Τρίτη, 15 Μαρτίου 2016

Die makedonischen Sprache in der Antike.

Antikes Makedonien. Schrift Tafel aus Palatiano Kilkis-Makedonien
Η επιγραφή του Παλατιανού - Κιλκίς
Georgios K. Giannakis
Universität Ionnina
 Die Bilder und die Textformatierungen 
sind unsere Auswahl (Yauna),
 und nicht im Text enthalten.



Die Eigenart der makedonischen Sprache in der Antike und ihr Verhältnis zum Griechischen war seit altersher Gegenstand von Diskussionen, die sich bisweilen in stark aufgeladener Atmosphäre und ohne streng wissenschaftliches Rüstzeug abspielten; gewöhnlich jedoch fand der Dialog auf der Grundlage wissenschaftlicher Kriterien statt.

Es sind zwei Grundthesen, um die herum sich die Wissenschaftler beim vorliegenden Thema bewegen.

Eine Gruppe von Sprachwissenschaftlern und Philologen vertrat die Meinung,
das Makedonische stelle eine unabhängige indogermanische Sprache dar
 (z.B. O. Müller, G. Meyer, M. Vasmer u.a.), während eine zweite Gruppe von Sprachwissenschaftlern und Spezialisten dafür eintrat, das Makedonische sei ein altgriechischer Dialekt (z.B. G. N. Hatzidakis, O. Hoffmann u.a.).

In den letzten zwanzig oder dreißig Jahren hat sich um dieses Thema im Rahmen der zweiten oben genannten Spezialistengruppe eine Forschungsaktivität entwickelt, nach der das Makedonische einen altgriechischen Dialekt darstellt, der viele Ähnlichkeiten mit den nordwestlichen griechischen Dialekten aufweist, speziell mit dem dorischen. 




Grundlegendes Nachteil bei der Erforschung der Sprache der alten Makedonen war und ist noch immer das spärliche Material, das aus ungefähr 150 Glossen und um die 200 Eigennamen besteht (Personennamen und Ortsnamen) sowie ein Corpus von Inschriften, die in der attischen Koiné abgefasst sind, aber auch Elemente und Einflüsse der mündlichen Sprache des antiken Makedonisch bewahren, und schließlich viele Zitate antiker Schriftsteller.

 Der Fortschritt der historischen Sprachwissenschaft und der Dialektkunde der griechischen Sprache hat in den letzten Jahrzehnten bedeutend zu einer besseren und vollständigeren Annäherung an die Sprache des antiken Makedoniens beigetragen.

 In diese Richtung haben auch die Funde beigesteuert, die von der archäologischen Forschung ans Licht gebracht wurden und deren Interpretation einen fachübergreifenden Blick auf die Bewältigung des ganzen Themas wirft und so auch bei der Interpretation der sprachlichen Gegebenheiten hilft.

Die vier in diesem Band enthaltenen Texte stellen das konzentrierte Wissen von vier Spezialisten für die Erforschung des antiken Makedoniens dar und folgen einer fachübergreifenden
Annäherung, wie es die Natur des Forschungsgegenstandes erfordert.

Der erste Text konzentriert sich auf Themen, 
die die Geschichte Makedoniens betreffen vom Beginn der historischen Zeit bis zur hellenistischen Periode, 
der zweite beschäftigt sich mit der archäologischen Sachlage, im darauf folgenden werden die philologischen Zeugnisse des antiken Makedoniens diskutiert, während im letzten eine systematische Diskussion über linguistische Gegebenheiten geführt wird.

Gemeinsamer Nenner, der als verbindendes Element der vier Arbeiten wirkt, ist die objektive Untersuchung der betreffenden Themen durch vier exzellente Kenner
der Sprache, der Geschichte und der archäologischen Situation des antiken Makedoniens. 

Im Zentrum des Bandes steht die Stellung des Makedonischen innerhalb des Altgriechischen und zwar speziell als Mitglied der Dialektgeographie des Altgriechischen;
 dabei helfen die Zeugnisse aus den Nachbarwissenschaften:
 der Philologie, der Geschichte und der Archäologie.

In Professor Zahrnts Untersuchung wird ein Überblick über die historischen Bedingungen gegeben, die zum Aufstieg Makedoniens als Führungsmacht beitrugen, besonders unter Perdikkas, Philipp und Alexander.

Es wird ein historischer Rückblick von den Anfängen des makedonischen Reiches anhand der ersten Zeugnisse der antiken Historiker, besonders Herodots und Thukydides, vorgenommen.

Diese beiden Historiker waren zeitlich den von ihnen beschriebenen Ereignissen nicht sehr fern und dank ihrer Reisen mit den Verhältnissen und Geschehnissen in dieser Gegend recht gut vertraut. 

