Δευτέρα, 9 Σεπτεμβρίου 2013

Geschichte Makedoniens und Thrakiens von den Balkankriegen bis zum Ersten Weltkrieg.

Carte ethnographique de la Péninsule balkanique,
Jovan Cvijic 
Kyriaki Doukelli
Inauguraldissertation
zur Erlangung des akademischen Grades
 eines Doktors der Philosophie
der Universität Mannheim
November 2008

Die Bilder und die Textformatierungen 
sind unsere Auswahl (Yauna),
 und nicht im Text enthalten.



DIE PROBLEMATIK DER 
ETHNISCH-KONFESSIONELLEN 
HETEROGENITÄT
 IN DEN EUROPÄISCHEN  
PROVINZEN DES 
OSMANISCHEN  REICHES.

Einer der entscheidenden Faktoren, die zu Auseinandersetzungen und Unruhen in den europäischen Provinzen des osmanischen Reiches führten, war die ethnisch-konfessionelle Heterogenität. 

Gerade die Darstellung der ethnisch-konfessionellen Bevölkerungsstruktur Makedoniens verursacht heute viele Probleme, da eine qualitative und quantitative Strukturanalyse zu Verwirrungen führt. 
Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik (1892)

In Makedonien lebten hauptsächlich 
Slawen, 
Türken, 
Griechen und 
Albaner/Arnauten, daneben gab es kleinere Volkgruppen wie die 
Aromunen/ Vlachen/ Walachen, 
spanisch-sprachige Juden, 
Zigeuner, Serben, 
Megleniten, 
Tscherkessen, 
Armenier und 
Tataren. 

Die Sprache, die Religion und das ethnische Bewusstsein sind wichtige Kriterien für die Durchführung von demographischen Untersuchungen, wobei in der Literatur nur einzelne Kriterien der damaligen Demographie berücksichtigt wurden.

 Aus diesem Grund stehen die jeweiligen Statistiken im Widerspruch zueinander und führen bis heute zu unversöhnlichen Meinungsverschiedenheiten unter den Historikern.

ΕξώφυλλοSo teilt Jutta de Jong in ihrem Buch “Der nationale Kern des makedonischen Problems” die ethnographischen Daten in zwei Kategorien auf, in quantitative und qualitative. 

Unter dem Begriff “qualitative” Bevölkerungsangaben summiert sie die Kriterien der konfessionellen Zugehörigkeit, das Abwägen der sozialen Verhältnisse zur Zeit der Schulanfänge sowie die Erscheinung der Doppelsprachlichkeit

Die Angaben, die auf der Konfessionszugehörigkeit und der Millet-Einteilung der Bevölkerung beruhen, sind für de Jong empirisch schwer zu erfassen, da man den “irrationalen Bereich von Motivationen” berücksichtigen muss. 

Diese Angaben sind für sie jedoch insofern wertvoll, als diese “Aufschlüsse über die diffus wirkende konfessionelle Struktur der Bevölkerung wie auch über die Bedeutung der einzelnen Konfessionen geben können”.

 Sie untersuchte die konfessionelle Vielfalt der makedonischen Bevölkerung und zieht den Schluss, dass diese Volksgruppen die “Identifizierung einer Einheit mit einer Religion nahezu ausschlossen.

 Den unterschiedlichen Volksgruppen waren mindestens zwei Konfessionen zuzuordnen.” Sie vertritt die Meinung, dass “nur die Serben [...] ausschließlich als orthodoxe Christen anzusprechen [waren], bevor sich ein Teil von ihnen wie von den Griechen unter dem Druck bulgarischer Èetas vorübergehend als exarchistisch ausgab, wodurch sie in vielen Statistiken als “Bulgaren”  aufgeführt wurden”.

 Sie vergleicht die konfessionellen Statistiken von Weigand (1899), von Kiinèov (1900) und die des Serben Verkoviæ (1889), die sich nur auf die konfessionelle Einteilung der “MakedoSlawen” konzentrieren. 
 Byzantinischer Doppeladler 
Bulgarischer Löwe 

Von rund 1.200.000 Makedo-Slawen sollen 
100.000 islamischen,
300.000 orthodoxen
und
800.000 exarchischen Glaubens 
gewesen sein.

