorischen der Inschriften und literarischen Texte bezeugt ist;
- Temporaladverbien und Konjunktionen mit der Endung -κα: οποκα, τοκα;
- Wegfall des kurzen Endvokals der Präposition κατά, wenn sie als Präverb vor einem geschlossenen Dental fungiert (παρκαττίθεμαι), aber nicht vor einem geschlossenen Velar: καταγράφω, συγκαταγηρδσαι. Beim Typ άναγνοίην gibt es keinen Wegfall.


Das Fluchtäfelchen von Pella enthüllte einen neuen Dialekt des Altgriechischen. 

Seine dialektalen Merkmale decken sich nicht mit irgendeinem anderen, bisher bekannten Dialekt und weist keinerlei Spuren des Einflusses der attisch-ionischen Koiné auf.

Das erotische Fluchtäfelchen bietet einen neuen Typ eines nordwestlichen Dorisch und hat keine Parallele in den literarischen Dialekten.

Die bisher bekannten Fluchtäfelchen sind alle im örtlichen Dialekt der Gegend geschrieben, in der sie gefunden wurden, und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass dieses Täfelchen eine Ausnahme von der Regel de darstellt.

Da das Fluchtäfelchen von Pella eine Verbindung dialektaler Merkmale aufweist, die sich von allen anderen lokalen oder literarischen Dialekten unterscheidet, ist die Wahrscheinlichkeit auszuschließen, es könne in irgendeiner anderen Dialektgegend geschrieben worden und dann nach Pella verbracht worden sein.

Da der Dialekt ausschließlich im antiken Makedonien bezeugt ist (s. Méndez Dosuna 2007b und 6 unten), kann er zu Recht „makedonisch“ genannt werden. Die Zeugnisse dafür sind zwar so dürftig wie z.B. für den pamphylischen, aber es kann keinen Zweifel geben, dass es sich um einen griechischen Dialekt handelt.
Zahlreiche Merkmale des Fluchtäfelchens von Pella sind als makedonisch durch Glossen bezeugt:

Öffnung von [i] und [u]

Die makedonische Glosse αβροτες όφρύες (s. Hesychios άβροΰτες• όφρΰς. Μακεδόνες) zeigt auch das Zusammenfallen von [ο] und [u], falls αβροτες άβρόρες entspricht.

 In ähnlicher Weise erscheint der makedonische Monatsname Αύδυναΐος in antiken Quellen abwechselnd als Αύδωναΐος, Άϊδωναΐος und Αύδναΐος

Weitere Fälle des Zusammenfalls von E und I sowie von O und Y in Koiné-Inschriften sind überzeugend von Brixhe (1999, 47f.) als makedonische Merkmale, welche in der örtlichen Koiné erhaltet sind, interpretiert worden.

γίγνομαι & [gi:nomai]

Die Assimilation γίγνομαι > [gi:nomai] begegnet auch in anderen Dialekten und braucht nicht dem attisch-ionischen Einfluss zugeschrieben zu werden.

Stimmhafte und stimmlose Verschlusslaute

Wird δαπινά als ταπεινά interpretiert, wie Dubois (1995) vorschlägt und wie es allgemein akzeptiert wird, bedeutet das, dass ein stimmhafter Verschlusslaut an der Stelle des zu erwartenden entsprechenden stimmlosen Verschlusslauts erscheint. Andere wahrscheinliche Fälle tauchen in einer attischen Inschrift auf (IG 13.89, Athen, 423/2 v.Chr.), auf der ein Pakt zwischen dem makedonischen König Perdikkas II. und Athen verzeichnet ist. Zwei Vornamen, die anderswo nicht bezeugt sind, sind in der Liste der Makedonen aufgeführt, die den Vertrag mit den Athenern schlossen: Βορδΐνος (Z. 72), das Πορτΐνος entsprechen kann, Ableitung von πόρτις ‘junges Kalb’ und Βυργΐνος (Z. 61), das an att. Φυρκΐνος erinnert (s. Masson 1998; Hatzopoulos 2006, 43).

Hatzopoulos (1987a; 2006, 42) interpretiert das Adjektiv Διγαΐα (auch Δει- γαΐα, aber auch Δειγεα geschrieben) als Δικαία, eine Bezeichnung, die der Artemis zugeschrieben wird. Dieser Begriff begegnet in einer Gruppe von Inschriften der römischen Zeit, die in der Gegend von Aigai (heutiges Vergina) gefunden wurden und die Akte von Sklavenbefreiungen verzeichnen (s. SEG 27.277; Bull. épigr. 1977, 269; 1984, 250). Trifft diese Interpretation zu, kann das Adjektiv ein weiterer Fall für die Aussprache eines stimmhaften anstelle eines stimmlosen Verschlusslautes sein.

Die sporadische Verwendung eines stimmhaften Verschlusslautes anstelle des zu erwartenden stimmlosen hat Parallelen in der Gegend von Tripolis, in Perrhaibia (Nordthessalien).