Außerdem gibt es in ihren Werken Exkurse über die ältere Geschichte Makedoniens:
bei Herodot (8.137ff.) über die Gründung des makedonischen Königreiches 
und bei Thukydides (2.99) über seine Entwicklung bis zu den Perserkriegen. 

Herodot und Thukydides untersuchen die makedonische Frühgeschichte anlässlich der Beschreibung von Ereignissen der griechischen Geschichte, da diese Begebenheiten in den beiden Gegenden, wie sie glaubten, miteinander in Verbindung standen.

Zahrnt untersucht die Erweiterungen des makedonischen Reiches und seine Beziehungen sowohl zu den Nachbarvölkern wie auch den Athenern besonders während des Peloponnesischen Krieges.

Die Studie schließt mit dem Versuch Philipps, die Griechen zu einigen, um gemeinsam gegen die Perser vorgehen zu können, wie es auf dem Kongress von Korinth 337 v.Chr. beschlossen worden war, ebenso wie die Übernahme der Führung Makedoniens durch seinen Sohn Alexander, der schließlich die Pläne seines Vaters zur Bestrafung der Perser, des Erbfeinds der Griechen, verwirklichen sollte.

Diese Untersuchung gibt uns die allgemeinen historischen Konturen des Auftauchens, der Entwicklung und des Aufstiegs Makedoniens zur antiken Weltmacht sowie den Rahmen, in dem die folgenden Studien des Bandes gesehen werden müssen.

Arthur Muller untersucht die archäologischen Gegebenheiten, die ein Bild abgeben, das jenem der anderen griechischen Gegenden ähnelt:
bei der Organisation der Städte, bei den Tempeln und Heiligtümern, der Einstellung gegenüber den Toten und den entsprechenden Anschauungen. 

Dass sich in Makedonien die Königsherrschaft außerordentlich lange hielt, gibt dem Forscher die Gelegenheit, mit konkreten Daten die Organisation des makedonischen Königreichs zu ermitteln, aber auch zugleich die Hypothesen zu dieser Institution im prähistorischen Griechenland zu unterbauen. 

Wie Arthur Muller es bezeichnenderweise ausdrückt:

„Von diesem notwendigerweise unvollkommenen Überblick nehmen wir gleichzeitig das Gefühl der Vertrautheit, der Verschiedenheit und der Originalität der makedonischen Denkmäler mit“.

Mit dem Begriff „Vertrautheit“ bezieht er sich auf die Tatsache, dass alle diesbezüglichen Elemente griechisch sind, was die Formen und die Manifestationen angeht,

„vom Städtebau und dem Haus, den Heiligtümern und den Gräbern bis zur materiellen Produktion überhaupt- wie auch in den Sitten, der Lebensart und den Auffassungen, die mit diesen Denkmälern in Verbindung gebracht werden können, den religiösen Praktiken und Beerdigungsbräuchen finden wir grundlegende Elemente der griechischen Kultur wieder, welche die klassische Archäologie schon seit Langem ans Licht gebracht hat, was die Welt der Stadtstaaten angeht“.

Das Element der „Verschiedenheit“ bezieht sich nach Arthur Muller auf die Tatsache, dass in Makedonien auch Elemente begegnen, die im Griechenland der Stadtstaaten völlig unbekannt sind:
Antikes Makedonien; Palast in Pella 

die Paläste, die monumentalen Grabanlagen und die höfische Kunst, Elemente, die mit der Institution der Monarchie verbunden sind, welche das übrige Griechenland schon ziemlich früh hinter sich gelassen hatte. 

Trotzdem aber „lässt sich diese Verschiedenheit immer in eine Sprache mit ausschließlich griechischen Typen übersetzen, die von einer erstaunlichen Kohärenz charakterisiert ist, da die Architektur der Fassaden bei den Palästen und makedonischen Gräbern im Wesentlichen gleich ist, ebenso wie der Dekor der Wände in den Palästen, den aristokratischen Häusern und monumentalen Grabanlagen“.

Was endlich das Element der „Originalität“ angeht, meint Arthur Muller, dass das Makedonien des 4. Jh.s
 nicht einfach Typen und Vorbilder von den anderen griechischen Stadtstaaten übernahm
sondern auf den meisten Gebieten entscheidend auch zu ihrer Weiterentwicklung zu neuen Formen und Rhythmen beitrug.

