Δευτέρα, 27 Φεβρουαρίου 2017

PHILIPP VON MAKEDONIEN UND DIE ERNEUTE FINDUNG DES GRIECHISCHEN KRIEGSWESENS.


Victor Davis Hanson

'DIE KRIEGE DER GRIECHISCHE ANTIKE'
BRANDENBURGISCHES VERLAGHAUS
Die Bilder und die Textformatierungen 
sind unsere Auswahl (Yauna),

 und nicht im Text enthalten.

Nichts“, 
so haderte der Redner Demosthenes mit seinem Publikum aus nachdenklichen Athenern des vierten Jahrhunderts, 
„wurde stärker revolutioniert und verbessert als die Kunst des Krieges. Ich weiß“, fuhr er fort, „dass in den alten Zeiten die Spartaner wie alle anderen auch im Sommer vier oder fünf Monate damit verbrachten mit Hopliten und Bürgerwehren in das Gebiet des Feindes einzudringen, es zu plündern und dann nach Hause zurückzukehren.
 Und sie waren so altmodisch - oder so gute Bürger -, dass sie niemals Geld einsetzten um sich einen Vorteil von irgendjemandem zu erkaufen, sondern ihr Kampf war fair und offen. 
Auf der anderen Seite ... hört man von Philipp.

Demosthenes meinte damit nicht, dass Phlipp tatsächlich eine neue Kampfpraxis geschaffen hätte.

Vielmehr, dass in dem veränderten Klima Griechenlands im vierten Jahrhundert der makedonische König und sein autokratisches Reich innovativer, wagemutiger und eher in der Lage waren die verschiedenen Lehren der neuen Kriegführung 
zu einem zusammenhängenden Ganzen zu verschmelzen.

 In nur einem Jahrhundert ging der Zusammenhang zwischen sozialem Status und Kriegsdienst fast völlig verloren.
Griechischer Reiter, 4 Jhr.
Aquarell von L. Vallet
.

In dem Maße, wie die alten Zensuskategorien aufgegeben wurden, die einst genau die Bedingungen des Militärdienstes festgelegt hatten,
konnten reiche, mittlere und arme Griechen Pferde reiten, Speere werfen oder die Lanze schwingen, entweder als angeheuerte Schlächter oder als zögerliche Bürgerwehrmänner.

Selbst Bauern wurden außerhalb der Saison als Ruderer beschäftigt, da ihre Klassenzugehörigkeit angesichts militärischer Nützlichkeit bedeutungslos wurde.

Patrouillen sowie Leichtbewaffnete arbeiteten von ländlichen Festungen und Garnisonen aus, aber solche Soldaten hatten weder soziale noch ökonomische Gemeinsamkeiten und kämpften selten in offener Feldschlacht.

Diese Veränderungen störten nur konservative Griechen der polis, die im Gegensatz zu Philipp noch immer der Vorstellung anhingen, dass der Militärdienst einen Massenzusammenstoß von Hopliten bedeutete und daher mehr war als das Töten des Feindes im Kampf.

Der Geschichtsschreiber und Philosoph Xenophon beschwerte sich zum Beispiel in seinem Werk Wege und Mittel darüber, dass in Athen die Hoplitenphalanx dadurch an Wertschätzung verlor, dass sie die in der Stadt ansässigen Fremden in ihre Reihen aufnahm.

„Der polis wäreauch geholfen“, riet er, „wenn Bürger selbst nebeneinander dienen würden und sich nicht mehr mit
Lydern, 
Phrygiern, 
Syrern und 
Barbaren aller Art 
vermischt fänden, die einen großen Teil unserer ansässigen fremden Bevölkerung bilden.“


Im Gegensatz dazu war für Philipp eine solche bunt zusammengewürfelte Menge -
„Vagabunden, aller Mittel beraubt, in Felle gekleidet“, bemerkten Zeitgenossen über seine Rekruten - weder wünschenswert noch abstoßend, sondern nur nützlich in dem Maße, wie solche Männer erfolgreich marschieren, kämpfen, töten und Befehlen zu gehorchen lernen konnten.