 Nach Hatzopoulos (2007a, 167-176), geben solche Schreibungen eine Aussprache wieder, die Südmakedonien und Nordthessalien gemeinsam war. Helly (2007, 196f.), bemerkt gleichwohl, dass die gemeinsamen dialektalen Merkmale in Tripolis, Perrhaibia und Makedonien auf die Sesshaftwerdung der makedonischen Bevölkerung in diesem nördli- de chen Abschnitt Thessaliens zurückzuführen seien, als er von den makedonischen Königen in der Mitte des 5. Jh.s v.Chr. erobert worden war.“


Einige weitere kürzlich gefundene Zeugnisse

Andere Dokumente der frühen Periode, die nach dem erotischen Fluchtäfelchen von Pella gefunden wurden, sind in der attisch-ionischen Koiné geschrieben oder stark von ihr beeinflusst. Es handelt sich entweder um kurze Texte und Listen mit Personennamen oder um andere Zeugnisse, welche keine hinreichenden Dialektmerkmale aufweisen, die es uns erlaubten, ihren Dialekt genau festzulegen.

Unter den fünf Texten, die in Aiane (Elimeia) gefunden wurden, befindet sich ein auf eine Vase gemaltes Graffiti in milesischem Dialekt, das an den Beginn des 5. Jh.s v.Chr. datiert werden könnte.

Darin finden wir den Satz [...]άλιος έμί της Δολίο („Ich gehöre der -ali, Tochter des Dolios“).

Diese Inschrift kann ionisch sein wegen des η im Artikel und der Endung des Genitivs -ιος eines Substantivs mit Nominativ auf -ις.
 Die anderen Texte bieten uns keinen Hinweis, was den Dialekt angeht.

Eine Gruppe Fluchtäfelchen, die in Pydna (Pierien) gefunden und ans Ende des 4. Jh.s v.Chr. datiert werden können, besteht hauptsächlich aus Listen von Personennamen (s. Curbera & Jordan 2003). Eine davon hat die Typen κατα- δεσσμεύω (Z. 1) τάς γλώσσας, εϊ τις (Z. 7) und δυνάσσθω (Z. 10), zusammen mit zahlreichen Merkmalen der Koiné.

Auf einem fragmentarischen juristischen Fluchtäfelchen aus Arethusa (s. Moschonisioti, Christidis & Glaraki 1997; SEG 47.885, frühes 3. Jh. v.Chr.) finden wir nur drei Typen, die ein wenig bei der Dialektbestimmung helfen: den Gen. Pl. Fem. πασδν, der die dorische Kontraktion [a:o:] & [a:] zeigt, und das häufige Auftauchen von ὅσοι und γράφω.

Julian Méndez Dosuna (2007b) hat die Aufmerksamkeit auf eine Anfrage in der Orakelstätte gelenkt, die im Heiligtum von Dodona gefunden wurde und wahrscheinlich von einem Makedonen formuliert wurde (s. Méndez Dosuna im vorliegenden Band). Obwohl der Text kurz ist, bietet er eine Verbindung von Dialektmerkmalen, die zu keinem anderen Dialekt passen. Da der Name des Beraters Κεβάλιος ist -abgeleitet von κεφαλή mit β statt φ (s. Hesychios κεβαλή• κεφαλή), wie der Typ Βάλακρος statt Φάλακρος, Βίλιππος statt Φίλιππος (s. Herodianos 1.281, und unten 9.2) und andere makedonische Beispiele-, ist er sehr wahrscheinlich Makedone gewesen.

Personennamen

Ziemlich viele makedonische Inschriften enthalten Namenslisten.

Bei so dürftigen sprachlichen Zeugnissen und mit einer so umstrittenen Sprachenfrage kann es nicht überraschen, dass die Vornamen so großes Interesse hervorgerufen haben, da ihre Form ein wenig Licht auf die Sprache der Sprecher werfen kann, welche diese Namen trugen.

Die makedonischen Personennamen sind überwiegend griechisch.

 Das gilt sowohl für die Namen, die direkt überliefert sind als auch für jene, die in literarischen Quellen bezeugt sind.

 Die Gesamtzahl der griechischen Namen gegenüber den nichtgriechischen blieb im Laufe der Jahre konstant. Nach Hatzopoulos (2000, 103) gehören sie folgenden Kategorien an:

1 Namen mit rein griechischer Etymologie, die als lokal angesehen werden können, weil sie von den phonetischen Mustern der attisch-ionischen Koiné abweichen (z.B. Μαχάτας) oder weil ihr Gebrauch sich in der Praxis in der gesamten Antike nur auf die Makedonen beschränkte (z.B. Πατερῖνος);

2 Gemeingriechische Namen: Καλλίμαχος, Ἀπολλώνιος;

3 Erkennbare Fremdnamen: Άμάδοκος und Άμάτοκος (thrakisch), Πλάτωρ (illyrisch), Δούλης (in ganz Makedonien verbreitet, aber ohne griechische Etymologie);

4 Namen ohne direkt erkennbare griechische Etymologie, die jedoch nicht einer erkennbar nichtgriechischen Sprachgruppe zuzuordnen sind (z.B. Βορδΐνος).