 De Jong akzeptiert die Angaben, da zwischen den drei Untersuchungen lediglich geringe Zahlendifferenzen bestehen.

 Über die konfessionelle Zugehörigkeit der anderen Volksgruppen gibt es keine Angaben.

Als Nächstes untersucht sie die qualitativen Angaben unter dem Aspekt der propagandistischen Einflussnahme der Nachbarstaaten. 
Diese Propaganda ist sehr eng mit der Kultur und dem Bildungswesen verbunden. 
Rumänien interessierte sich für die aromunische Minderheit und die Bewahrung ihrer romanischen Abstammung.

Es wurde angenommen, dass die Aromunen Rumänen waren, da das Aromunische dem Rumänischen ähnelte. 

Heute weiß man, dass das Aromunische eine weitere unabhängige ost-lateinische Sprache ist.. 
Daher forderte Rumänien die Gründung einer autokephalen Kirche und hoffte dadurch eine damit verbundene Sonderstellung der rumänischen Orthodoxie zu gewinnen. 
Dies sollte laut rumänischer Argumentation von Vorteil für die osmanische Regierung sein. Nach der “Befreiung” vom Patriarchat sollte die aromunische Minderheit gegen die griechischen Auflösungspläne  des  osmanischen  Reiches  kämpfen.

Obwohl  Rumänien  keine territorialen Ansprüche an Makedonien stellte, erhoffte es ein Mitspracherecht bei der Lösung der “makedonischen Frage” zu erlangen und so die griechischen, bulgarischen und serbischen Ansprüche auf Makedonien zu verringern.

Während des serbisch-türkischen Krieges untersagte das Osmanische Reich 1876 Serbien das Recht in Makedonien Schulen zu gründen. 
Aus diesem Grund beschränkte sich Serbien von 1876 bis 1893 auf verbale Propaganda. 
Außerdem war die serbische Bevölkerung dem Patriarchat unterstellt, ein Umstand, der die Verbreitung der serbischen Propaganda einschränkte. 
Nach serbischen Angaben sollen im Zeitraum von 1813 bis 1876 in Prilep und Kuèeviste etwa 100 Schulen eröffnet worden sein, was Jutta de Jong jedoch für übertrieben hält.  

Serbien erhielt im Jahr 1893 wieder die Erlaubnis im Vilayet Kosovo Schulen zu eröffnen. 

Dieses Gebiet war das einzige, in welchem die serbische mit der griechischen und bulgarischen Propaganda konkurrieren konnte. Nach serbischen Angaben sollen im Jahr 1897 im Vilayet Saloniki zehn und im Vilayet Monastiri fünf Schulen entstanden sein. Im Kosovo ist von 150 Schulen die Rede. Die Zahl der Schulen soll im Jahr 1907 gestiegen sein. 

Im Gegensatz zur rumänischen und serbischen Propaganda war die bulgarische und die griechische viel breiter angelegt. 

Bulgarien bemühte sich mit Hilfe des Exarchats ein “dichtes Netz von bulgarischen Schulen” zu bilden, und das Patriarchat wollte seine starke Position im Bildungswesen erhalten.

 De Jong vertritt die Meinung, dass Aussagen zum bulgarischen Bildungswesen nur mit ungefähren Angaben möglich seien. 

Bis 1902 sollen in Makedonien ungefähr 
800 bis 900 bulgarische Schulen eröffnet worden sein, die von 
35.00 Schülern besucht wurden, 
gleichzeitig existierten ungefähr 
1.000 griechische Schulen mit insgesamt
70.000 Schülern. 

Vergleicht man diese Angaben von de Jong mit den Angaben von Douglas Dakin, kommt man zu dem Schluss, dass die Anzahl der griechischen Schulen und Schüler sowie die Angaben zur Anzahl der bulgarischen Schüler stimmt, denn sei identisch.

Bei Dakin liegt jedoch die Zahl der bulgarischen Schulen im selben Jahr bei 592.

 In Angaben des Exarchats aus dem Jahr 1896, die Dakin in seine Arbeit miteinbezieht, ist die Rede von über 843 Schulen mit 65.000 Schülern, wobei die Zahl aber aufgerundet wurde.
Er vertritt jedoch die Meinung, dass diese Zahlen übertrieben sind und dass bis 1902 viele Schulen schlossen.