Zahlen und Fertigkeiten - nicht Dialekt, Rasse, Geld, Status, Klasse oder Geburt - waren für Philipp wichtig.
Von allen Generälen der griechischen Welt war der König in seiner Politik der militärischen Rekrutierung am demokratischsten, da ihm der soziale und kulturelle Snobismus des alten Stadtstaates völlig fehlten.

Wer in Griechenland würde das ganze Jahr über Berufssoldaten mit regulärem Sold unterhalten, eine dauerhafte Infrastrukur schaffen, die ausreichte um Rüstkammern mit Personal zu besetzen, Stolz und Metall für Militärwerke aufzutreibenund Ingenieure, Handwerker und Architekten zu bezahlen, damit sie Befestigugen und Belagerungsmaschinen bauten?

 Nicht viele und nicht für lange Zeit.
Diese militärische Präsenz an allen Schauplätzen im Mittelmeerraum über das ganze Jahr hinweg sorgte dafür, dass Handel, Landwirtschaft und Ruhe auf dem Land die lebenswichtigen Quellen für Militäreinnahmen in Griechenland - dauerhaft gestört wurden.
 Viele griechische poleis befanden sich daher in einem Dilemma: Sie konnten weder Provokationen und die ungezügelte Plünderung ihres Territoriums aushalten, noch sich ein stehendes Heer leisten um die Ruhe zu sichern.

Philipp II
Philipps Lösung bestand darin eine Berufsarmee aus Raubgierigen aufzustellen, deren dauernde militärischen Aktionen die Kosten ihres eigenen Unterhalts einbrachten - seine Soldaten waren durch Gewaltmärsche von 56 km pro Tag ohne Diener oder Versorgungswagen trainiert.

Bei den engstirnigen Griechen war das Verhältnis von Staat und Armee noch ganz anders, wenn sie darüber nachdachten, wie ihre Institutionen vor einer Reihe neuer Gegner zu schützen wären.

Doch für Philipp existierte kein solches Dilemma: 

Der Staat war für ihn ein Zubehör der Armee und wurde so organisiert, dass er Arbeitskraft, Arbeit und Kapital lieferte um die makedonische Phalanx zur Expansion nach Süden zu ermöglichen.


Selbst die alten Einschränkungen in Bezug auf Zeit und Raum in der Kriegführung gab es jetzt nicht mehr, da Philipps gekaufte Schlächter das ganze Jahr über kämpften, ohne Rücksicht auf Gelände, Wetter oder Entfernung.

Um Philipp aufzuhalten hatten die Griechen nur drei realistische Möglichkeiten: 
zu kapitulieren, 
sich ihm anzuschließen 
oder ihn in einem solchen Maße nachzuahmen
dass ihre Kultur nicht mehr im Geringsten die des Stadtstaates war. 

Typischerweise entschieden sie sich für keine dieser Möglichkeiten, sondern sprachen stattdessen großartig von einem - utopischen - panhellenischen Bund, der eine riesige Streitmacht aus Schiffen und Hopliten für den entscheidenden Kampf zwischen Gut und Böse aufstellen würde - ein griechisches Bündnis wie während der Perserkriege, wieder zum Leben erweckt um noch einmal die Barbaren aus dem Norden zu zerschmettern. 

Zum Unglück der griechischen Stadtstaaten war der kriegserfahrene Philipp kein Xerxes, waren die brutalen makedonischen Pikeniere keine Unsterblichen und der beste Verteidiger von allen, Demosthenes, war mit Sicherheit kein Themistokles.

Dreißigtausend Phalangiten waren weitaus gefährlicher für die griechische Freiheit als eine halbe Million Perser. 

Als die anachronistische Vorstellung der Griechen von einem dramatischen letzten Widerstand der Hopliten schließlich verwirklicht wurde, ging der Traum von einem neuen Platää als Alptraum von Chaironeia zu Ende.

Tatsächlich kämpften die meisten Hoplitenmilizen nach der Schlacht von Mantineia (362) selten in entscheidenden offenen Feldschlachten.
Selbst Jahrzehnte zuvor wurden festgelegte Schlachtenszenen häufig durch die Prahlerei und den Wagemut von Söldnerkapitänen und umherziehenden condotierri ersetzt, Seeräubern, die dem militärischen Protokoll der alten griechischen polis nicht in allem folgten.