Die Schreibungen Β, Δ, Γ statt Φ, Θ, Χ


Die makedonischen Inschriften ab dem 4. Jh. v.Chr. bezeugen gelegentliche Schreibungen von β, δ, γ dort, wo die anderen griechischen Dialekte φ, θ, χ haben.

Fälle von β statt φ sind häufiger, doch gibt es auch Fälle von δ statt θ und γ statt χ.

Das Merkmal ist so häufig, dass es ein makedonisches shibboleth zu sein scheint, d.h. eine Praktik, die dazu dient, die gesellschaftliche oder geographische Herkunft einer Person hervorzuheben.

Einige Fälle von Inschriften, bei denen stimmhafte Verschlusslaute für die phonetische Wirkung der indogermanischen Hauchlaute benutzt werden, sind folgende (s. Panayotou 1993):

 Βερνίκα (SEG 35.798, Aigai, Ende des 4. Jh.s v.Chr.), Βερεννώ (SEG 35.775, Aigai, ca. 350 v.Chr.), Κέββα (SEG 35.804, Aigai, 300-275 v.Chr., Diminutiv für Κέβαλος). Hatzopoulos (1987a) lenkte die Aufmerksamkeit auf die weiblichen Namen Βίλα, Βιλίστα, Βιλιστίχη, die eine ganze Reihe bilden, die Φίλα, Φιλίστα, Φιλιστίχη entspricht. Der Name Βίλιστος begegnet zweimal auf den Ephebenlisten aus Styberra (s. Papazoglou 1988).

Auf einem orphischen Goldblech ist der weibliche Vorname Βουλομάγα bezeugt (SEG 40.541, Methone, ca. 350-300 v.Chr.). Das erste Bestandteil des zusammengesetzten Wortes repräsentiert wohl Φυλο- und das zweite entspricht sicher dem attisch-ionischen -μάχη (s. Masson 1984; Hatzopoulos 2007a, 171).

Die makedonischen Glossen umfassen den Typ Βίλιππος statt Φίλιππος, Βερενίκα statt Φερενίκα, den Ortsnamen Βέροια, Namen der Stadt, die nach Herodianos (1.281) als Φέρωνα gegründet wurde, und die Gattungsnamen (Appellativa) κεβάλα statt κεφαλή (s. Hesychios κεβαλή• κεφαλή);
ἄβροτες oder άβροΰτες statt όφρύες ‘Augenbrauen’.

Glossen mit Apikal oder palatalen, stimmhaften Verschlusslauten sind die Typen: ἀδῆ, wahrscheinlich αἰθήρ ‘Himmel’ entsprechend, δάνος, das θάνος ‘Tod’ entspricht, ἄδραια, das αἰθρία ‘Schönwetter’ entspricht, Πύδνα, falls es von πυθμήν ‘Boden’ kommt und γόλα statt χόλος ‘Galle’.

(... Moralia 292e4-7 (= Questiones Graecae):
οὐ γὰρ ἀντὶ τοῦ φ τῷ β χρῶνται Δελφοί, 
καθάπερ Μακεδόνες „Βίλιππον“ καὶ „βαλακρὸν“ καὶ „Βερονίκην“ λέγοντες͵ 
ἀλλ’ ἀντὶ τοῦ π. )


Wörter mit diesem Merkmal erscheinen auch in der antiken Literatur: Kallimachos, Fr. 657, κεβλη ‘Kopf’; Aristophanes, Vögel 303, κεβληπυρις ‘Rotkehlchen’; Euphorion 108, κεβλήγονος ‘aus dem Kopf geboren’, Beiname, der sich auf Athena bezieht;
Nikander, Alexipharmaka 433, κεβλήγονος in der Bedeutung ‘mit dem Samenkorn in seinem Kopf’.

Der Monatsname Ὑπερβερεταῖος scheint dem attischen ὑπερφερέτης zu entsprechen. 

Nach Plutarch benutzten die Makedonen β statt φ, während man in Delphi β statt π benutzte. 

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Name Σταδμέας (IG 13.89.64, Athen 423/2 v.Chr.), 
der sich auf einen Makedonen bezieht,
 der unter der Führung von Perdikkas II.
den oben erwähnten (5.3) Bündnisvertrag mit den Athenern mitunterschrieb. 

Wenn der Name von σταθμός kommt, dann handelt es sich um einen weiteren Fall, wo δ statt θ begegnet (s. Masson 1998,118).

Der Name Σταλμέας auf einer makedonischen Inschrift ist wahrscheinlich der gleiche Name und kann mit Άδεΐα Σταδ[μ]εί[ου] verglichen werden, von dem Σταθμίας kommt, das in Mantineia (Arkadien) vorkommt.

Ist diese Interpretation richtig, würde uns der sporadische Gebrauch der stimmhaften de statt der behauchten Laute zurück ins letzte Viertel des 5. Jh.s v.Chr. bringen.