De Jong meint, dass die ethnischen demographischen Statistiken von Weigand (1892) und Kiinèov (1900)  ein “annäherndes Bild” der Bevölkerungszahlen Makedoniens zu diesem Zeitpunkt geben. Sie nimmt an, dass beide Werke zusammen, “eine[r]  Skizze der Realität um die Jahrhundertwende  am nächsten gekommen sein dürften”. 

Nach Weigands großzügig abgerundeten Daten soll die 
Gesamtbevölkerung Makedoniens

 2.275.000 Menschen betragen haben. 
Davon sollen 
1.200.000 Makedo-Slawen (57,75%), 
200.000 Griechen (9,67%),
 70.000 Aromunen (3,08%), 
90.000 Juden (3,95%), Türken und Albaner zusammengerechnet
 695.000 (30,55%) gewesen sein. 

In Kiinèovs Angaben bildeten die Bulgaren die größte Gruppe, 
der abgerundet 

1.181.000 (52,31%) Menschen angehörten, gefolgt von 
499.000 Türken  (22,11%),  
228.000  Griechen  (10,13%),  
128.000  Albaner  (5,70%),  
80.000 Aromunen/Walachen(3,58%), 
67.000 Juden (3,0%), 
54.000 Zigeunern (2,42%), 
700 Serben (0,03%) und 
16.000 (0,73%) Angehörige anderer Volksgruppen.

Jutta de Jong ersetzt die Bezeichnung “Bulgaren” durch Makedo-Slawen. 

Fikret Adanir beruft sich in seinem Buch auf andere Statistiken, die seiner Meinung nach den Aspekt der Sprache berücksichtigen. 

Eine der ersten Quellen war die  Frankfurter Zeitung vom 25. Februar 1903. 

Demnach  lebten in Makedonien

410.000 christliche und
46.000 mohammedanische Bulgaren, 
350.000 Albanesen, 
280.000 Türken, 
145.000 Griechen, 
120.000 Serben, 
95.000 Zinzaren (Walachen-F.A.) und 
40.000 spanische Juden. 

Zu diesen Angaben wird Folgendes kommentiert:
 “die Bulgaren bilden nicht einmal den dritten Theil der Bevölkerung.”

In der Geographischen Zeitschrift von 1904 vertrat K. Oestereich die Meinung, dass die Anzahl der 

christlichen Slawen 1.500.000, der 
mohammedanischen Slawen 500.000, der 
Griechen 200.000, der 
Albaner 300.000, der 
Walachen 100.000 und der Türken 
250.000 betragen haben soll.

Es fällt auf, dass die  Daten über den slawischen Bevölkerungsanteil widersprüchlich sind. 

Im ersten Fall beträgt der slawische Bevölkerungsanteil nicht mehr als 576.000, während er im zweiten Fall über 2.000.000 beträgt.

Über das wissenschaftliches Werk von V. Kiinèov berichtet Adanir, dass er eine Anzahl türkischer Bauern mitgerechnet habe, die in dem Gebiet zwischen Vardar und Struma und an der ägäischen Küste lebten. Diese wurden bis dahin nicht in die demographischen Angaben einbezogen. 

Die Daten werden ausführlicher dargestellt, da bei jeder ethnischen Gruppe die genaue Anzahl von Christen und Mohammedaner angegeben wird.

Mit dem Begriff  “Bulgaren” wurden alle Slawen bezeichnet, unabhängig davon ob sie nun dem bulgarischen Exarchat oder dem griechisch-orthodoxen Patriarchat unterstellt waren, oder sich zum Islam bekannten, [...], wobei anzumerken ist, dass entsprechend der damaligen bulgarisch-nationalen Gepflogenheit auch die Serben als Bulgaren aufgeführt wurden.”


Der “Makedonische Studentenverein” in St. Peterburg vertrat in einem Memorandum die Meinung, dass in Makedonien 

2.500.000 Menschen lebten. Davon seien 
1.200.000 Slawen,
700.000 Türken und 
600.000 Angehörige anderer Volksgruppen.

Nach Adanirs Meinung ist das sprachliche Kriterium für die Bestimmung der Bevölkerungszahl nicht hilfreich, denn damit könne kein reales Bild der Volksgruppen gezeichnet werden. 