Stadtstaaten waren nicht abgeneigt Gewaltverbrecher und Abenteurer wie Iphikrates, Chabrias und Chares anzuheuern, deren neue Peltasten versuchten Feinde des Staates zu plündern und zu schikanieren, statt deren Infanterie in der Schlacht zu begegnen.

(Peltasten waren leicht bewaffnete Plänkler, die so genannt wurden wegen der kleinen halbmondförmigen Weidenruten- oder Lederschilde, peltai, die sie trugen. Sie waren mit Speeren oder kurzen Lanzen und, wenn überhaupt, mit wenig Körperrüstung ausgestattet.)

Solche Banditen konnten Tempel plündern, Stadtschätze stehlen, die Reichen berauben oder Geld fälschen um ihre Truppen zu ernähren und bei guter Laune zu halten.

Was zählte, war militärische Gerissenheit, nicht Mut allein.
Und wenn sie auf Hopliten trafen, dann störten sie und wendeten Manöver an, suchten nicht den direkten Zusammenprall. Auf diese Weise hatte der athenische Iphikrates 390 bei Korinth eine Kompanie spartanischer Gleicher ausgelöscht, wobei 250 Mann getötet wurden.

Die Hauptbeteiligten - Athen, Sparta, Theben, Argos, Korinth, Thessalien und Sizilien - setzten mit Bündnis, Gegenbündnis, List und Komplott alle ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte ein um für die erste Hälfte des vierten Jahrhunderts annäherungsweise ein ermüdendes Machtgleichgewicht aufrechtzuerhalten, während sie ständig die neue Bedrohung aus Makedonien im Norden aufmerksam beobachteten.

Auch die Feldherrenkunst (stratêgia) im Infanteriekampf änderte sich.
Unter den Stadtstaaten des sechsten und fünften Jahrhunderts kämpften alle Kommandeure in den Frontlinien oder in ihrer Nähe und ließen oft ihr Leben zusammen mit ihren Mannschaften. Ihre einzige Pflicht bestand darin in der halben Stunde des Zusammenprallens und Schiebens der Hoplitenschlacht die Gefahr sichtbar herauszufordern. Im späten vierten Jahrhundert sollte es ein solches Heldentum der Kommandeure ebenfalls geben:
Alexander und Philipp wurden beide in der Schlacht schwer verwundet.

 Doch makedonische Kommandeure waren nun beritten und vorn von ausgewählten Soldaten umringt, so dass sie noch besser komplizierte Befehle mittels Trompete  
oder durch einen persönlichen Boten geben konnten um Rückzüge, Täuschungsmanöver oder Mobilisierung von Reservekontingenten anzuordnen.

Keiner beherrschte die neuen Befehlsmöglichkeiten besser als Philipp II. von Makedonien. 

Der Geschichtsschreiber Theopompos schrieb, 
dass Europa nie zuvor einen solchen Mann hervorgebracht hatte. 

Dies war schließlich ein General, der seinen Gegner, den Phoker Onamarchos, kreuzigte, nachdem er in der Schlacht gefallen war, und sich nichts daraus machte, 3000 der besiegten Soldaten des Letzteren zu binden und lebendigen Leibes ins Meer zu stürzen.

 Und so Furcht erregend, als hinkender einäugiger Unhold in der konservativen Literatur des vierten Jahrhunderts der griechischen polis dargestellt („so sehr liebt er die Gefahr, dass er, um sein Reich zu vergrößern, an jedem Teil seines Körpers verwundet wurde, als er gegen seine Feinde kämpfte“), als ein schrecklicher Mann, der jederzeit und auf jedwede Weise kämpfen würde.

Seine makedonische Armee war für griechische Verhältnisse groß, da sie aus dem Menschenpotenzial einer riesigen und jetzt vereinigten Region schöpfen konnte, das durch Söldner, sowohl griechische als auch gelegentlich fremde, verstärkt wurde.