Wenn der Name des Sees Βοίβη, der in der thessalischen Ebene liegt, Φοίβη ‘strahlend’ repräsentiert, würde er einen weiteren Fall der gleichen Veränderung darstellen (s. Hatzopoulos 2007a, 170; Helly 2007, 212f.).26 Es sei bemerkt, dass das, was wir finden, die gelegentliche Schreibung Β, Δ, Γ statt Φ,Θ, Χ ist, aber nicht umgekehrt, was die Möglichkeit ausschließt, das Zusammenfallen von stimmhaften und Hauchlauten zu behaupten.

Das einzige Mal, wo Φ statt Β auftaucht, ist im Typ βεφαίως statt βεβαίως, in einem Kaufvertrag 352-350 v.Chr., der in Amphipolis gefunden wurde (s. Hatzopoulos 1996,2. Bd., Nr. 88). Bemerkenswert, dass diese Stadt erst 357 v.Chr. von Philipp II. erobert wurde.

Die Interpretation der Schreibung Β, Δ, Γ statt Φ, Θ, Χ

Die nicht-griechische Hypothese

Die verbreitetste Ansicht (sie lässt sich auf P. Kretschmer zurückführen und wird nur von den Glossen gestützt) beinhaltet, dass Aussprache und Schreibung eines stimmhaften Verschlusslautes anstelle eines homorganen stimmlosen Hauchlautes zeigen, dass das Makedonische eine indogermanische Sprache war, in der die überkommenen stimmhaften Hauchlaute ihren Hauch verloren (*bʰ > b, *dʰ > d, *gʰ > g).

Das steht natürlich im Gegensatz zu dem, was in der griechischen Sprache geschah, wo bekanntlich die überkommenen stimmhaften Hauchlaute zu stimmlosen wurden (*bʰ > pʰ, *dʰ > tʰ, *gʰ > kʰ) - früher als die mykenischen Täfelchen und vor der Anpassung von Linear B für die griechische Schrift.

Nach Kretschmer unterschieden sich die makedonische und griechische Sprache voneinander, weil es sich um verschiedene indogermanische Sprachen handelte.
Diese Theorie ist irrig. Wie Panayotou hervorhebt (1993, 28), gibt es einen stimmhaften Verschlusslaut anstelle des entsprechenden ererbten stimmhaften Hauchlauts nur sporadisch^8 Das Resultat der Behandlung der indogermanischen Hauchlaute auf den makedonischen Inschriften wird allgemein mit φ, θ oder χ wiedergegeben: z.B. Θέμιδος (SEG 39.567a, Elimeia, Aiane,
5. Jh. v.Chr.); Μαχάτας Λικκύρου in eine Grabinschrift (SEG 54.612, Orestis, Pentavryson, Mitte 4. Jh. v.Chr.); βασιλέως Φιλίππου auf einigen Keramiktäfelchen (SEG 2005.682); Θεοτέλους (SEG 50.264, Pydna, Ende 5.Jh. - Anfang 4. Jh. v.Chr.; vgl. SEG 47.944).

Gleichwohl sei bemerkt, dass kein Gattungsname, Personennamen oder Ortsname mit beiden alternativen Schreibungen im gleichen Text begegnet, was die Hypothese des Makedonischen als nichtgriechischer indogermanischer Sprache endgültig dementieren würde.

Um abzuschließen: Die Schreibungen Β, Δ oder Γ statt Φ, Θ oder Χ für die ererbten stimmhaften Hauchlaute begegnen nur sporadisch und sind weit davon entfernt, Resultat eines mit allgemeiner Geltung Lautgesetzes zu sein. Außerdem wird die Entwicklung der Hauchlaute zu stimmhaften Verschlusslauten weder von einem bestimmten phonetischen Umfeld noch von der Chronologie oder der geographischen Herkunft des Textes geregelt; wahrscheinlicher ist die Existenz eines soziallinguistischen Unterbaus, der dieses gelegentliche Erscheinen erklärt.

Die Lehnhypothese

Brixhe & Panayotou (1994b), Brixhe (1999) und Panayotou (2001, 322f. = Pa- de nayotou 2007a) schlagen vor, die Schreibung mit stimmhaftem Verschlusslaut zeige, dass das Makedonische Wortschatz, Orts- und Personennamen von Volksgruppen assimilierte, die in Makedonien wohnten, aber eine indogermanische Sprache sprachen, in der die überkommenen Hauchlaute ihre Aspiration verloren hatten.

Die Makedonen der geschichtlichen Zeit werden das Ergebnis der Verschmelzung zweier Sprachgruppen gewesen sein. 

Die eine sprach einen den nordwestlichen Dialekten verwandten griechischen Dialekt, der bis zum Ende der hellenistischen Zeit benutzt wurde, und die andere sprach eine phrygische Variation. 

Wie Herodot berichtet (7.73), hießen die Mitglieder der zweiten Gruppe Βρύγες vor ihrer Emigration von Thrakien zur anatolischen Halbinsel, wo sie den Namen Phryger annahmen.