Für ihn ist, im Gegensatz zu de Jongs Ansicht, die demographische Untersuchung, die das Osmanische Reich im Jahr 1904 in allen drei Vilayets amtlich durchführte, durchaus repräsentativ. 

Gemäß seiner Argumentation berücksichtigt diese amtliche Statistik den Begriff des osmanischen Millet. 

Dies bedeutet, dass sie sich auf die nationale Einheit konzentriert, “die sich auf Zugehörigkeit zu jeweils einer sozio-politisch relativ autonomen religiöskulturellen Gemeinschaft gründete”. 

Zwei Beispiele klären diese These auf. 

Im osmanischen Reich wurde “ein türkisch sprechender Makedonier nicht als Türke, sondern als Mohammedaner bzw. als osmanli, d.h als Untertan des osmanischen Sultans” bezeichnet. 

Auch die mohammedanischen Bulgaren (pomak) bezeichneten sich entweder als Mohammedaner oder als osmali, aber keineswegs als Angehörige der bulgarischen nationalen Gemeinschaft;
 sie wurden im Alltag der Nationalitätskämpfe in Makedonien von der bulgarisch-makedonischen Organisation dementsprechend als Gegner betrachtet.”1

Unter diesen Voraussetzungen betrachtet er die amtlichen Bevölkerungszahlen Makedoniens von 1904.

Nach diesen Angaben sollen 
die Mohammedaner 1.508.507, 
die Exarchisten(Bulgaren) 896.497, 
die Patriarchisten (Griechen) 307.000, 
die Serben 100.717 und 
die Vlachen/Aromunen 99.000 Angehörige gehabt haben.

 Diese Statistik gewinnt für Adanir an Bedeutung, da sie die Albaner und Serben, die in den nordwestlichen Bezirken des Vilayets Kosovo lebten, sowie die mohammedanischen Albaner in den westlichen Gegenden des Vilayets Monastiri mitgezählt haben, während europäische Ethnographen diese, als Bewohner außerhalb Makedoniens liegenden Gebiete, in der Regel nicht mit berücksichtigten. 

Außerdem liegt die Zahl der Exarchisten nahe an der von Exarchat aufgestellten Statistik, die nur von 817.000 Anhängern spricht. 

Diese Bevölkerungszahlen sind jedoch widersprüchlich zu anderen osmanischen Angaben. 

Douglas Dakin gibt in seinem Buch amtliche osmanische Daten von 1905 wieder, die sich aber nur auf die Anzahl der Patriarchisten und Exarchisten beziehen.  

Die Volkszählung wurde von Hilmi Pasha, der General-Inspektor in allen drei Vilayets war, durchgeführt. 

Nach diesen Angaben ist die Anzahl der Patriarchisten abgerundet größer als die von der Exarchisten, es handelt sich um 650.000 bzw. um 560.000 Gläubige.

 Der griechische Generalstab  benutzt wiederum offizielle Zahlen aus Dokumenten des griechischen Konsuls in Makedonien und behauptet, 
dass insgesamt in Makedonien aufgerundet 1.000.000 griechisch-orthodoxe und 
500.000 exarchistische Christen lebten

Bei der Bestimmung der Bevölkerung Makedoniens treten also erhebliche Schwierigkeiten auf.

 Die Angaben sind mit Vorsicht zu genießen. 

Es ist zu berücksichtigen, dass demographische Statistiken der damaligen Zeit nicht nach den heutigen wissenschaftlichen Standards und auch nicht neutral durchgeführt wurden. 

Die Ergebnisse beruhen meist auf fraglichen Hypothesen. 

Am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich die Bevölkerung Makedoniens 
in einem Nationsbildungsprozess. 

Da man noch nicht über bestimmte Nationalitäten sprechen kann, spricht man von ethnischen Gruppen. 

Für ihre spätere Selbstbestimmung spielten Abstammung, Sprache, Erziehung, Religion und Bildung ebenso wie die propagandistischen Einflüsse der Nachbarstaaten eine entscheidende Rolle. 

In der Historiographie ist die Einteilung der Slawen in Serben und Bulgaren einerseits und der Christen in Orthodoxe und Exarchisten andererseits sehr umstritten und dient oft als Mittel um nationale Vorurteile und Auseinandersetzungen am Leben zu halten.

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