 Über 30 000 waren allein bei Chaironeia (338) zugegen, eine Streitmacht, deren Zahl die Infanterieressourcen jeder polis überschritt.
Die Größe des makedonischen Heeres sicherte ihm zahlenmäßige Überlegenheit über jeden griechischen Stadtstaat und Philipp war überzeugt davon einzelne Staatsmänner in Argos, Theben, Korinth, Thessalien oder der Peloponnes bestechen, umschmeicheln oder bedrohen zu können, jede dauerhafte Koalition so zu verhindern und damit auch Mannschaften, die seinen Kompanien an Stärke hätten gleichkommen können.

Da der alte Peloponnesische Bund längst dahin war, das athenische Reich nur eine schwache Erinnerung und die thebanische Hegemonie zum Absterben verurteilt, gab es keinen funktionierenden Mechanismus, der Material und Menschen für eine gewisse Dauer beziehungsweise an einem bestimmten Ort hätte zusammenbringen und zwingen können in dieser Art des Krieges wirksam Widerstand zu leisten.

Philipps Streitkräfte waren auch schnell und bewegten sich leicht fort, wie das bei bezahlten Söldnern häufig der Fall ist. Ohne lange Belagerungstrosse oder Diener konnte die makedonische Armee in weniger als einer Woche fast überall auf dem griechischen Festland auftauchen - eine Tatsache, die jedem bekannt war, der die übliche langwierige Diskussion über „Vorbereitungen“ zur Verteidigung forderte. Und bei Philipp war eine Belagerung keine Sache von Monaten oder gar Jahren mehr-wie sie die Athener bei Samos (440) und auf Sizilien (415-413) und bei Platää (431-429) erlebt hatten, sondern nur noch von Wochen. Seine Spezialisten führten zum Beispiel eine Belagerung von Amphipolis durch, die weniger als siebzig Tage dauerte; Methone, das thrakische Chalkidike und Pagasai fielen sogar noch schneller.

Die Ausrüstung und Taktik seiner makedonischen Phalanx unterschieden sich wahrscheinlich nicht allzu stark von den traditionellen Hoplitenkolonnen der im Vergleich zum traditionellen Hopliten einen Reichweitevorteil von 2,4 bis 3 m gab.

 Der runde Schild wurde kleiner und hing von Hals oder Schulter, während Beinschienen, die meisten Brustpanzer und schwerer Kopfschutz entweder durch Leder oder durch kombinierte Materialien ersetzt oder ganz weggelassen wurden. Hinzu kam, dass die ersten Reihen von drei auf vier bis fünf erweitert wurden, wodurch die Zahl der Lanzenspitzen in der Todeszone um 40 % zunahm - eine solche igelartige Front bedeutete einen ungewöhnlichen Grad offensiver Gewalt und bot zugleich Schutz für die ersten Reihen ohne Rüstung.

Im Allgemeinen war die makedonische Bewaffnung einheitlicher als die alten unterschiedlichen und in Privatbesitz befindlichen Hoplitenrüstungen.

 Die Makedonier hatten einheitliche Schilde und Piken und in einzelnen Mannschaften trug man die gleichen Umhänge und Schilde mit gleichen Verzierungen. 

All dies deutete auf einen ungewöhnlichen Grad der Militarisierung hin. Der Staat heuerte die Phalangiten an, rüstete sie aus, im Grunde wurden sie zu seinem Eigentum.

Diese Phalanx entschlossener professioneller „Fuß-Begleiter“ (pezetairoi) kämpfte in Abstimmung mit der „Begleit-Kavallerie“ (hetairoi), einer Elitegruppe adliger Reiter, schwer gerüstet (Helm, Brustpanzer, Schulterschützer) mit Piken, auf starken Reittieren.

 Diese Reiter waren keine protzigen Grandes, sondern unabhängige, zähe makedonische Herren, deren eigener Wunsch es war in die Fußtruppen hinein anzugreifen und sie nicht zu umkreisen.

 Daher schlugen makedonische Reiter in rhombischer oder keilförmiger Formation zusammen mit leichter gekleideter thesalischer Kavallerie - wie „ein Trupp Kraniche“ - Löcher in die Schlachtlinie des Feindes. 