Ihre Sprache verschwand ab dem 5. Jh., nachdem sie einen starken Einfluss auf die Religion und die Personennamen der herrschenden Klasse Makedoniens ausgeübt hatte und so die bedeutende Rolle belegte, welche die Sprecher dieser Sprache bei der Entstehung der makedonischen Individualität in der historischen Zeit spielten.

Ein Merkmal der von den Brygen gesprochenen Sprache, das wir auch in ihrem Stammesnamen beobachten können, ist, dass die überkommenen indogermanischen geschlossenen Hauchlaute ihre Behauchung verloren: so begegnet im Phrygischen der Typ edaes von der Wurzel *dʰeh₁- ‘stelle, tue’, und das neuphrygische αββερετ (begegnet fünfmal) und αββερετορ (dreimal) von der Wurzel *bʰer- ‘trage’.

Die Sprache der Brygen - eine Art Phrygisch, die wir zur Erleichterung brygisch nennen können- wurde in Makedonien allmählich an den Rand gedrängt, wo die Mehrheit der Bevölkerung Griechisch sprach und erlosch schließlich vor dem Erscheinen unserer ersten Belege.

Diese Sprache hat ihre Spuren in den Ortsnamen und Personennamen sowie in Glossen hinterlassen, die von den Lexikographen gesammelt wurden, als die Sprache schon längst verschwunden war.

Die Entleihung brygischer Worte im griechischen Dialekt Makedoniens würde unter Anderem ziemlich viele Merkmale des Makedonischen erklären und zwar die hohe Frequenz nicht zu erwartender stimmhafter Verschlusslaute in Wortschatzbereichen wie Personen- und Ortsnamen, das Fehlen von Doppelschreibungen des selben Personennamens des gleichen Individuums sowie die unregelmäßige Verteilung der stimmhaften Verschlusslaute: Βουκεφάλας neben Κεβων• Φίλιππος neben Βιλίστα, usw.

Die „brygische“ Interpretation der Schreibungen im Makedonischen mit stimmhaften Verschlusslauten anstelle von Aspiraten war Gegenstand lebhafter und heftiger Diskussionen. Hatzopoulos (2000, 2007a; s. auch Dubois, Bull. épigr. 2000, 210; Helly 2007) lenkte die Aufmerksamkeit auf die Personennamen Κεβαλῖνος und Βέτταλος (EKM Beroia 4, 223 v.Chr.; s. SEG 54.603), die einer detaillierten Betrachtung bedürfen.

Wenn es auch im Makedonischen keine Beispiele für stimmhafte Verschlusslaute gibt, die sich aus ererbten labiovelaren Hauchlauten ergeben hätten, hat der Personenname im Genitiv Βεττάλου einen Anfangskonsonant, der sich in der gleichen Zeit wie die Labiovelare vor [e] änderte. Βέτταλος ist wahrscheinlich der Stammesname „Thessaler“.

Der Gegensatz zwischen dem attischen Θετταλός und dem böotischen Φετταλός deutet an, dass, unabhängig von seiner Etymologie und was auch immer der Anfangskonsonant gewesen sein mag, er sich auf die gleiche Weise wie der Labiovelar *gʷʰ- vor [e]  entwickelte.

 Da der Verlust der Stimmhaftigkeit *gʷʰe- > *kʷʰe- in die vormykenische Zeit datiert wird, während der Verlust der Labiovelare vor [e] nachmykenisch ist (wie die Existenz einer bestimmten Reihe von Silbenbuchstaben, mit denen die Labiovelare wiedergegeben wurden,

 z.B. e-qe-ta [hekʷétaːs],qe-to [kʷéthos], vgl. πίθος usw. zeigt), kommen wir zu dem Schluss, dass, wenn de eine solche Entwicklung gleichzeitig im ganzen griechischsprachigen Raum stattfand, muss Βέτταλος nachmykenisch sein (s. Dubois, Bull. épigr. 2000, 210;
Helly 2007, 213; Hatzopoulos 2007b, 230f.). Wir können, mit anderen Worten, die folgende Änderungsreihe rekonstruieren:

1 Vormykenischer Verlust der Stimmhaftigkeit bei Aspiraten: *bʰ, *dʰ, *gʰ, *gʷʰ > pʰ, tʰ, kʰ, kʷʰ;

2 Nachmykenische Behandlung der Labiovelare vor [e(:)];

3 Gelegentliche Schreibung im Makedonischen Β, Δ, Γ statt Φ, Θ, Χ.

Wir können den sicheren Schluss ziehen, dass die makedonischen stimmhaften Verschlusslaute sich bereits in der nachmykenischen Zeit entwickelt hatten. Κεβαλῖνος kommt von der Wurzel *ghebh(e)l- das im Althochdeutschen gebal ‘Schädel’ bezeugt wird (s. Chantraine, DELG s.v. κεφαλή).