Die letzten Forschungen weisen nach, dass Makedonien Merkmale bietet, die früher anderen Zentren der antiken Welt zugeschrieben wurden -wie z. B. die Errichtung großer terrassenförmig angelegter Baukomplexe, die großen von Säulen umgebenen Räume, die miteinander verbundenen Architekturtypen, der Baustil beim Dekor der Häuser und der bildhafte Stil bei den Mosaiken.

In bestimmten Fällen, wie in der Großmalerei, ist Makedonien außerdem das einzige Gebiet, wo diese Formen erhalten sind. Muller schließt seine Untersuchung mit der Überzeugung, dass die Forschungen in der Zukunft den bedeutenden Rang bestätigen werden, den Makedonien bei der Erforschung der griechischen Kultur einnehmen sollte.

Diese Befunde von Prof. Arthur Muller erhalten besonderes Gewicht in Verbindung mit der Interpretation der linguistischen Daten in den beiden folgenden Untersuchungen des Bandes und bestärken die Ansicht, dass, wie es auch bei den archäologischen Funden der Fall ist, so auch das Makedonische eng mit der griechischen Sprache als einer ihrer Dialekte verbunden ist.

Die beiden folgenden Studien beschäftigen sich mit der Sprache des antiken Makedoniens.

 Emilio Crespo präsentiert innerhalb eines linguistisch-philologischen Rahmens die sprachliche Lage im antiken Makedonien und zieht den Schluss, dass das Makedonische einen altgriechischen Dialekt darstellt, der eher mit den nordwestlichen griechischen Dialekten in Verbindung steht, was jenseits aller Zweifel in der folgenden Studie von Julian Méndez Dosuna belegt werden kann.

Im Einzelnen: In der Untersuchung von Prof. Emilio Crespo wird eine allgemeine Einschätzung der Sprachen und Dialekte vorgenommen, die direkt oder indirekt im antiken Königreich Makedonien auf geschriebenen Dokumenten bezeugt sind, die ins 5. und 4. Jh. v.Chr. datiert werden.

Dem Autor zufolge zeigt der sprachliche Zustand, der sich aus dem Studium der Zeugnisse ergibt, die in dem geographischen vielgestaltigen, aber politisch einheitlichen Gebiet Makedoniens gefunden wurden, ein sprachliches Mosaik aus lokalen griechischen Dialekten und wahrscheinlich mindestens einer anderen indogermanischen Sprache.

Crespo bezeichnet diese indogermanische Sprache als „linguistisches Adstrat“, das nur von Glossen in griechischen Texten bezeugt ist, sowie von zwei oder drei phonetischen Merkmalen, die eher aufs Phrygische und Thrakische verweisen. Wahrscheinlich wurden auch andere Sprachen benutzt -wie das Illyrische-, die sich aber weder in Texten erhalten haben noch von antiken Autoren zitiert werden.

Schließlich verweisen gewisse Personennamen fremder Herkunft, die in Texten griechischer Autoren erscheinen, auf Sprecher des Phrygischen, Thrakischen und Illyrischen.

Die unbekannte indogermanische Sprache, so glaubt Crespo, lebte allem Anschein nach noch in der Zeit der ersten geschriebenen Texte des 5. Jh.s v.Chr.; wir dürfen annehmen, dass sie sich wenigstens so lange gehalten hat, wie ihre Interferenzspuren in der Aussprache des Griechischen in griechischen Texten aufspürbar sind.

Andererseits wurden die lokalen griechischen Dialekte, die in den ins makedonische Reich eingegliederten Stadtstaaten verwendet wurden, im geschriebenen Wort allmählich von der attisch-ionischen Koiné abgelöst, und zwar vielleicht früher als in den anderen griechischen Gegenden wegen der wachsenden kommunikativen Funktionen der Verwaltung seit der Mitte des 4. Jh.s.

Der lokale makedonische Dialekt, der wohl nie zum Abfassen öffentlicher Schriftstücke verwendet wurde, verschwand auch aus den geschriebenen Privattexten, da er in allen seinen Funktionen von der attisch-ionischen Koiné ersetzt wurde.

Der Verfall der örtlichen Dialekte wurde von der römischen Eroberung 168 v.Chr. und durch den gleichzeitig verstärkten Gebrauch der attisch-ionischen Koiné beschleunigt. In dieser Zeit scheint der mündliche Gebrauch der örtlichen griechischen Dialekte sowie der unbekannten indogermanischen Sprache sein Ende gefunden zu haben.

Die letzte Erwähnung des makedonischen Dialekts als gesprochener Sprache stammt vom Beginn der nachchristlichen Zeit, als, wie Strabon berichtet (7.7.8) einige (ενιοι) Makedonen δίγλωττοι waren, also die Koiné und den örtlichen Dialekt sprachen.
Koine auf Papyrus.