Ein anderes Infanteriekontingent mit besserer Rüstung und kürzeren Piken, die „Schildschläger“ (hypaspistai), besetzte ebenfalls das Zentrum der makedonischen Linie, neben den Phalangiten.

 Die Hypaspisten waren normalerweise die ersten Kräfte der Infanterie, die dem Ansturm der Kavallerie folgten, wodurch sie eine wichtige Verbindung zwischen dem ersten berittenen Angriff und dem folgenden Nachsetzen der Phalanx selbst bildeten. Berufskorps aus leichter Infanterie, Schleu- derern, Bogenschützen und Speerwerfern rundeten die zusammengesetzte Heeresgruppe ab und stellten auch eine wichtige Reserveunterstützung dar.

 Und obwohl all diese Männer Söldner waren und im Dienst eines autokratischen Staates standen, gab es ein ungewöhnliches Maß an élan und esprit de corps zwischen Prinzen und den einfachen makedonischen Soldaten, da üblicherweise die Kämpfer mit ihren königlichen Vorgesetzten tranken, aßen, kämpften und Ball spielten.

Der alte zivile Egalitarismus der Phalanx wandelte sich zu einer Art brutaler Kameraderie, die selbst für Berufssoldaten, die in Kolonnen und Masse kämpften, charakteristisch war.

So spielte der entscheidende Kampf en masse in der westlichen Vorstellung wieder eine zentrale Rolle, doch Philipp führte den Schrecken solcher Zusammenstöße zu neuen Höhen - eine normale Erfahrung für seine makedonischen Mannschaften, die den Griechen der polis als Gewaltverbrecher bekannt waren;

in Demosthenes’ Worten waren sie kaum mehr als Rohlinge, „die immer ihre Hände an Waffen hatten“.

Tatsächlich war Philipps Phalanx echter Pikeniere, integriert in und geschützt durch unterschiedliche leicht bewaffnete und berittene Kräfte, tödlicher und beweglicher als traditionelle Hoplitenkolonnen. 

Die makedonischen Phalangiten konnten ihre Aufmerksamkeit ausschließlich darauf richten ihre schrecklichen Lanzen zu stoßen - ohne das lästige Gewicht der alten Hoplitenrüstung und ohne die Notwendigkeit mit einem riesigen Schild den rechts unmittelbar neben ihnen stehenden Bürger zu schützen.

Offensive, Piken und Bewegung nach vorn bedeuteten nun alles, Verteidigung, große Schilde und Sorge um den Schutz angeheuerter Schlächter dagegen wenig.

 Mit größerer Präzision und Kraft eingesetzt führte die neue makedonische Phalanx für gewöhnlich einen Stoß aus, der den Gegner ausschaltete, wenn das Ziel einmal ausgemacht und dann durch das Werk der Kavallerie und der Hilfskontingente angreifbar gemacht worden war. Wie ein Hammer schlugen die makedonischen Kavallerieattacken den Feind zurück auf den schwerfälligen kilometerlangen Amboss der lanzenstarrenden Phalanx.
Nike von Samothrake
Nike, die Göttin des Sieges,
erschien fast überall in der griechischen Kunst - auf Vasen, als Statue und Säulenskulptur,
in Bronzerüstungen eingraviert und auf Münzen geprägt - und ist ein Hinweis darauf,
dass die Griechen fast ständig Kriege führten und glaubten ohne Anwesenheit einer Gottheit nicht siegen zu können.
Für gewöhnlich wird sie mit fließenden Gewändern, zwei bis vier Flügeln und oft mit Schild und Lanze dargestellt. Da in traditionellen griechischen Schlachten die Sieger selten viele Verluste hatten (weniger als 5 Prozent ihrer ursprünglichen Mannschaftsstärke) und gegen die Perser fast überhaupt keine
(wie die wenigen hundert Gefallenen bei Marathon, Platää, und Alexanders Siege bezeugen),
wurde Nike als schöne junge Frau gesehen, deren plötzliches Erscheinen auf der Seite der gläubigen Armee ihr Leben, Reichtum und Ehre brachte.