Der erste Verschlusslaut in Κεβαλῖνος befindet sich im Einklang mit demjenigen, der im Griechischen zu erwarten ist, aber der zweite Konsonant bietet den bezeichnenden makedonischen stimmhaften Verschlusslaut statt des zu erwartenden stimmlosen Hauchlauts der anderen griechischen Dialekte.

Das normale phonetische Ergebnis wäre Κεβαλῖνος im Griechischen und *Γεβαλῖνος  im angenommenen Brygischen. Κεβαλῖνος ist kein Lehnwort (aus dem brygischen *Γεβαλΐνος), sondern das Ergebnis einer teilweisen phonetischen Interferenz des griechischen Κεφαλΐνος. Anders gesagt: Wir können den Verlauf der Veränderungen im Griechischen folgendermaßen rekonstruieren:

1 Ererbter Typ: *ghebh(e)l-;

2 Vormykenischer Verlust der ererbten stimmhaften Hauchlaute: khe- phal-;

3 Nachmykenische Dissimulation von Hauchlauten (Grassmann’sches Gesetz): kephal;

4 Teilweise phonetische Interferenz, die von einer nichtgriechischen, aber indogermanischen Sprache hervorgerufen wurde, in der die ererbten geschlossenen Hauchlaute ihre Behauchung verloren: kebal(inos).

Wenn diese chronologische Reihenfolge der Veränderungen stimmt, ist die sich ergebende Folgerung, dass der Einfluss der hypothetischen nichtgriechischen Sprache auf den makedonischen Dialekt nachmykenisch ist.

Es ist darauf hinzuweisen, dass Κεβαλῖνος kein brygisches, sondern ein hybrides Resultat ist, das eine griechische und eine brygische Entwicklung der ererbten Hauchlaute vermengt. Das bedeutet, dass Κεβαλῖνος kein Wort ist, das sich das Griechische in dieser Form geliehen hat, sondern ein griechisches Wort, das den Wandel eines Verschlusslauts wegen der phonetischen
Interferenz mitmachte, welche der Konsonant hervorgerufen hat, den das gleiche Wort in einer anderen Sprache hatte, die in der gleichen Gemeinschaft gesprochen wurde.

Es handelt sich nicht um ein Lehnwort aus einer Fremdsprache, sondern um die Übertragung eines fremden Lauts in ein griechisches Wort.

 Das führt zum Schluss, dass Κεβαλῖνος das Ergebnis einer phonetischen Interaktion zwischen Sprachen ist, die in der gleichen Sprachgemeinschaft gesprochen wurden.

Die Hypothese der Frikativierung

In zahlreichen seiner Untersuchungen behauptet Hatzopoulos (1987b, 2000, 2006, 2007a), dass die Schreibungen B, Δ und Γ für Φ, Θ und Χ in den makedonischen Inschriften, die in der Koiné geschrieben sind sowie in den Glossen, die dem Makedonischen zugerechnet werden, zeigen, dass die stimmlosen Hauchlaute und die stimmhaften Verschlusslaute zu einer frühen Zeit in Frikative umgewandelt wurden.

Die Schreibungen Β, Δ und Γ könnten die Entwicklung der stimmlosen Hauchlaute (Φ, Θ und Χ) zu stimmlosen Frikativen und die parallel dazu verlaufende Umstellung der stimmhaften Verschlusslaute (Β, Δ und Γ) zu stimmhaften Frikativen bekunden.
 Mit anderen Worten: Die Schreibung Β, Δ, Γ statt Φ, Θ, Χ könnte aufgrund der folgenden Änderungsreihe interpretiert werden:

1 Wandel der stimmhaften Verschlusslaute zu stimmhaften Frikativen oder Approximativen 
(b, d, g > β, ð, γ);

2 Die geschlossenen stimmlosen Hauchlaute werden zu stimmlosen Frikativen (pʰ, tʰ, kʰ > f, θ, χ);

3 Die stimmlosen Frikative werden zu stimmhaften ( f, θ, χ > v, ð, γ)..

Wie Brixhe bemerkte (1999, 58f.), ist eine derartige Änderungsreihe, wenn
auch nicht unmöglich, so doch ganz unökonomisch und setzt einen frühen Zeitpunkt für die Affrikatierung der Verschlusslaute voraus, ein Wechsel, von dem man annimmt, dass er sich im 1. Jh. v.Chr. ausbreitete (s. Lejeune 1972, 55, 61).

 Es stimmt, dass in anderen Dialekten Schreibungen begegnen, die wahrscheinlich als Resultat einer vorzeitigen Frikativierung angesehen werden (s. Lejeune s.o., 54ff.), aber solche Fälle sind nicht so häufig, wie sie im Makedonischen gewesen sein dürften.

Die Interpretation der gelegentliche Schreibung Β, Δ, Γ, als Resultat der frühzeitigen Frikativierung der stimmlosen Hauchlaute im Makedonischen gibt zwar eine interne Erklärung, setzt aber eine frühe Datierung voraus, zu der es in der Geschichte des Griechischen keine Parallele gibt.