In der letzten Untersuchung des Bandes (Prof. Julian Méndez Dosuna) erfolgt eine behutsame, detaillierte und gründliche Analyse der linguistischen Daten, welche die Ansicht stützen, dass das Makedonische ein altgriechischer Dialekt ist (die sogenannte „Griechische Hypothese“, wie bezeichnenderweise betont wird).

Und zwar zeigt dieser Dialekt viele Elemente, die ihn in die Gruppe der nordwestlichen Dialekte einordnen. Dann schreitet Prof. Dosuna zur Aufzählung und analytischen Erörterung aller Elemente, welche obige Ansicht stützen, Elemente aus antiken Zeugnissen zur „Griechischkeit“ der Makedonen, Glossen des Lexikographen Hesych (5. Jh. n.Chr.)
wie z.B. άδη ούρανός. Μακεδόνες (AGr αίθήρ), δώραξ• σπλήν ύπό Μακεδόνων (AGr θώραξ, ‘Brust, Rumpf’), δανών• κακοποιών• κτείνων (wahrscheinlich *θανόω = AGr θανατόω; vgl. maked. δάνος für das AGr θάνατος nach Plutarch 2.22c), γόλα (Manuskript γόδα)• εντερα (vermutlich γολά = att. χολή ‘Galle’, ‘Gallenblase’, hom. χολάδες ‘Eingeweide’), βηματίζει• το τοΐς ποσι μετρεΐν, άργιόπους (wahrscheinlich statt άργίπους)• άετός, oder θούριδες• νύμφαι, Μοΰσαι u.a.;

Personennamen wie Philippos, 
Alexandros, 
Perdikkas, 
Amyntas u.a.; 
inschriftliches Material, bei dem das in die Jahre 380-350 v.Chr. datierte Fluchtäfelchen aus Pella einen zentralen Rang einnimmt; makedonische Inschriften, verfasst auf Attisch oder in der attisch-ionischen Koiné.

Dann nimmt der Forscher eine gründliche und belegte Analyse des linguistischen Materials und seiner besonderen Merkmale vor, vornehmlich in phonetisch-phonologischer Hinsicht und beweist die enge Beziehung des Makedonischen zu den anderen Dialekten des Griechischen.

Natürlich weist das Makedonische auch gewisse besondere phonetische Merkmale auf, die sich von allen anderen griechischen Dialekten unterscheiden wie die Stimmhaftwerdung der Verschlusslaute /p t k/ zu [b d g] und der Reibelaute /f θ s x/ zu [v 3 z γ], obwohl man auch hier Hypothesen zu Entwicklungen anstellen könnte, die sich in ähnlicher Form in anderen Dialekten später abspielten, also die Frikativierung von /b d g/ zu [v 3 γ], eine These, die Georgios Babiniotis einige Jahre zuvor aufgestellt hatte.

Die vier Arbeiten tragen folglich entscheidend zur Aufklärung der Identität der Sprache des antiken Makedonenreichs bei.

Die historischen Zeugnisse, die archäologischen Daten und die kulturellen Elemente, die philologischen und linguistischen Zeugnisse legen vorbehaltlos die Zuordnung des Makedonischen zu den antiken griechischen Dialekten nahe.

Besonders die beiden letzten Studien Emilio Crespos und Julian Méndez Dosunas, welche die linguistischen Gegebenheiten analysieren und diskutieren, ordnen das Makedonische unter die griechischen Dialekte ein und weisen es den Dialekten der nordwestlichen Gruppe zu, die enge Beziehungen zum Dorischen aufweist. Sollten sich die historischen, archäologischen, philologischen und andere diesbezügliche Zeugnisse mit den linguistischen Befunden in Einklang bringen lassen, ist das letztliche Bild abgerundet und vollständig; die Arbeiten dieses Bandes streben eben dieses Ziel an und wir glauben, sie haben es erreicht.

Zum Schluss möchte ich mich bei Prof. I. N. Kazazis, dem Vorsitzenden des Zentrums für die Griechische Sprache, und bei Prof. Antonios Rengakos, dem Leiter der linguistischen Abteilung des Zentrums, für die begeisterte Billigung des Programms der antiken Dialekte und seine vorbehaltlose Unterstützung bedanken, bei den Übersetzern der Texte sowie beim Personal des Zentrums, besonders bei den Philologinnen Maria Arapopoulou, Maria Chriti, Konstantina Gakopoulou und Anna Lichou und bei der Sekretärin Katerina Zianna einerseits für die Hilfe durch die Lektorierung der Texte und andererseits für die effiziente Erledigung der komplizierten bürokratischen Verfahren.

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