Noch wichtiger war jedoch, dass Philipp eine völlig neue Schlachtideologie in die westliche Kriegführung einbrachte.

 Zwar schloss der damalige wüste Kampf den frontalen Angriff ein und war damit immer noch ebenso heldenhaft wie bei den alten griechischen Phalangen der Vergangenheit.
Doch um einen Krieg zu führen brauchte es jetzt weit mehr als persönlichen Mut,-Nerven und Kraft.

Auch ging es beim Töten der Makedonier nicht nur um Territorialgrenzen.

Vielmehr war die Kampfstrategie vorwiegend als Instrument ambitionierter Staatspolitik angelegt. 

Philipps zerstörerische Eroberungen und Annektierungen waren eine grundlegende Quelle sozialer Unuhe und kultureller Erhebung, keine konservative griechische Bestrebung zur Erhaltung der bestehenden agrarischen Gemeinschaft.

Philipps territoriale Ambitionen richteten sich nicht auf ein paar Hektar Land außerhalb der polis, sondern, einer großen Vision folgend, auf Bergwerke, Häfen und Tribut zahlende Gemeinden, die ihm gehören könnten einzig um seine räuberische Armee anzutreiben.

Bei Chaironeia (338) brachen Philipp und sein 18-jähriger Sohn Alexander die Phalanx der Thebaner und Athener und ließen Demosthenes über die Hügel zurück nach Athen eilen. 

Griechische verbündete Plänkler, Männer mit Fernwaffen, Reiter und Fußvolk hätten in einem verlängerten Zermürbungs- und Verzögerungskrieg besser eingesetzt werden können, indem sie Pässe in Garnison legten und den makedonischen Marsch in Richtung Süden nach Griechenland hinein aus dem Hinterhalt überfielen.

Stattdessen hatten die Griechen im letzten Moment ihrer Autonomie eine riesige protzige Streitmacht von fast 30 000 Hopliten alten Stils aufgestellt - genau die falsche Art Heer um Philipps Moloch zu stoppen.

 Vorhersehbar und zum Unglück der Griechen wurden alle Elemente der taktischen Renaissance der Makedonier in der Schlacht angewendet: ein vorgetäuschter Rückzug und dann plötzlicher Angriff durch disziplinierte Phalangiten mit langen Piken, Reservekontingente in Bereitschaft um im geeigneten Moment loszuschlagen, abgestimmter Einsatz von schwerer Kavallerie um Lücken in der griechischen Linie auszunutzen und blitzschnelle Verfolgung um die Besiegten zu vernichten.
Gegen Philipps trainierte Schlächter hatten die reaktionären Bürgersoldaten der polis kaum eine Chance.

Die verschiedenen verbündeten Kontingente, die von Thebanern und Athenern geführt wurden, hatten keinen übergreifenden taktischen Plan;
anstelle richtiger Generäle wurden sie von unfähigen politischen Vertretern der alten Schule angeführt;
 und sie hatten überhaupt keine Ahnung von den tödlichen Mitteln der makedonischen Phalanx, die man in Zentralgriechenland bisher noch nicht in offener Feldschlacht erlebt hatte.

 Die makedonischen Pikeniere zogen sich im Rückwärtsgang zurück und hofften einen wilden Ansturm der unerfarenen athenischen Hopliten auf sich zu ziehen.

Als dieser erfolgte, hielten Philipps Berufssoldaten wie auf ein Stichwort an, senkten ihre Piken und spießten die wild heraneilenden Athener einfach auf.

Deren vertrottelter Kommandeur Stratokies rief immer noch „Auf nach Makedonien“, als er seine Männer in den Tod führte. 

Alexander ritt sodann in die entstehenden Lücken in der griechischen Linie, umzingelte die Thebaner und trieb sie von hinten zu den übrigen makedonischen Phalangiten.

Die Heilige Schar der Thebaner blieb natürlich auf der rechten Seite und wurde bis auf den letzten Mann getötet. 