Außerdem, so behauptet Hatzopoulos, würden Schreibungen wie die oben angeführten (5.3) δαπινά statt ταπεινά einen Hinweis darauf geben, dass die Stimmhaftwerdung der stimmlosen Verschlusslaute und der behauchten Verschlusslaute sich bereits ab dem 4. Jh. v.Chr. oder sogar noch früher durchsetzte. So wäre das makedonische Lautsystem dem heutigen spanischen und demjenigen ähnlich, das für das Gotische rekonstruiert wurde, Sprachen also, bei denen die stimmhaften Verschlusslaute je nach Umfeld zwei phonetische Realisierungen haben.

Während im Spanischen solche Phoneme als geschlossene nach einer Pause, nach einem nasalen Konsonanten (/m/, /n/, /μ/) oder im Fall von /d/ nach einem lateralen Frikativ (/l/, /X/) realisiert werden, werden sie als Frikative in den übrigen Fällen realisiert. Im Gotischen wurden /b, d, g/ als Approximative [β, S, γ] zwischen Vokalen realisiert.

 Doch ist dies nicht der Fall im Makedonischen, in dem zwei von drei hypothetischen Fällen eines stimmhaften statt eines zu erwartenden stimmlosen Verschlusslaut am Wortbeginn erscheinen, wahrscheinlich nach einer Pause: 

δαίμονες φίλοι, δαπινὰ γὰρ ἰμὲ φίλων πάντων (Z. 6 des Fluchtäfelchens von Pella) und ]νος, Βορδινο[ 

auf der Liste der Makedonen, die den Pakt mit Athen abschlossen (IG 13.89.72,
423/2 v.Chr.).

Bekanntlich weisen die Verschlusslaute in solchem Umfeld eine Stabilität während der gesamten Geschichte des Griechischen auf.

Nach Hatzopoulos (2000, 115f.) kann der Wandel der stimmhaften und stimmlosen Verschlusslaute zu Frikativen als Ergebnis einer inneren Entwicklung des Griechischen erklärt werden und ist nicht auf eine Wort- oder Lautinterferenz aus einer anderen Sprache zurückzuführen. Eine derartige Aussprache wird mehr irgendeine Isoglosse gewesen sein, welche der makedonische mit dem thessalischen Dialekt von Perrhaibia teilte, wo die Personennamen das gleiche Phänomen aufweisen: Δρεβέλαος (= *Τρεφέλεως), Βουλονόα (= Φυλονόα). Wie wir gesehen haben, scheint die Isoglosse auf die Migration der makedonischen Bevölkerung nach der Eroberung des Gebiets im 5. Jh. v.Chr. zurückzuführen sein (s. Helly 2007, 196f.).


Die Interferenz-Hypothese

Wie wir sahen, ist der Versuch einer internen phonetischen Exegese der de hier untersuchten Schreibungen nicht kompatibel im Fall der Entwicklung der Verschlusslaute zu Frikativen mit der Datierung dieses Lautwechsels in der Geschichte des Altgriechischen, während sie im Fall des Zusammenfalls von stimmhaften und stimmlosen Verschlusslauten in Gegensatz zur Stabilität der stimmlosen Verschlusslaute in der Geschichte des Griechischen gerät und außerdem keine Parallelen in anderen Sprachen aufweist.

Unter diesen Umständen ist es sicherer, anzunehmen, dass die Stimmhaftwerdung auf eine fehlerhafte Übertragung eines Lauts aus einer fremden Sprache ins Makedonische zurückzuführen ist.

Anders gesagt:

Die Schreibung der stimmhaften Verschlusslaute anstelle der Hauchlaute kann mit der Hypothese interpretiert werden, dass die natürlichen Sprecher einer Sprache auf falsche Weise eine Artikulationsgewohnheit der Aussprache eines Lautes von ihrer Muttersprache bei der Aussprache eines Lauts einer fremden Sprache anwenden, die ihrem Laut ähnlich, aber mit ihm nicht ganz identisch ist. Allgemein bezieht sich die sprachliche Interferenz auf die irrtümliche Kenntnisanwendung von der Muttersprache auf einen zweiten Sprachkodex.

Wie wir gesehen haben, unterscheidet sich die Übertragung von der lexikalischen Entlehnung durch Folgendes:

Während die Entlehnung nicht voraussetzt, dass der Benutzer eines entliehenen Begriffs zweisprachig ist, meint die phonetische Interferenz immer zweisprachige Sprecher, insofern es einen Versuch einer Kenntnisanwendung von der Muttersprache auf ein zweites Sprachsystem reflektiert.

Im diesem Fall haben wir es mit der Übertragung eines Lauts aus einer lebenden Sprache in einen Laut des Makedonischen und nicht mit der Übertragung eines Worts aus einer toten Fremdsprache zu tun.

Die Hypothese der phonetischen Interferenz erklärt ziemlich überzeugend das gelegentliche Auftauchen stimmhafter Verschlusslaute im Makedonischen und stimmt mit der Nachricht der antiken Quellen überein, dass ein Teil der makedonischen Bevölkerung kein Griechisch sprach.