Sie sollten unter dem stolzen Steinlöwen begraben werden, der noch heute an der modernen Hauptstraße steht und die Griechen daran erinnert, dass ein Tier aus Sandstein über ihren Leichen so ungefähr alles war, was tapfere Hopliten von Philipp einfordern konnten.

Mit der hoplitischen Art zu kämpfen war es nun in Griechenland für immer vorbei.

Das hellenische Kriegswesen sollte für die nächsten zwei Jahrhunderte fast völlig von Makedonien inspiriert werden, im Hinblick sowohl auf Taktik als auch auf Militärtechnik.

Aus den in Jahrhunderten gesammelten Erfahrungen der Schlachten von Marathon (490), Platää (479) und Kunaxa (401), des heldenhaften Rückzugs der griechischen Söldner, des Zugs der Zehntausend (401) und aus den spartanischen Erfahrungen in Kleinasien (390-er Jahre) wussten die Griechen, dass die Perser verletzbar waren.

 Einheimische hellenische Infanterie hatte kaum Schwierigkeiten, jedes Infanteriekorps aufzubrechen, das die Perser ins Feld brachten.
(Ironischerweise war damals die Hauptsorge einer griechischen Expeditionsarmee im Osten, dass sie auf die allgegenwärtigen von den Persern gekauften Söldner aus ihrem eigenen Land treffen könnten.)

Eroberung im Osten hatte also seit Generationen in den Köpfen vieler griechischer Denker eine Rolle gespielt.

 Der gewaltige Reichtum des Persischen Reiches war für griechische Politiker besonders verlockend angesichts ihrer eigenen zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der vorausschreitenden Unterminierung imperialer Herrschaft auf der anderen Seite der Ägäis in Asien.

Doch das Problem hatte für jeden künftigen griechischen Eroberer Persiens darin bestanden die alte Vorstellung einer Hoplitenmiliz aufzugeben und an ihre Stelle ein logistisches System und eine loyale, vereinigte Armee aus allen griechischen Stadtstaaten zu setzen, eine soziale und militärische Mischung, die über die großen Entfernungen nach Osten hin versorgt werden konnte, während sie sich einer Vielfalt feindlicher Truppen auf jeglichem Gelände entgegenstellte.

 Kurz vor genau einer solchen Expedition wurde Philipp im Herbst 336 ermordet und sein Heer übernahm sein grüblerischer und meist unausgeglichener Sohn, dessen Vorstellungen von den letztendlichen Zielen der Militärkunst sich völlig von denen seines Vaters unterschieden.

Mit der Übernahme der Hegemonie über Griechenland war Philipp von Makedonien weit über die kühnen Reichsvorstellungen eines Dareios, Xerxes oder Perikies hinaus erfolgreich. 

 Als militärischer Neuerer, dessen bösartige Genialität durch den Größenwahnsinn seines Sohns überschattet wurde, eroberte Philipp Griechenland, weil er eine großartige Armee hatte und eine Propaganda betrieb, deren Zeit gekommen war und die sich auf die lange aufgeschobene Bestrafung und Plünderung Persiens richtete, sowie ein völlig zynisches Verständnis der griechischen Stadtstaaten.

Er bemerkte einmal, dass sich jede griechische Festung, der man sich mit einem mit Goldmünzen beladenen Esel nähern konnte, auch stürme lasse. 

Er hatte für gewöhnlich Recht.
Die Führer der polis, das spürte Philipp, machten sich zwar für die harte, langwierige Aufgabe der Vereinigung gegen den Unhold aus dem Norden zurecht, die meisten hätten jedoch insgeheim lieber den leichteren Weg einer ausgehandelten Kapitulation gewählt.

Die letzliche Ironie?

Nachdem sie eine technische und taktische Revolution ausgelöst hatten, welche die Natur der westlichen Kriegführung änderte, verließen die Griechen der polis bei Chaironeia in einem schicksalhaften Augenblick abrupt eine Zeit der Innovation und setzten ihr Vertrauen ein letztes Mal in die glorreichen und dem Untergang geweihten Hopliten, während der wahre Schüler der griechischen militärischen Renaissance sie niedermähte, da er die Früchte ihres Erfindungsgeistes systematisch geerntet hatte.

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