Die Schreibungen Β, Δ, Γ statt Φ, Θ, Χ sind besonders häufig bei den Personennamen.

Mit Ausnahme von Βερενίκα erscheinen die Schreibungen mit Β, Δ und Γ nicht bei den Namen von Personen von hohem gesellschaftlichem Rang, was zu der allgemeinen These passt, dass die makedonischen Könige Griechisch sprachen und über Nichtgriechen herrschten.

Die Hypothese der phonetischen Interferenz erklärt auch, dass wir das, was wir in der Wirklichkeit finden, gelegentliche Schreibungen mit Β, Δ, Γ statt Φ, Θ, Χ sind, aber nicht umgekehrt, was die Wahrscheinlichkeit des Zusammenfalls von stimmhaften und Hauchlauten ausschließt.

Die antiken Quellen betonen den Gebrauch des Makedonischen in Situationen von Aufruhr und Unruhen (s. Plutarchos, Alexander 51.6; Eumenes 14.11) oder als Instrument von Vertrautheit und freundschaftlicher, gefühlvoller Versöhnung (s. Pseudo-Kallisthenes 3.32) oder als Indiz ethnischer Identität (s. Diodoros Siculus 17.101.2).

Der Gebrauch des makedonischen Dialekts für solche kommunikativen Funktionen betont sein niedriges Prestige im Vergleich zur attisch-ionischen Koiné, die in der offiziellen Kommunikation schon sehr früh benutzt wurde. 

Ein solcher Zustand erinnert lebhaft an die Fälle von Zweisprachigkeit, einen Zustand, in dem zweisprachige Gemeinschaften eine „hohe“ Sprachsorte eines Sprachkodexes für den offiziellen Umgang benutzen und eine „niedrige“ für die familiären und inoffiziellen Bereiche der sozialen Interaktion.36 Die antiken Quellen berichten auch von der Unverständlichkeit des Makedonischen (Curtius 6.9.34-36, 6.11.4), und dieses Merkmal kann sich im Rahmen der Hypothese der phonetischen Interferenz bemerkbar machen.

Folgerung

Der linguistische Zustand, der sich aus der Untersuchung der Zeugnisse ergibt, die im geographisch vielfältigen, aber politisch einheitlichen Gebiet des antiken Makedonien gefunden wurden, ist lediglich ein Sprachmosaik, das aus lokalen griechischen Dialekten und wahrscheinlich aus wenigstens einer nichtgriechischen indogermanischen Sprache besteht; ein sprachliches Ad- strat, auf das nur bestimmte Glossen hinweisen, und zwei oder drei phonetische Merkmale, die eher auf das Phrygische, aber auch aufs Thrakische verweisen in Texten, die stets auf Griechisch geschrieben sind. Andere Sprachen, wie das Illyrische, wurden wahrscheinlich im Königreich Makedonien gesprochen, sind aber nicht in Texten erhalten und werden auch nicht von antiken Autoren erwähnt.37 Eine Anzahl fremder Personennamen, die in Texten des Altgriechischen aufgeführt sind, verweisen ebenfalls auf Sprecher des Phrygischen, Thrakischen und Illyrischen.

Die oben angeführte unbekannte indogermanische Sprache war wohl noch in der Zeit der ersten schriftlichen Texte im 5. Jh. v.Chr. lebendig. Sie hielt sich wenigstens in dem Maße, wie die Spuren ihrer Interferenz in der Aussprache des Griechischen in den griechischen Texten erkennbar sind.

Die lokalen griechischen Dialekte, die in den Stadtstaaten gesprochen wurden, welche dem makedonischen Königreich eingegliedert wurden, wurden im Lauf der Zeit von der attisch-ionischen Koiné für die Bedürfnisse der geschriebenen Sprache, aber auch für die wachsenden kommunikativen Funktionen seit der Mitte des 4. Jh.s ersetzt, also früher als in anderen griechischen Gebieten.

Da die attisch-ionische Koiné ihre kommunikativen Funktionen vermehrte, wurde der makedonische Dialekt, der offenbar nie für die Abfassung offizieller Schriftstücke verwendet worden war, auch nicht mehr für die Abfassung privater Texte verwendet.


Die römische Eroberung 168 v.Chr. beschleunigte wahrscheinlich den Niedergang der lokalen Dialekte und verstärkte den Gebrauch der attisch-ionischen Koiné.

 Nach der Umwandlung von Makedonien in eine römische Provinz wurden die lokalen griechischen Dialekte und die unbekannte indogermanische Sprache nicht mehr benutzt und verschwanden sehr bald völlig. 

Die letzte Erwähnung des makedonischen Dialekts in mündlicher Rede datiert an den Beginn der nachchristlichen Zeit, da, wie Strabon berichtet (7.7.8), 
einige (ενιοι) Makedonen δίγλωττοι waren 
(also die Koiné und den lokalen Dialekt sprachen).


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